SZ

Beispiel Wanderfreunde "Siegperle"
Corona bringt Vereinsarbeit zum Erliegen

Sven Wolff im Gespräch mit der SZ: Der Vorsitzende der Wanderfreunde „Siegperle“ berichtet von einem Vereinsjahr, wie es noch keines zuvor gegeben hat, und über die Lage der Vereine in der Verbandsgemeinde Kirchen.
  • Sven Wolff im Gespräch mit der SZ: Der Vorsitzende der Wanderfreunde „Siegperle“ berichtet von einem Vereinsjahr, wie es noch keines zuvor gegeben hat, und über die Lage der Vereine in der Verbandsgemeinde Kirchen.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

dach Kirchen. Der Schreibblock noch nicht mal auf dem Tisch, der Kuli noch in der Jackentasche – da bringt es Sven Wolff bereits auf den Punkt: „Das ist irgendwie ein verkorkstes Jahr.“Die SZ hatte den Vorsitzenden der Wanderfreunde „Siegperle“ Kirchen darum gebeten, einen Einblick in ein Vereinsjahr zu gewähren, wie es noch keines zuvor gegeben hat. Zudem ist er unter anderem für das Vereinsmanagement bei der Kirchener Verbandsgemeindeverwaltung zuständig.

Denn eines ist klar: Corona hat (auch) das Vereinsleben ins Mark getroffen. Dabei geht es nicht bloß ums Trompetespielen, Scheibenschießen oder um Schwimmkurse – die Vereinskultur ist, gerade im ländlichen Raum, die vielleicht wichtigste gesellschaftliche Stütze.

dach Kirchen. Der Schreibblock noch nicht mal auf dem Tisch, der Kuli noch in der Jackentasche – da bringt es Sven Wolff bereits auf den Punkt: „Das ist irgendwie ein verkorkstes Jahr.“Die SZ hatte den Vorsitzenden der Wanderfreunde „Siegperle“ Kirchen darum gebeten, einen Einblick in ein Vereinsjahr zu gewähren, wie es noch keines zuvor gegeben hat. Zudem ist er unter anderem für das Vereinsmanagement bei der Kirchener Verbandsgemeindeverwaltung zuständig.

Denn eines ist klar: Corona hat (auch) das Vereinsleben ins Mark getroffen. Dabei geht es nicht bloß ums Trompetespielen, Scheibenschießen oder um Schwimmkurse – die Vereinskultur ist, gerade im ländlichen Raum, die vielleicht wichtigste gesellschaftliche Stütze.

Durch Corona kommt Vereinsarbeit zum Erliegen

Und am Beispiel der „Siegperle“ kann man erahnen, wie sehr die Vereinsarbeit 2020 ins Stocken, ja mancherorts zum Erliegen gekommen ist. Dabei fing alles gut an, fröhlich sogar: mit einer Busfahrt ins rheinländische Hürth Anfang Februar, zu einer IVV-Wanderung (Internationaler Volkssportverband) samt karnevalistischer Einlagen. Spätestens da waren die weiteren Bustouren der „Siegperle“ bis in den August hinein ausgebucht, berichtet Wolff: „Da war die Welt noch in Ordnung.“ Nun ging es vielmehr für den Vorstand darum zu eruieren, für welchen Ausflug „Doppeldecker“ bestellt werden müssen, aufgrund des großen Interesses.
Daraus wurde: nichts. Kurz vor dem nächsten Termin im März – eine Wanderung im Naheland – sagte Wolff diese Tour ab. Danach ging alles ganz schnell und auch die weiteren Busfahrten wurden gecancelt, wie es neudeutsch so schön heißt. Ebenfalls auf der Streichliste: die Mehrtagesfahrt nach Tirol im September und die Ferienspaß-Tour in den Movie-Park Bottrop.
Dabei blieb es nicht. Denn auch an die beiden eigenen Wanderveranstaltungen in Freusburg, ebenfalls unter dem Siegel IVV, wurde ein Haken gemacht. Damit war auch klar: Die Wanderfreunde würden ihre größten Einnahmenposten des Jahres verlieren. In guten Jahren melden sich hier jeweils rund 1000 Wanderer an. 2000 Startkarten waren bereits bestellt und geliefert worden, Stückpreis: ein Euro. Der Deutsche Volksportverband nahm das „Paket“ aber zurück.

Finanziell mageres Jahr für die "Siegperle"

Von Glück können Wolff und sein Team auch reden, dass die vier Busunternehmen, bei denen die „Siegperle“ für 2020 gebucht hatte, beinahe alle ohne zu zögern Stornierungen entgegengenommen haben. „Wenn wir das alles hätten zahlen sollen…“, so Wolff. Und dennoch: Es wird ein mageres Jahr, auch finanziell gesehen. Die Kosten für die Mitgliedschaft im Dachverband, für Versicherungen, die Internetpräsenz etc. müssen nun aus den Beiträgen der 215 Mitglieder beglichen werden. Wobei das nicht ganz stimmt. Auf die Kirchener Ortsvereine ging im Frühjahr, mitten im Lockdown, ein Geldregen nieder. Wie berichtet, wurde eine Erbschaft auf 49 Vereine verteilt. Rund 1800 Euro bekam die „Siegperle“. Immerhin.
Ein weiterer Lichtblick war eine geführte Wanderung rund um Kirchen Anfang Oktober. Aber bei diesen beiden Aktionen – einschließlich der Jahresauftaktfahrt – wird es für die „Siegperle“ in diesem Jahr bleiben. Völlig untypisch für einen Verein, der zweimal im Jahr ein Programmheft herausgibt. Denn schließlich sind es nicht nur Bustouren, die das Vereinsleben ausmachen, sondern auch Teilnahmen an vielen Dutzenden weiteren IVV-Wanderungen im Jahr, per Individualanreise – aber stets als Wandergruppe aus Kirchen. Das hat auch strategische Gründe: Die Vereine, die man besucht, lassen sich im Gegenzug auch meist in Freusburg sehen.

Bürgerhaus wird als Corona-Infektambulanz genutzt

Ob das demnächst wieder so sein wird? Wolff ist skeptisch: „Ich bin gespannt, wenn die Pandemie vorbei ist, wen wir da seitens der Wandervereine wiedersehen werden.“ Einige hätten sogar versucht, für die zweite Jahreshälfte 2020 Wandertage anzubieten. „Wobei die Betonung auf ,versucht‘ liegt“, so Wolff. Denn: „Es ist kaum jemand erschienen.“ Für die „Siegperle“ wäre das sowieso keine Option gewesen. Bei jedem der Events seien in Freusburg und auf der Strecke rund 100 Helfer im Einsatz. „Und wir müssen ja auch die eigenen Leute schützen.“
Ein etwaiger finanzieller Verlust aufgrund zu geringen Zuspruchs ist auch nicht gerade ein Anreiz, den ganzen Aufwand in Kauf zu nehmen. Von daher sieht der Vorsitzende auch die kommende IVV-Wanderung von Freusburg aus, bisher noch für Anfang Juni 2021 im Kalender notiert, nicht wirklich Realität werden. Zumal hier noch ein ganz anderes Problem hineinspielt: die fehlende Örtlichkeit. Denn das Bürgerhaus wird schließlich derzeit anders genutzt – als Corona-Infektambulanz.

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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