Preise im Grenzgebiet angleichen
CDU will Tarifdschungel auf der Siegstrecke lichten

Vom Bahnhof Niederschelden (in Niederschelderhütte) kommt man sehr günstig nach Köln, die Fahrt ins nur wenige Kilometer entfernte Siegen ist hingegen unverhältnismäßig teuer.
  • Vom Bahnhof Niederschelden (in Niederschelderhütte) kommt man sehr günstig nach Köln, die Fahrt ins nur wenige Kilometer entfernte Siegen ist hingegen unverhältnismäßig teuer.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

thor Mudersbach. Die Mudersbacher widersprechen schon lange nicht mehr, wenn man ihre Gemeinde als inoffiziellen Wohnort von Siegen bezeichnet. Und manch Schelderhütter würde steif und fest behaupten, dass nicht Maik Köhler, sondern Steffen Mues sein Bürgermeister ist. So eng die Kontakte und so gut die Verbindungen sind, gibt es doch noch eine Sache, die an die Schlagbäume in der Nachkriegszeit erinnert: In Sachen ÖPNV, egal ob Bus oder Bahn, trennen ganze Welten die Ortsgemeinde von der Großstadt. Das Thema hat sich nun noch einmal die CDU vorgenommen. Ihr Ziel ist es, die Tarife im Grenzgebiet zu vereinheitlichen und den „Dschungel“ deutlich zu lichten. Dafür lag am Donnerstagabend ein Antrag bei der Sitzung des Ortsgemeinderats vor.

Vier Euro für Fahrt nach Siegen - 11,90 Euro für Fahrt nach Köln

In der Vorlage verweisen die Christdemokraten darauf, dass eine Fahrt vom Bahnhof Niederschelden nach Siegen 4 Euro kostet, nach Kirchen aber nur 3,10 Euro – und selbst nach Köln gelangt man dank des VRS-Tarifs mit 11,90 Euro sehr günstig. Von Niederschelden-Nord nach Siegen sind dann nur noch 2,60 Euro fällig. Der Witz: Für eine Fahrt von Niederschelden-Nord nach Köln gilt noch der VRS-Tarif (11,90 Euro). Fährt man aber von Eiserfeld oder von Siegen in die Domstadt, müssen 20,40 Euro gezahlt werden. „Wenige Kilometer Entfernung begründen enorme Preisunterschiede“, heißt in der Antragsbegründung der CDU.

Verkehrsverbünde sorgen für Ticketvielfalt

Die Gründe liegen für die Fraktion klar auf der Hand: Verschiedene Verkehrsverbünde sorgen für eine Ticketvielfalt. „Die aktuelle Situation ist weder fahrgastfreundlich noch zeitgemäß“, sagte Fraktionssprecher Markus Köhler in der Sitzung. Daher sollte nach Meinung der CDU auf der Siegstrecke zwischen Köln und Siegen zukünftig nur noch ein Verbundtarif gelten – und das wäre am besten der des VRS. Laut Köhler würden dann nicht nur die Mudersbacher günstiger nach Siegen kommen (und vermehrt vom Auto auf die Bahn umsteigen). „Auch die Siegener würden von einem durchgehenden VRS-Tarif profitieren“, meinte er mit Blickrichtung Köln. Der CDU-Antrag sah vor, eine entsprechende Resolution an den Landrat zu beschließen, verbunden mit der Bitte, diese Lösung zu unterstützen.
„Die SPD-Fraktion freut sich sehr darüber, das kann man nur wohlwollend unterstützen“, sagte Franz Bauschert. Es sei an der Zeit, dass man sich endlich mit dieser „unbefriedigenden Situation“ beschäftige. Abgesehen von diesem Dilemma seien die Fahrpreise allgemein aber viel zu hoch, so Bauschert. Politiker forderten in Sonntagsreden zwar immer wieder, die Bahn zu nutzen, legten aber selbst dann die Preise fest.

"In Siegen wird der Vorstoß nicht auf Gegenliebe stoßen"

Der SPD-Mann und Bahnexperte warnte allerdings vor allzu großer Euphorie: „Wir werden dicke, dicke Bretter bohren müssen.“ In Siegen werde der Vorstoß nicht unbedingt auf Gegenliebe stoßen, drohe doch der Verlust von Kaufkraft. Bauschert schlug vor, u. a. Vertreter der Zweckverbände in die Gremien nach Mudersbach einzuladen, um das Thema weiter zu erörtern.
Ein „Ja, aber“ kam von der Wählergruppe Stötzel. Das Thema gehöre eigentlich auf die Ebene des Kreises, dort fielen die Entscheidungen, so Jens Stötzel. Und seit 2002 habe es die CDU versäumt, ihre Mandatsträger dort entsprechend zu beauftragen. Trotzdem stimme man dem Antrag zu, auch der Ergänzung von der SPD.

Wartezeiten in Niederschelden und Brachbach sollen verkürzt werden

Die CDU hat aber nicht nur auf die Siegstrecke geschaut, sondern auch die Situation beim innerörtlichen Busverkehr betrachtet. Aufgrund der festen Fahrplanzeiten müssten Fahrgäste an den Bahnhöfen Niederschelden und Brachbach bislang oft lange Wartezeiten für den Umstieg in Kauf nehmen. Ohnehin sei aufgrund der Größe von Mudersbach sowie der Einwohneranzahl der klassische Linienverkehr eher ungeeignet.
Die CDU wünscht sich auch hier eine bessere Anbindung der beiden Bahnhöfe, zusätzliche Bushaltepunkte für die innerörtliche Buslinie 297 im Bereich Giebelwaldhalle, Dammicht, Ärztezentrum Poststraße, Kronacker und Ortsmitte Birken. Alternativ sollte ein Linienbedarfsverkehr geprüft werden. Ansprechpartner bei diesem Thema ist die Westerwaldbus GmbH, auch mit den Verantwortlichen dort will man das Gespräch suchen.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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