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"Übergabe" in Offhausen
Der Backes raucht weiter

Der Mann mit der Schürze in der Mitte stand am Samstag im Mittelpunkt. Klaus Latsch hört mit dem Backen auf und die neuen und alten Hasen sowie Vorsitzender Günter Schuhen (r.) dankten ihm für seine jahrelange Arbeit.
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  • Der Mann mit der Schürze in der Mitte stand am Samstag im Mittelpunkt. Klaus Latsch hört mit dem Backen auf und die neuen und alten Hasen sowie Vorsitzender Günter Schuhen (r.) dankten ihm für seine jahrelange Arbeit.
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just Offhausen. Noch im September sah es so aus, als würde der Backtag am vergangenen Samstag der letzte sein – und der Ofen im wahrsten Sinne des Wortes ausgehen.

Doch es scheint, als habe sich das Blatt gewendet: „Mit einem solch tollen Ergebnis haben wir nicht gerechnet“, erzählt der Vorsitzende des Backesvereins 2001 Offhausen, Günter Schuhen, freudestrahlend. Auf den Hilferuf unter anderem in der Siegener Zeitung, dass dem Backesverein die personelle Unterstützung fehle, meldeten sich so viele Freiwillige, die helfen wollen, die alte dörfliche Backtradition aufrechtzuerhalten, dass es auch nächstes Jahr an festen Terminen frisches Kartoffelbrot oder Streuselkuchen geben wird. In diesem Jahr wird es am 4.

just Offhausen. Noch im September sah es so aus, als würde der Backtag am vergangenen Samstag der letzte sein – und der Ofen im wahrsten Sinne des Wortes ausgehen.

Doch es scheint, als habe sich das Blatt gewendet: „Mit einem solch tollen Ergebnis haben wir nicht gerechnet“, erzählt der Vorsitzende des Backesvereins 2001 Offhausen, Günter Schuhen, freudestrahlend. Auf den Hilferuf unter anderem in der Siegener Zeitung, dass dem Backesverein die personelle Unterstützung fehle, meldeten sich so viele Freiwillige, die helfen wollen, die alte dörfliche Backtradition aufrechtzuerhalten, dass es auch nächstes Jahr an festen Terminen frisches Kartoffelbrot oder Streuselkuchen geben wird. In diesem Jahr wird es am 4. Dezember noch einen Backtag für Schul- und Kindergartenkinder geben, denn die Vorweihnachtszeit ist ja bekanntlich auch Plätzchenzeit.

Sechsmal im Jahr treffen sich die Männer und Frauen im Backhaus auf dem Offhausener Dorfplatz und zeigen, was es heißt, handwerkliches und kulinarisches Geschick aufleben zu lassen. Doch mit den Backtagen an sich ist es nicht getan, die Vorbereitungen beginnen meistens schon donnerstags, es muss eingekauft und alles hergerichtet werden, der Teig zubereitet und die Bestellungen aufgenommen werden.

Eine Schlüsselfigur bei all diesen Dingen war und ist (noch) Backesmeister Klaus Latsch, der nicht nur 2001 den Verein mitgründete, sondern seit der Fertigstellung des Backhauses im Jahr 2003 auch jedes Mal die Organisation und Durchführung der Backtage federführend begleitete. Ende des Jahres ist für ihn nun Schluss damit, einerseits aus gesundheitlichen Gründen und andererseits, weil er dieses Ehrenamt in jüngere Hände legen möchte.

Latsch, der schon immer Spaß am Backen hatte, ließ es sich am Samstag daher auch nicht nehmen, die neuen Helfer gewissermaßen einzuarbeiten und an seiner jahrelangen Erfahrung teilhaben zu lassen. Hand in Hand lief das Backen, Latsch kontrollierte Bestellungen, hatte das Feuer im Ofen im Blick und wusste stets, was wann und wie zu tun war. Die „Neuen“ packten bereits fleißig mit an und ließen sich die Abläufe erklären. Frank Eggerts, Lutz Würden und Bernd Schmidt wurden in der Küche und am Ofen eingearbeitet, Friedhelm Weinkopf schob das beliebte Kartoffelbrot in Kastenform in den Backes und auch Stefan Theis, Peter Schaaf, und Iris McCracken halfen tatkräftig mit. Artur Utsch wird künftig die Bestellungen entgegennehmen.

Fragt man etwa Friedhelm Weinkopf, warum er sich im Backesverein einbringen möchte, antwortet er, dass einerseits natürlich der Spaß am Kochen und Backen Voraussetzung sei, aber es auch darum gehe, Traditionen an die jüngere Generation weiterzugeben.

Der Vereinsvorsitzende Günter Schuhen sprach Klaus Latsch seinen großen Dank aus: „Er war und ist einer der wichtigsten.“ Glücklicherweise könne man nun hoffnungsvoll auf neue Helferinnen und Helfer bauen, die Arbeit könne auf mehrere Schultern verteilt werden.

Und dass die Tradition des gemeinsamen Backens weitergeführt werden sollte, ergibt sich schon alleine aus dem Zuspruch, den der Backesverein Offhausen findet. Am Samstag hat man quasi einen Rekord aufgestellt. In Auftrag gegeben und gebacken wurden die doppelte Menge an Kuchen, summa summarum 120 verschiedene Stücke Streuselkuchen, daneben 150 Christstollen und insgesamt drei Öfen voller Brot, was knapp 200 Laibe bedeutete. Günter Schuhen bringt es auf den Punkt: „Von der Qualität muss es halt stimmen, dann werden solche Angebote auch angenommen.“

Ein Backes, also ein gemeindliches Backhaus, war speziell in den Dörfern bis in die 1960er Jahre hinein verbreitet, der gemeinsame Backtag weit mehr als nur die Herstellung von Brot und Kuchen. Daran kann sich auch Schuhen noch gut erinnern. Mit seinen über 80 Jahren berichtete er von zwei alten Backhäusern in Offhausen, eines für das Unter- und eines für das Oberdorf. Seit dem Neubau und der Vereinsgründung lebt diese Tradition wieder auf, die Kundschaft aus nah und fern weiß, was sie an der hausgemachten und frischen Backware hat und beloht das Herzblut, das bei diesem Verein definitiv hinter der Tätigkeit steckt.

Da verwundert es nicht, dass das Backhaus so viel mehr ist als nur der Raum für einen Ofen. Es ist Wahllokal, Vereinslokal, Treffpunkt und Ort für Austausch und Kommunikation. Dass so etwas auch heute noch möglich ist, ist Menschen wie Günter Schuhen und eben Klaus Latsch geschuldet, die sich nun freuen können, dass die Zukunft gesichert ist.

Der Mann mit der Schürze in der Mitte stand am Samstag im Mittelpunkt. Klaus Latsch hört mit dem Backen auf und die neuen und alten Hasen sowie Vorsitzender Günter Schuhen (r.) dankten ihm für seine jahrelange Arbeit.
Für Klaus Latsch (vorne, mit Schürze) war es der letzte große Backtag, er gibt sein Ehrenamt zum Jahresende ab und arbeitete Friedhelm Weinkopf (hinten) am Samstag bereits am Ofen ein.
Autor:

just (Kulturredaktion) aus Siegen

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