Das „Sommerloch“ im Kirchener Rathaus

thor Kirchen. Wer Ursachenforschung betreiben will für das, was sich derzeit im Kirchener Rathaus und drum herum abspielt, könnte – wenn er es sich einfach macht – auf die fehlenden Bäder auf dem Molzberg und in Wehbach verweisen: Es fehlt in der Verbandsgemeinde ganz klar an ausreichenden Möglichkeiten zur Abkühlung. Doch damit ist es (leider) nicht getan: Die „dicke Luft“ in der Verwaltung hat schließlich nur bedingt mit dem Vorzeige-Sommer zu tun, sondern ist eher hausgemacht. Das Fatale daran: Während man sich im Siegerland unter Garantie irgendwann wieder an Regen, Mantel und Eiskratzer gewöhnen muss, ist ein Ende des aufgeheizten Klimas im Rathaus derzeit nicht in Sicht. Dafür dürfte nicht nur der Streit um die Umstellung der Telefonnummern sorgen, sondern auch und gerade die Personalpolitik.

Bürgermeister Jens Stötzel jedenfalls kann die Aufregung um die neuen Telefonverbindungen rein gar nicht nachvollziehen. Im Gespräch mit der SZ machte er darauf aufmerksam, dass schon seit Januar neue Nummern vergeben worden seien, und zwar für diejenigen Mitarbeiter, die intern die Abteilung gewechselt hätten. Es sei auch nicht richtig, dass alles komplett umgestellt werde, sagte Stötzel. Geändert würden die Anschlüsse der Ordnungsbehörde, der Jugendpflege, des Tourismusbüros, der Finanzabteilung (Haushaltswesen) sowie die Fax-Nummern von Standesamt und SFK. Alle andere Nummern blieben unverändert, so z. B. bei den Werken und bei der Zulassungsstelle. „Ich halte das für vertretbar“, meinte der Bürgermeister, der die Anfrage der CDU in der jüngsten Ratssitzung ohnehin für „ein sehr gelungenes Ablenkungsmanöver von den eigentlichen Problemen“ hält. Von den Mitarbeitern habe sich bislang keiner über die Mitte August geplante Umstellung beschwert – „bis auf einen“. Ohne ihn beim Namen zu nennen, ließ Stötzel durchblicken, dass es sich dabei um den 1. Beigeordneten Rainer Kipping handelt. „Einer hat sich beschwert und die ganze Sache ins Rollen gebracht.“

Kipping selbst widersprach den Darstellungen des Bürgermeisters: „Im halben Haus herrscht Aufruhr.“ Mehrere Mitarbeiter seien bereits bei Stötzel vorstellig geworden und hätten darum gebeten, auf die Umstellung der Telefonnummern zu verzichten, zumal nach Angaben des Beigeordneten etwa 70 Prozent der Leitungen betroffen seien. Dem Vernehmen nach sollen bereits Unterschriften gesammelt werden.

Stötzel dürfte jedenfalls insofern Recht haben, als dass es sich hier um einen Nebenkriegsschauplatz handelt: „Eine nette Geschichte für das Sommerloch.“ Weitaus mehr Zündstoff bergen zwei interne Stellenausschreibungen. Es geht um den künftigen Bauamtsleiter und den Leiter des neuen „Super-Fachbereichs“, der aus den bisherigen Fachbereichen Organisation und Finanzen gebildet werden soll.

Nach Informationen der SZ haben sich beide bisherigen Fachbereichsleiter aus dem Bauwesen, Joachim Neuhof und Stefan Strunk, auf den Posten des Bauamtsleiters beworben. Ob dies einer Fachbereichsleitung gleichkommt, ist ungewiss. Fest steht: Beide Bewerber haben gewisse Ansprüche. Neuhof muss als Beamter weiterhin in einer angemessenen Position beschäftigt werden, bei Strunk ist eine „Degradierung“ zwar möglich, allerdings nicht in finanzieller Hinsicht. Eine Herabstufung in der Gehaltsstufe würde eine Änderungskündigung erforderlich machen – was im Fall von Strunk unzulässig ist. Hier droht der erste Klimmzug im Stellenplan.Nicht viel besser sieht es in der Finanzabteilung aus, die derzeit von Fachbereichsleiter Hans Kappes geführt wird. Der Brachbacher geht allerdings erst Mitte 2012 in Ruhestand. Was also passiert mit ihm bei der Bildung des neuen Fachbereichs? „Er kann sich auch bewerben“, war dazu von Bürgermeister Stötzel zu hören.Gleichwohl ist es kein Geheimnis mehr, dass der Verwaltungschef für diese Funktion eigentlich Christoph Weber, den Geschäftsführer der Freizeitbad Molzberg GmbH, im Auge hat, der zwischenzeitlich zu 30 Prozent wieder für die Kirchener Verwaltung tätig ist. Eine vollständige Rückkehr von Weber hätte erhebliche Auswirkungen auf den Stellenplan. Fraglich ist, ob man momentan überhaupt die Leitung der Personal- und Organisationsabteilung neu vergeben kann, schließlich hat das Verwaltungsgericht Koblenz immer noch keine Entscheidung im Rechtsstreit zwischen Stötzel und dem abgesetzten Fachbereichsleiter Hermann-Josef Selbach getroffen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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