CDU sucht das ruhige Fahrwasser

Gemeindeverband Kirchen kam zusammen:

Bad-Diskussion hat Spuren hinterlassen/Georg Becker als Vorsitzender bestätigt

thor Harbach. Nach parteiinterner Windstärke 12 versucht der CDU-Gemeindeverband wieder in deutlich ruhigere Gewässer zu gelangen – auch und gerade im Hinblick auf die im März anstehenden Wahlen. Das jedenfalls war eine der Botschaften, die gestern Abend die Teilnehmer der Mitgliederversammlung von Harbach mit nach Hause nehmen sollten. Doch allein schon deren Zahl zeigte, dass die Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate – in erster Linie um das Freizeitbad in Kirchen – Spuren hinterlassen haben. Gerade mal 84 Stimmberechtigte waren im Bürgerhaus erschienen; bei der letzten Versammlung Ende 2003 waren es rund 150.

Freundschaften zerbrochen

So ist zu vermuten, dass noch nicht alle Wunden der jüngeren Vergangenheit geschlossen, geschweige denn vernarbt sind – denn Wunden waren es, das wollten die politisch Verantwortlichen auch gar nicht beschönigen. Bereits zu Beginn hatte Bürgermeister Wolfgang Müller von einer »wenig gelungenen Diskussion« um das Bad gesprochen. In seinem Rückblick stellte er später fest: »Die Diskussion hat zu Verletzungen geführt.« Freundschaften seien daran zerbrochen, so habe es ihm Bernhard Baumeister (Brachbach) mitgeteilt. Müller richtete jedoch den Blick nach vorn: »Ich hoffe nun, dass wir wieder in ruhigeres Fahrwasser kommen.« Bei allen Meinungsverschiedenheiten müsse es am Ende eine vernünftige Lösung geben, auch nach den Gesprächen mit den Partnern in Betzdorf.

»Mit 6 Mill. Euro ist ein Bad zu sanieren«, wiederholte Ulrich Merzhäuser, Chef der CDU-Verbandsgemeinderatsfraktion, seine These. Für ihn persönlich sei es die kontroverseste Diskussion in seinem kommunalpolitischen Leben gewesen. Sein Dank ging an alle, »die den Kompromiss mitgetragen haben«. Merzhäuser schloss darin auch jene Ratsmitglieder ein, die vehement die Interessen ihrer Ortsgemeinden vertreten hätten. Sein Appell: Die CDU solle nicht durch innere Querelen ihre dominierende Rolle in der Verbandsgemeinde Kirchen aufs Spiel setzen.

»Kommunikation erhöhen«

Einen fast schon versteckten Ratschlag für die künftige Diskussionskultur in Kirchen hatte der Kreisvorsitzende Dr. Josef Rosenbauer parat: »Wenn es schwierig wird, muss man die Kommunikation erhöhen.« Damit meinte er zwar eine persönliche Erfahrung in Mainz, doch der Zaunpfahl war offensichtlich.

Im Mittelpunkt des Abend stand freilich die Neuwahl des Vorstands. Dabei wurde Georg Becker (Kirchen) in seinem Amt als Vorsitzender des Gemeindeverbands bestätigt. Der 33-Jährige erhielt 72 Ja-Stimmen, elf Christdemokraten votierten gegen ihn bei einer Enthaltung. Seine Stellvertreter sind weiterhin Christel Reuber (Friesenhagen) und Christian Pfeiffer (Niederfischbach) sowie – neu – Hermann Gerhardus (Mudersbach), der für die ausgeschiedene Veronika Schuhen von seinem Ortsverband nominiert worden war. Für Christel Reuber stimmten 72 der Anwesenden, Pfeiffer bekam 75 Mal »grünes Licht«, während Gerhardus mit lediglich 59 Ja- und 18 Nein-Stimmen (sechs Enthaltungen) ab- und auffiel. Zum Schriftführer wurde in Abwesenheit Udo Horn (Wehbach) gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Sirko Falke (Kirchen) an. Die Aufgaben der Kassiererin nimmt weiterhin Sandra Kohles (Kirchen) wahr.

Georg Becker rief seine Parteifreunde dazu auf, die CDU in den nächsten Wochen massiv zu unterstützen. Das forderte auch Bürgermeister Müller: »Wir werden die Wahl gewinnen, wenn wir gemeinsam für beide (Michael Lieber und Dr. Josef Rosenbauer) kämpfen. Wir haben das bessere Personal und die besseren Argumente.« Man brauche sowohl Lieber als auch Rosenbauer als starke Fürsprecher für die Region.

Scharfe Kritik an Böhr und Jullien

Dass aber die Landtagswahl so einfach gewonnen werden kann, daran hegen einige an der Basis so ihre Zweifel. Hermann Mockenhaupt (Friesenhagen) sprach gestern vielen aus der Seele, als er auf die Vorgänge um den ehemaligen Landes-Geschäftsführer und Schatzmeister Herbert Jullien hinwies. Dabei ging er auch mit Christoph Böhr hart ins Gericht: »Wenn unser Landesvorsitzender einen solchen Schlawiner bis zum Schluss halten will, dann kann ich auch von ihm nichts halten.« Mockenhaupt forderte, Jullien von der CDU-Liste zu streichen: »Mit dem Mann ist die Wahl nicht zu gewinnen.« Oder aber wolle Böhr ihn nominieren, um hinterher eine mögliche Niederlage auf Jullien zu schieben? fragte der Friesenhagener. Während Dr. Rosenbauer leicht gequält lächelte, war Mockenhaupt der Beifall der Anwesenden sicher.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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