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AK-Kreis wird nun doch Grundstücke an Investoren verkaufen
Das Wunder von der Bahnhofstraße

Gerade erst hat das DRK eine Bewirtschaftung des Parkplatzes vorgesehen, jetzt können die Verträge fast schon wieder gekündigt werden. Einem Verkauf der Grundstücke an private Investoren steht (fast) nichts mehr im Wege.
  • Gerade erst hat das DRK eine Bewirtschaftung des Parkplatzes vorgesehen, jetzt können die Verträge fast schon wieder gekündigt werden. Einem Verkauf der Grundstücke an private Investoren steht (fast) nichts mehr im Wege.
  • Foto: Thorsten Stahl
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

thor Altenkirchen/Kirchen. Wenn jemals die Redewendung von der schweren Geburt zutreffend war, dann in diesem Fall: Nach zähen Diskussionen hat sich am Montagabend im Kreisausschuss angedeutet, dass es doch noch eine breite Mehrheit für den Verkauf der kreiseigenen Grundstücke an der Kirchener Bahnhofstraße an heimische Investoren gibt. Am Ende stand ein Kompromiss, dem auch die CDU folgen konnte. Und wenn die Christdemokraten nicht wieder einen Purzelbaum rückwärts machen – wie vor einem Jahr geschehen –, dann wird der Kreistag den Verkauf in der nächsten Woche auch offiziell besiegeln. Ein kleines vorweihnachtliches Wunder.
Unendlich viel Vorarbeit geleistetDie Fraktionen haben sich unter folgenden Bedingungen darauf verständigt, die Flächen abzugeben.

thor Altenkirchen/Kirchen. Wenn jemals die Redewendung von der schweren Geburt zutreffend war, dann in diesem Fall: Nach zähen Diskussionen hat sich am Montagabend im Kreisausschuss angedeutet, dass es doch noch eine breite Mehrheit für den Verkauf der kreiseigenen Grundstücke an der Kirchener Bahnhofstraße an heimische Investoren gibt. Am Ende stand ein Kompromiss, dem auch die CDU folgen konnte. Und wenn die Christdemokraten nicht wieder einen Purzelbaum rückwärts machen – wie vor einem Jahr geschehen –, dann wird der Kreistag den Verkauf in der nächsten Woche auch offiziell besiegeln. Ein kleines vorweihnachtliches Wunder.

Unendlich viel Vorarbeit geleistet

Die Fraktionen haben sich unter folgenden Bedingungen darauf verständigt, die Flächen abzugeben. Es wird keine offizielle Ausschreibung, sondern ein Interessenbekundungsverfahren geben. Die Investoren müssen also formal erklären, dass sie an der Bahnhofstraße genau die von Stadt und DRK gewünschten Gebäude mit den entsprechenden Nutzungen bauen werden. Und werden sie nicht binnen drei Jahren aktiv, fallen die Grundstücke an den Kreis zurück. Damit konnte auch die SPD leben.
Natürlich könnten jetzt auch externe Bewerber versuchen, ihren Hut in den Ring werfen – doch eine Berücksichtigung würde zu einem politischen Erdbeben ohnegleichen führen, ist doch von den bisherigen Interessenten unendlich viel Vorarbeit geleistet worden.

Krankenpflegeschule hat Bedarf

Der Reihe nach: Die Sitzung begann mit einem Antrag von CDU-Fraktionssprecher Dr. Josef Rosenbauer, der das Thema lieber nicht-öffentlich beraten wollte. Doch damit kam er nicht durch. SPD-Kollege Andreas Hundhausen begründete dann den Antrag seiner Fraktion zum Grundstücksverkauf. Er hoffe auf eine gemeinschaftliche Lösung, die dem Gesundheitsstandort Kirchen diene.
Hundhausen war nicht allein aus Kirchen in die Kreisstadt gekommen. Der Kaufmännische Direktor des Krankenhauses, Nicki Billig, stellte auf Nachfrage nochmals klar, dass das DRK selbst keine Verwendung für die Flächen habe. Was dort von der Stadt und den Investoren geplant sei, stärke die Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung – „im Sinne des Krankenhauses“.
Extrem gut vorbereitet zeigte sich Karola Jockel, Leiterin der Krankenpflegeschule in Kirchen, als es um die Frage der neuen Räume ging: „Der Bedarf ist definitiv da.“ Es gebe eine große Nachfrage nach Ausbildungsplätzen, aufgrund der räumlichen Situationen habe man schon Absagen erteilen müssen. „Das tut mir im Herzen weh.“ Wichtig sei jetzt eine Perspektive. Nicki Billig ergänzte, dass die Pflege künftig der entscheidende Faktor sei, ein Krankenhaus vernünftig zu betreiben.

„Auf die mittelalterliche Streckbank“

Auch als vonseiten der CDU mehrfach eine Container-Lösung für die Pflegeschule ins Spiel gebracht wurde, hielten die DRK-Vertreter dagegen. Wenn überhaupt, sei das nur eine Interimslösung. „Wir müssen die Schule attraktiv für Pflegekräfte machen, wir stehen schließlich auch im Wettbewerb“, sagte Billig. „Der Pflegenotstand zieht auch nicht an Kirchen vorbei.“
Rosenbauer wollte den Bedarf auch gar nicht abstreiten, präsentierte sich sogar als großer Unterstützer der Schule. Doch dem folgte wieder ein „Aber“: Es sei völlig unklar, was mit dem alten und maroden Hochhaus passiere. Billig erklärte, dass allein die Sanierung der Fassade bis zu 1,2 Millionen Euro kosten könnte, verschwieg dabei aber höflich, dass das DRK diesen Zustand vom Kreis geerbt hatte. Michael Wäschenbach (CDU) beklagte einmal mehr eine fehlende Gesamtplanung seitens des DRK, das Haus dürfe später keine Bauruine werden. Er sehe sich weiterhin außerstande, zum jetzigen Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen.
Als dann im großen Sitzungssaal wieder einmal die Fenster aufgerissen wurden, hatte Anna Neuhof (Grüne) genug Zeit, um tief Luft zu holen. „Wir wollen die zwei Flächen verkaufen, um gute Dinge zu tun.“ Seit einem Jahr werde nun diskutiert. „Und hier wird verzweifelt nach Gründen gesucht, das auf die mittelalterliche Streckbank zu bringen.“

„Krankenhaus Kirchen auf Dauer erhalten“

Rosenbauer wiederum nahm die Gesamtsituation in den Blick. „Unsere Antriebsfeder ist, das Krankenhaus Kirchen auf Dauer zu erhalten.“ Fakt sei aber, dass der geplante Klinik-Neubau in Müschenbach – „zwei Häuser mit dem fast gleichen Angebot“ – den Konkurrenzdruck verstärken werde. Es gebe Überschneidungen beim Einzugsbereich, so Rosenbauer. Daher sei die CDU auch nach wie vor für eine größere Konzentration im Westerwald.
Als sich der Fraktionschef dann darüber beschwerte, dass nur die bebaubaren Grundstücke und nicht das komplette Areal an Investoren verkauft werden soll, brachte das Hundhausen auf die Palme: Genau das habe die CDU doch vor einem Jahr nicht gewollt. Und was das Krankenhaus Kirchen angehe, handele es sich um einen unverzichtbaren Standort. „Das wissen Sie haargenau. Sie verbreiten hier Unwahrheiten“, sagte der Kirchener Stadtbürgermeister zu Rosenbauer.
Das war es dann der harten Worte. Zu dem Kompromiss gehört nun auch, dass die Stadt Kirchen die Restflächen übernehmen wird. Auf Zeitspiele ließ sich Hundhausen nicht mehr ein: „Klar muss sein, dass die CDU vor Weihnachten zustimmt. Die Investoren können nicht weiter vertröstet werden.“ Dagegen regte sich kein Widerspruch.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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