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Brachbacher Mountain-Biker mussten Anlagen zurückbauen
Der einzige „legale“ Bikepark ist Geschichte

Wer so etwas kann, ist definitiv auf normalen Radwegen unterfordert. Der Bikepark Brachbach bot zahlreiche Rampen für spektakuläre Sprünge.
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  • Wer so etwas kann, ist definitiv auf normalen Radwegen unterfordert. Der Bikepark Brachbach bot zahlreiche Rampen für spektakuläre Sprünge.
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Brachbach. Das Siegerland und das Mountainbiken – dieses Thema bietet seit vielen, vielen Jahren Geschichten ohne Ende. Und nicht immer haben sie ein Happy End. In einer Mittelgebirgsregion, die eigentlich geradezu danach schreit, mit 160 mm Federweg vorne und hinten sowie einer ordentlichen Vier-Kolben-Bremse bearbeitet zu werden, hat es dieser Sport nicht immer einfach. Hier, im Heimatland der Haubergsgenossen und Wander-Junkies im Jack-Wolfskin-Outfit, sind Interessenkonflikte stets vorprogrammiert. Erst mit dem Bau des Flow-Trails in Siegen wurde den Downhill- und Endurofahrern ein legaler Tummelplatz geschaffen.

thor Brachbach. Das Siegerland und das Mountainbiken – dieses Thema bietet seit vielen, vielen Jahren Geschichten ohne Ende. Und nicht immer haben sie ein Happy End. In einer Mittelgebirgsregion, die eigentlich geradezu danach schreit, mit 160 mm Federweg vorne und hinten sowie einer ordentlichen Vier-Kolben-Bremse bearbeitet zu werden, hat es dieser Sport nicht immer einfach. Hier, im Heimatland der Haubergsgenossen und Wander-Junkies im Jack-Wolfskin-Outfit, sind Interessenkonflikte stets vorprogrammiert. Erst mit dem Bau des Flow-Trails in Siegen wurde den Downhill- und Endurofahrern ein legaler Tummelplatz geschaffen.

Überall "Päddchen" zu finden

Im rheinland-pfälzischen Teil des Siegerlands, sowohl im Giebelwald als auch gegenüber im Höhwald und am Windhahn, sucht man Ähnliches vergeblich. Dabei würden sich hier theoretisch deutlich längere Abfahrten anbieten. Zahlreiche ausgefahrene „Päddchen“ von Niederfischbach bis Dermbach zeugen allerdings von einer sehr aktiven Szene. Wobei eines klar ist: Wer kreuz und quer durch den Wald brettert und auch schon mal für die Trailgestaltung mit Akkuschrauber, Säge und Hammer anrückt, darf nicht erwarten, dass die Förster an der Strecke stehen und eine La-ola-Welle machen.

Eigener Flow-Trail scheiterte

Den Konflikt hatte seinerzeit auch die Politik erkannt. Doch die Einrichtung eines eigenen Flow-Trails in der Verbandsgemeinde Kirchen oberhalb von Wehbach scheiterte daran, dass kein Verein als Träger fungieren wollte. Die einzige Ausnahme im Oberkreis des AK-Lands stellte daher immer der Bikepark in Brachbach dar. Hier, in der Verlängerung der Glück-auf-Straße, hatten vor einigen Jahren ein paar Jungs mit viel Herzblut und Engagement eine Anlage geschaffen, die sogar überregional Beachtung fand. Kleine Festivals lockten Teilnehmer aus ganz Deutschland an – doch das ist nun Geschichte. Die Biker mussten sich einen Bagger leihen und den Park mit seinen Kickern und Kurven vor einigen Wochen zurückbauen, der Besitzer des Geländes hatte Eigenbedarf angemeldet.

Bedenken wegen Versicherung

Man habe sich aber keineswegs im Unfrieden getrennt, betonte Lukas Zöller. Der Brachbacher war von Anfang an dabei und ist nach wie vor leidenschaftlicher Mountain-Biker. Der Eigentümer wolle das Gelände als Holzlagerplatz nutzen, zudem seien Bedenken wegen der Versicherung aufgekommen, berichtete Zöller. Hinzu komme: Weil der Besitzer inzwischen nicht mehr in Brachbach wohne, wisse er auch nicht mehr, wer dort oben alles unterwegs sei. Dabei sei man erst einmal sehr dankbar dafür, dass man die Fläche jahrelang unbürokratisch habe nutzen dürfen. Gleichwohl: „Es ist schon ein Verlust.“ Im Mai hatte man ein letztes Mal einen Contest ausgerichtet, mit einer Rekordzahl an Zuschauern.

Großer Einzugsbereich

In der Tat hatte sich der Bikepark schnell zu einer Anlaufstelle für all jene entwickelt, denen Radwege einfach zu langweilig sind. Und nicht nur junge Brachbacher gingen hier ihrem Hobby nach. Zöller spricht von einem Einzugsbereich von Siegen bis Betzdorf. „Ich bin immer noch in einer WhatsApp-Gruppe mit 70 Jugendlichen.“ Bis zuletzt hätten sich eigentlich noch jeden Abend dort oben Leute getroffen. Die Nachricht vom Ende des Bikeparks habe jedenfalls einen „riesen Aufruhr“ verursacht, berichtet der Brachbacher: „Eine Mutter hat mich sogar angeschrieben, weil sie wissen wollte, ob es nicht irgendwo Ersatz gibt.“

An Radweg ankoppeln?

In der Tat dürfte das die alles entscheidende Frage sein. Auch Lukas Zöller hat dazu schon die Fühler ausgestreckt und diverse Gespräche geführt. So habe ein Brachbacher schon im Sommer angekündigt, dass er einen neuen Platz zur Verfügung stellen wolle, doch konkret sei das auch nicht. Auch bei Ortsbürgermeister Steffen Kappes war der Bikepark im Wahlkampf ein Thema gewesen, ebenso wie im Gemeinderat. So wurden laut Zöller Überlegungen angestellt, einen neuen Bikepark räumlich an den geplanten Siegtal-Radweg anzukoppeln.

Pumptrack als Alternative

Geht es nach dem Brachbacher, sollten sich die Verantwortlichen einmal näher mit einem sogenannten Pumptrack beschäftigen: „In Bayern hat das jedes Alpendörfchen. Sowas müsste hier ja auch nicht unbedingt in Brachbach gebaut werden.“ Dabei handelt es sich um einen welligen Rundkurs aus Erde oder Asphalt. In der „harten“ Version kann er so auch von Rollern und Inline-Skatern genutzt werden. Das Ziel für Biker ist es, ohne zu treten durch Hochdrücken des Körpers aus der Tiefe am Rad Geschwindigkeit aufzubauen. Pumptracks gibt es in der Region z. B. in Burbach, Dreis-Tiefenbach und in Gerlingen. Für Zöller wäre das auf jeden Fall eine echte Alternative für den verschwundenen Bikepark. Bis es soweit ist, heißt es: Helm auf, Dämpfer entsperren, Sattel runter und im Sturzflug Richtung Siegtal.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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