SZ

Viele Erstklässler in Herkersdorf/Offhausen
Das Kombiklassen-Problem

Die Außenstelle der Grundschule Kirchen in Herkersdorf/Offhausen wird im nächsten Jahr so viele Schüler wie lange nicht mehr haben. Ist grundsätzlich eine positive Nachricht, führt aber zu „Verteilungsproblemen“. Foto: rai
  • Die Außenstelle der Grundschule Kirchen in Herkersdorf/Offhausen wird im nächsten Jahr so viele Schüler wie lange nicht mehr haben. Ist grundsätzlich eine positive Nachricht, führt aber zu „Verteilungsproblemen“. Foto: rai
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thor Herkersdorf. Zwei Jahre lang herrschte an der Außenstelle der Grundschule Kirchen in Herkersdorf/Offhausen jener Zustand, der sowohl für Kinder als auch Lehrerinnen der beste ist: Es war ganz einfach ruhig. Keine Plakataktionen, keine Proteste, keine Brandbriefe. Schule kann manchmal doch ganz entspannend sein, wenn denn der Erhalt eines Standorts – erst einmal – gesichert ist.
Starke JahrgängeDoch nun ist wieder eine gehörige Portion Unruhe rund um die Außenstelle bzw. in einschlägigen WhatsApp-Gruppen zu spüren, diesmal allerdings mit ganz anderen Vorzeichen als noch vor einigen Jahren. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage, welche Kombi-Klassen mit welchen Schülern zum neuen Schuljahr gebildet werden.

thor Herkersdorf. Zwei Jahre lang herrschte an der Außenstelle der Grundschule Kirchen in Herkersdorf/Offhausen jener Zustand, der sowohl für Kinder als auch Lehrerinnen der beste ist: Es war ganz einfach ruhig. Keine Plakataktionen, keine Proteste, keine Brandbriefe. Schule kann manchmal doch ganz entspannend sein, wenn denn der Erhalt eines Standorts – erst einmal – gesichert ist.

Starke Jahrgänge

Doch nun ist wieder eine gehörige Portion Unruhe rund um die Außenstelle bzw. in einschlägigen WhatsApp-Gruppen zu spüren, diesmal allerdings mit ganz anderen Vorzeichen als noch vor einigen Jahren. Es geht schlicht und ergreifend um die Frage, welche Kombi-Klassen mit welchen Schülern zum neuen Schuljahr gebildet werden. Dabei ist die Ursache für diese Diskussion eigentlich eine sehr erfreuliche, denn nach elf Erstklässlern im laufenden Schuljahr werden nach den Sommerferien sogar 16 erwartet. Es sind dies jene starken Jahrgänge, auf die auch die Elterninitiative in der Standort-Diskussion immer verwiesen hatte. Das ist – je nach Betrachtungsweise – entweder ein Dilemma oder ein Glücksfall.

Transparente Informationspolitik

Schulleiter Lars Lamowski hatte sich jedenfalls geschworen, nach den persönlichen Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit mit keiner einzigen Zahl hinterm Berg zu halten und Politik und Verwaltung lieber einmal zu viel als zu wenig zu informieren. Und so hatte er rechtzeitig auf die Situation hingewiesen, die da ins Haus steht. Dafür gab es intern viel Lob, derweil einige Eltern schon wieder die Geschütze auf den Molzberg ausgerichtet hatten.

Fakt ist: In der Außenstelle werden in der 1. Klasse 16, in der 2. Klasse elf, in der 3. Klasse 5 und in der 4. Klasse vier Kinder unterrichtet. Momentan sind in Herkersdorf/Offhausen jeweils aus den beiden jüngeren und älteren Jahrgängen zwei Kombi-Klassen gebildet worden. Was aufgrund der Schülerzahl weder Eltern noch die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) als Schulbehörde auf den Plan rief. Was zum neuen Schuljahr ganz anders aussieht.

Drei Alternativen präsentiert

Und so trafen sich jetzt Schulrätin Marie-Luise Hees und Schulleiter Lamowski mit den Fraktionsspitzen aus dem Verbandsgemeinderat und Bürgermeister Maik Köhler. Vorgestellt wurden dabei jene Optionen (drei an der Zahl, die nach dem Schulgesetz möglich wären. Die lauteten:

• 1. Bildung einer eigenständigen 1. Klasse sowie einer Kombiklasse mit den restlichen Jahrgängen;

• 2. Bildung von zwei Kombiklassen mit dem 1. und 2. Schuljahr (27 Kinder) und dem 3. und 4. Schuljahr (neun Kinder):

• 3. Sollten die Eltern bereit sein, Verlegung der kompletten Klassenstufe 4 an den Molzberg, anschließend Bildung einer Kombiklasse 2/3 und einer Jahrgangsklasse 1.

Zusätzliche Lehrerstunden

Schulrätin Hees zeigte sich bei der zweiten Variante durchaus generös und erklärte sich namens der ADD dazu bereits, zusätzliche Lehrerstunden für den Standort zur Verfügung zu stellen, schließlich würde mit 27 Kinder die Klassenmesszahl etwas überschritten. Für weitere Alternativen wurde aufgrund der rechtlichen Situation kein Spielraum gesehen.

Schulrätin und Schulleiter überrascht

Nun gehen die Meinungen von der Wertung des Gesprächs aber auseinander. Unbestritten ist, dass die Varianten 1 und 3 bei Politik und Verwaltung sofort auf Ablehnung stießen. Hees und Lamowski hatten aber nicht nur den Eindruck, sondern waren sich sicher, dass sich die Entscheidungsträger vor Ort unter den gegebenen Umständen sehr wohl mit Variante 2 anfreunden können. So ging man auseinander – und war wenig später umso überraschter, als sich der Schulträger mit einem eigenen Vorschlag an die ADD wendete.

Köhler: "Varianten alle nicht gut"

Bürgermeister Köhler widersprach gegenüber der SZ dem Eindruck, dass es bei diesem Treffen schon eine Einigung gegeben habe. Zunächst einmal wollte der Verwaltungschef festgehalten wissen, dass man sich mit dem Schulstandort Herkersdorf/Offhausen „auf dem Erfolgsweg“ befinde. Die Entscheidung, den Standort zu halten, habe sich bewährt. Nun seien aber von der Schulleitung und der ADD drei Varianten vorgestellt worden, „die alle nicht gut waren“, so Köhler. „Wir haben daher einen eigenen Vorschlag gemacht.“

Drei Lehrer gewünscht

Der sieht vor, die Klassen 1 und 2 jeweils eigenständig und für die 3 und 4 eine Kombiklasse zu bilden. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass eine komplette zusätzliche Lehrerstelle eingerichtet werden müsste. „Hierbei bitten wir zu berücksichtigen, dass die niedrigen Schülerzahlen in den Klassen 3 und 4 auf die seinerzeitige Diskussion über den Erhalt bzw. die Schließung des Standorts zurückzuführen sind und die Schülerzahlen nunmehr nach Festlegung der Situation wieder steigen. Der Grundschulstandort erfährt aufgrund seines pädagogisch hochwertigen Angebots nun hohen Zuspruch in der Elternschaft“, schreibt Köhler.

Kein "Lex Herkersdorf"

Die spannende Frage wird nun die sein, ob die ADD diesem Wunsch so einfach entsprechen wird oder eher der Meinung ist, dass hier statt der ausgestreckten Hand gleich der ganze Arm gefordert wird. Zumal es auch kein Geheimnis ist, dass landesweit Lehrer an den Grundschulen fehlen. „Wünschen kann man sich alles“, meinte denn auch Marie-Luise Hees vielsagend. Allerdings entspreche die Idee des Schulträgers nicht der Verwaltungsvorschrift. Zudem müsse auch darauf geachtet werden, dass an kleinen Schulen Vergleichbarkeit herrsche. Eine „Lex Herkersdorf“ kann sich die Schulrätin jedenfalls schwer vorstellen, entscheiden werde letztlich der Präsident der ADD.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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