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Extreme Frühjahrs-Dürre im Wildenburger Land
„Das ist beängstigend“

Eigentlich ist der erste Grasschnitt der beste – eigentlich. Denn diesmal wird nicht viel bei rumkommen, sagt Christoph Schmallenbach. Gerade im Wildenburger Land sind die Böden enorm trocken.  Foto: damo
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  • Eigentlich ist der erste Grasschnitt der beste – eigentlich. Denn diesmal wird nicht viel bei rumkommen, sagt Christoph Schmallenbach. Gerade im Wildenburger Land sind die Böden enorm trocken. Foto: damo
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damo Friesenhagen. „Das ging rasend schnell, das ist wirklich beängstigend“: Christoph Schmallenbach ist nicht erst seit gestern Landwirt, aber die aktuelle Situation auf den Wiesen und Weiden bereitet ihm dann doch Kopfzerbrechen. „Dass es binnen kürzester Zeit wieder genau so trocken ist wie im vergangenen Sommer, ist heftig.“ Und so geht es ihm wie vielen Kollegen im AK-Land: Die Bauern schauen besorgt auf ihre Flächen. Und vor allem warten sie auf Regen. „Wir brauchen jetzt 20 bis 30 Liter Regen“, sagt Kreisbauernvorsitzender Josef Schwan. Und zwar nicht in Form eines Sturzregens, den der knochentrockene Boden ohnehin nicht aufnehmen kann, sondern als langanhaltenden Niederschlag. Nur dann, meint Schwan, lasse sich das drohende Übel noch abwenden.

damo Friesenhagen. „Das ging rasend schnell, das ist wirklich beängstigend“: Christoph Schmallenbach ist nicht erst seit gestern Landwirt, aber die aktuelle Situation auf den Wiesen und Weiden bereitet ihm dann doch Kopfzerbrechen. „Dass es binnen kürzester Zeit wieder genau so trocken ist wie im vergangenen Sommer, ist heftig.“ Und so geht es ihm wie vielen Kollegen im AK-Land: Die Bauern schauen besorgt auf ihre Flächen. Und vor allem warten sie auf Regen. „Wir brauchen jetzt 20 bis 30 Liter Regen“, sagt Kreisbauernvorsitzender Josef Schwan. Und zwar nicht in Form eines Sturzregens, den der knochentrockene Boden ohnehin nicht aufnehmen kann, sondern als langanhaltenden Niederschlag. Nur dann, meint Schwan, lasse sich das drohende Übel noch abwenden.

„Am Samstag nach Ostern hat es zuletzt geregnet, aber das waren nur ein paar Tropfen“, blickt Schmallenbach zurück. Sein Hof steht in Friesenhagen und damit in einem Gebiet, das die Dürre schon früh im Jahr erstaunlich hart erwischt hat. Das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung analysiert die Wasserversorgung des Bodens – und der Dürremonitor der Wissenschaftler zeichnet ein finsteres Bild für den Norden von Rheinland-Pfalz.

Und speziell im Wildenburger Land herrscht nach Angaben des Helmholtz-Zentrums bereits eine extreme Dürre. Die starke Sonneneinstrahlung und die trockenen Ostwinde haben den Flächen enorm viel Feuchtigkeit entzogen. Und das sieht man den Wiesen und Weiden mancherorts schon deutlich an.

„Im Grünland ist es jetzt schon extrem“, sagt Schmallenbach. Auf vielen Standorten haben nur die tiefwurzelnden Grassorten eine Chance. „Manches ist sogar schon wieder zurückgegangen“, sagt Schmallenbach.

Auch Josef Schwan hat wenig Hoffnung, dass der erste Silageschnitt mehr ist als „ein Rasurschnitt“. Doppelt bitter, weil nach den trockenen Vorjahren die Silage-Vorräte längst geschrumpft sind und der erste Grasschnitt des Jahres eigentlich der beste ist. Vier- bis fünfmal mähen die Milchviehbetriebe in unserer Region in einem Jahr – nun fällt der erste Schnitt weitgehend flach. Und so bleibt nur die Hoffnung auf regnerische Wochen, denn nur die würden helfen, den ersten Ausfall der Saison zu kompensieren.

Diese Einschätzung bestätigt auch Markus Mille, Kreisgeschäftsführer des Bauernverbands. Er nennt die aktuelle Lage „besorgniserregend, keine Frage. Aber durch Regenfälle könnte noch einiges aufgeholt werden. Und da setzen wir gerade auf die nächsten Tage Hoffnungen.“

Auch beim Mais ist noch alles möglich: Hierzulande säen die Bauern die Futterpflanze erst Ende April, Anfang Mai. „Wir haben Mitte Mai oft noch Bodenfrost, und wenn der Mais dann schon gekeimt hat, ist schnell alles verloren“, berichtet Schwan. Noch hat der Mais nicht gekeimt – wie auch ohne Wasser? Soll heißen: „Dem Mais ist die Trockenheit mal noch egal“, sagt Schmallenbach. Allerdings: Dass die trockenen Sommer der Vorjahre den Optimismus der Landwirte ein wenig dämpfen, überrascht wenig.

Im Unterkreis ist die Situation noch ein bisschen angespannter – denn dort, wo Getreide angebaut wird, fehlt der Regen schon jetzt, sagt Schwan. Braugerste, Weizen, Raps: Sie alle brauchen Wasser, und zwar dringend. „Gerade fürs Sommergetreide wird’s jetzt allerhöchste Zeit“, sagt auch Mille – und für einige Felder könnte es schon zu spät sein.

Zusätzlich zu den drohenden Ernteausfällen haben die Bauern auch indirekt mit der Trockenheit zu kämpfen: Das Kraftfutter wird teurer, denn schon jetzt werden Aufschläge verlangt.

Dazu muss man wissen, dass die meisten Landwirte im AK-Kreis ihr Kraftfutter von den großen Futterwerken am Rhein beziehen. Dort werden die Rohstoffe, die zumeist aus Amerika kommen, per Schiff angeliefert. Weil der Wasserstand des Rheins aber schon jetzt niedrig ist, können die Frachtschiffe nicht voll beladen werden, berichtet Schwan. Und den Verlust lassen sich die Lieferanten mit Preisaufschlägen ausgleichen. „Normalerweise fängt das erst im August an. Ich kann mich nicht entsinnen, dass wir das schonmal so früh im Jahr erlebt haben“, berichtet Schwan.

Und auch er betreibt seinen Hof im Wissener Land nicht erst seit ein paar Tagen.

Eigentlich ist der erste Grasschnitt der beste – eigentlich. Denn diesmal wird nicht viel bei rumkommen, sagt Christoph Schmallenbach. Gerade im Wildenburger Land sind die Böden enorm trocken.  Foto: damo
Der Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (hier eine Karte von Rheinland-Pfalz) spricht Bände: Im AK-Land ist der Boden viel zu trocken, und vor allem im Wildenburger Land herrscht laut den Wissenschaftlern schon jetzt eine extreme Dürre.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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