SZ

Zahlreiche Lockerungen in Rheinland-Pfalz
Das Land wagt eine Art Befreiungsschlag

„Wir freuen uns, wieder hierhin zu kommen“: Gestern waren Klaudia Bolduan und ihr Mutter Ursula Broja aus Siegen nach Mittelhof angereist und machten klar Schiff. Auf Abstand mit im Bild Campinplatz-Chef Matthias Weber.  Foto: rai
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  • „Wir freuen uns, wieder hierhin zu kommen“: Gestern waren Klaudia Bolduan und ihr Mutter Ursula Broja aus Siegen nach Mittelhof angereist und machten klar Schiff. Auf Abstand mit im Bild Campinplatz-Chef Matthias Weber. Foto: rai
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thor/nb/lrs Kreis Altenkirchen. Christoph Weber hatte es geahnt: Der Geschäftsführer der Freizeitbad Molzberg GmbH hatte am Mittwoch Morgen ein Schreiben an alle Nutzergruppen aufgesetzt, um sie über die momentane Situation zu informieren. Darin enthalten war der Hinweis, dass Nachrichten in der Corona-Phase manchmal nur eine Halbwertszeit von wenigen Stunden haben. Wie wahr. Denn am Mittag wurde Weber von den Ereignissen praktisch überholt: In Mainz hatte die Landesregierung gerade ihre neue „Zukunftsperspektive Rheinland-Pfalz“ vorgestellt, die weitreichende Lockerungen des öffentlichen Lebens vorsieht.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer erläuterte gemeinsam mit Wirtschaftsminister Dr.

thor/nb/lrs Kreis Altenkirchen. Christoph Weber hatte es geahnt: Der Geschäftsführer der Freizeitbad Molzberg GmbH hatte am Mittwoch Morgen ein Schreiben an alle Nutzergruppen aufgesetzt, um sie über die momentane Situation zu informieren. Darin enthalten war der Hinweis, dass Nachrichten in der Corona-Phase manchmal nur eine Halbwertszeit von wenigen Stunden haben. Wie wahr. Denn am Mittag wurde Weber von den Ereignissen praktisch überholt: In Mainz hatte die Landesregierung gerade ihre neue „Zukunftsperspektive Rheinland-Pfalz“ vorgestellt, die weitreichende Lockerungen des öffentlichen Lebens vorsieht.

Ministerpräsidentin Malu Dreyer erläuterte gemeinsam mit Wirtschaftsminister Dr. Volker Wissing, Umweltministerin Ulrike Höfken und Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler das neue Konzept, das dem Dreiklang „Gesundheit schützen – Freiheitsrechte bewahren – Wirtschaft stärken“ folgen soll. Stufenweise werden so z. B. Veranstaltungen drinnen wie draußen mit gewissen Personenbegrenzungen zugelassen. Fahrschulen können ab sofort wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Dreyer sprach von einem „Vier-Phasen-Modell“, das nun greife. Es gebe stets zuerst Lockerungen draußen, dann drinnen. So könnten Freibäder zum 27. Mai öffnen, Hallenbäder am 10. Juni. Flohmärkte draußen seien ab 27. Mai möglich. Das ist auch der Stichtag für den Indoor-Sport und somit auch für alle Fitness-Studios. Zuvor waren in zwei Schritten zunächst Individualsportarten im Freien und zuletzt dann in der sechsten Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes auch Mannschaftssportarten im Freien freigegeben worden, wobei es keine Wettkämpfe oder wettkampfähnliche Situationen geben darf.

Für die Kindertagesstätten in Rheinland-Pfalz ist ab Anfang Juni wieder ein „eingeschränkter Regelbetrieb“ geplant. Leitlinien dazu werde Bildungsministerin Stefanie Hubig nach Gesprächen mit den Kita-Trägern am Mittwoch kommender Woche vorstellen, sagte Dreyer. Zurzeit bieten die Kitas eine „erweiterte Notbetreuung“ an, die „erfreulicherweise auch zunehmend mehr Zuspruch findet“. Es sei gewünscht, dass Eltern dieses Angebot nutzten, um Beruf und Familie wieder besser vereinbaren zu können. Aber auch Kinder, „die es nicht mehr aushalten“, ihre Freundinnen und Freunde so lange nicht sehen zu können, seien eingeladen, wieder in die Kita zu kommen.

Auch bei der stufenweisen Öffnung des Präsenzunterrichts an den Schulen gibt es eine Betreuung für Kinder und Jugendliche, die noch oder zeitweise zu Hause unterrichtet werden. „Auch da haben wir wirklich noch Luft nach oben“, sagte Dreyer. „Eltern können und dürfen das in Anspruch nehmen.“

Konkrete Angaben machte die Staatskanzlei zu Veranstaltungen in den kommenden Wochen und Monaten. Außenveranstaltungen mit maximal 100 Menschen werden ab dem 27. Mai wieder möglich. Vom 10. Juni an werde die Personenbegrenzung auf 250 angehoben. Etwas später werden Lockerungen für Innenveranstaltungen greifen. Diese sind den Angaben zufolge ab 10. Juni mit bis zu 75 Menschen wieder möglich, ab dem 24. Juni dürfen es dann drinnen bis zu 150 Menschen sein. Weiterhin untersagt sind währenddessen Volks- oder Weinfeste, größere Sportveranstaltungen mit Zuschauern oder auch größere Konzerte.

Die SZ hat einige Reaktionen auf die angekündigten Maßnahmen eingefangen: So war Christoph Weber nach eigenen Angaben doch etwas überrascht, dass Bäder und Saunen so schnell wieder öffnen dürfen. Zugleich warnte er vor übertriebenen Erwartungen. So werde u. a. ein Schul- oder Vereinsschwimmen vor den Sommerferien kaum möglich sein. „Denn das erfordert erhebliche organisatorische und personelle Anpassungen. Wir brauchen einfach eine gewisse Vorbereitungszeit.“ Gleiches gelte auch für bestimmte Gruppen wie die Rheuma-Liga, wo die Teilnehmer zur Hochrisikogruppe gehörten.

Was die Sauna angeht, verwies der Geschäftsführer auf die laufenden Arbeiten für das Außenbecken (die SZ berichtete). Die Arbeiten würden voraussichtlich Mitte Juli beendet. „Und wir warten jetzt die Fertigstellung ab“, so Weber. Denn ohnehin wäre es während der Bauphase zu Einschränkungen gekommen. Die Nachrichten aus Mainz seien aber auf jeden Fall ein positives Signal für die Mitarbeiter – die befinden sich schließlich seit dem 1. Mai in Kurzarbeit.

Ein lautes Aufatmen war  kreisweit aus den Fitness-Studios und Gesundheits-Clubs zu vernehmen. Deren Betreiber hatten noch vor wenigen Tagen via SZ auf den Ernst der Lage aufmerksam gemacht und die sofortige Öffnung gefordert. Nun ist es der 27. Mai geworden. „Damit kann ich leben“, sagte Rüdiger Schneider, Inhaber der „Körperwelt“ im Gewerbepark Dauersberg. Am liebsten hätte er wie alle anderen Kollegen sofort aufgemacht. Ein noch späterer Termin, davon ist Schneider überzeugt, hätte die Branche allerdings in ein Desaster gestürzt.

Bereits seit Mittwoch dürfen die Fahrschulen wieder theoretischen und praktischen Unterricht erteilen. Doch klar, die Schutzmaßnahmen drücken aufs Bremspedal. So hat etwa Markus Harms beschlossen, mit seiner Fahrschule in Herdorf erst in der kommenden Woche wieder zu starten. Als die SZ mit ihm telefonierte, war er mitten in Umbauarbeiten im Schulungsraum. Es herrscht die inzwischen bekannte Abstands- und Maskenpflicht. Schutzmasken müssen auch bei der praktischen Schulung in Lkw und Auto getragen werden – dass das „schlaucht“, hat Harms bereits von Kollegen gehört. Nach jedem Schüler müssen die Fahrzeuge dann gründlich gelüftet und desinfiziert werden.

Wer ist auf welchem Stand, wer kann und darf wann zum Theorieunterricht? All das und mehr müssen die Fahrlehrer derzeit auch klären. Harms rechnet daher auch mit Wartezeiten bei Ausbildung und Prüfungen. Von Politik und Behörden fühlt er sich nicht besonders gut aufgeklärt. Er sei dankbar, dass der Fahrlehrerverband regelmäßig informiere. Maik Herrmann, hiesiger Kreisvorsitzender des Verbandes und selbst Inhaber einer Fahrschule in Kirchen, sagt, dass von der lokalen Politik schon Engagement dagewesen, aber eben wenig „von weiter oben“ gekommen sei. Er hat gestern wieder mit dem Unterricht losgelegt, mahnt aber auch: „Die Fahrschüler und ihre Eltern müssen Geduld haben.“ Allein die Tatsache, dass auf der Auto-Rückbank niemand mehr Platz nehmen dürfte, würde schon Zeit fressen.

Mit einem blauen Auge werden wohl die Campingplätze aus der Krise kommen. Dauercamper sind schon jetzt wieder erlaubt, die Normalität (wenn man es so nennen mag) beginnt wieder ab dem 10. Juni – auch „Im Eichenwald“ in Mittelhof. „Wir sind alle froh, dass wir so in die Sommersaison gehen können“, sagt Platz-Chef Matthias Weber. Allerdings müsse man auch bedenken, dass alle große Gruppen, die normalerweise über die langen Wochenenden buchten, ausgeblieben seien. Für manche Plätze mache das Frühjahr die Hälfte des Jahresumsatzes aus, so Weber. Doch letztlich überwiegt bei ihm die Erleichterung und der Optimismus. Der Campingplatz „Im Eichenwald“ hat alleine 150 Einheiten für Dauercamper. Und die, die schon hier seien, verhielten sich vorbildlich in Sachen Hygiene.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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