SZ

Gesprächstermin in Brachbach geplatzt
Der Frust über Amprion wächst weiter

Wie ein kleines Mahnmal steht diese Basis für einen der neuen Amprion-Masten seit längerer Zeit unterhalb des "Weißen Steins" bei Herkersdorf/Offhausen.
  • Wie ein kleines Mahnmal steht diese Basis für einen der neuen Amprion-Masten seit längerer Zeit unterhalb des "Weißen Steins" bei Herkersdorf/Offhausen.
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damo Brachbach. Würde der Stromnetzbetreiber Amprion in Brachbach all die Menschen einladen, die ihm hier wohlgesinnt sind, wäre mutmaßlich eine Telefonzelle geräumig genug für das Treffen – und aktuell tut der Konzern wenig dafür, neue Freunde zu finden. Denn längst fühlen sich nicht mehr nur die Anlieger aus der Straße „Auf dem Härdtchen“ verschaukelt, sondern auch die politisch Verantwortlichen.
Keine Basis für Zusammenarbeit„Ich sehe überhaupt keine Basis für eine Zusammenarbeit“, sagte am Montag Ortsbürgermeister Steffen Kappes im Gespräch mit der SZ. „Und ich habe auch nicht den Eindruck, als wäre Amprion daran interessiert – sonst würden sie sich ganz anders verhalten. Die wollen ihre Sache durchziehen, aber das Spiel machen wir nicht mit.

damo Brachbach. Würde der Stromnetzbetreiber Amprion in Brachbach all die Menschen einladen, die ihm hier wohlgesinnt sind, wäre mutmaßlich eine Telefonzelle geräumig genug für das Treffen – und aktuell tut der Konzern wenig dafür, neue Freunde zu finden. Denn längst fühlen sich nicht mehr nur die Anlieger aus der Straße „Auf dem Härdtchen“ verschaukelt, sondern auch die politisch Verantwortlichen.

Keine Basis für Zusammenarbeit

„Ich sehe überhaupt keine Basis für eine Zusammenarbeit“, sagte am Montag Ortsbürgermeister Steffen Kappes im Gespräch mit der SZ. „Und ich habe auch nicht den Eindruck, als wäre Amprion daran interessiert – sonst würden sie sich ganz anders verhalten. Die wollen ihre Sache durchziehen, aber das Spiel machen wir nicht mit.“ Wie bereits berichtet, schlagen in Brachbach die Wellen vor allem deshalb hoch, weil Amprion seine Strommastbaustelle über die schmale Anliegerstraße „Auf dem Härdtchen“ anfahren will – statt Rücksicht auf die Nachbarn zu nehmen und auf eine Baustraße auszuweichen.

Verantwortung an LBM geschoben

Dieses Ansinnen ist nicht neu: Schon in der letzten Sitzung des Gemeinderats war lang und ausführlich über dieses Problem diskutiert worden. Da stand aber der Schuldige noch nicht fest: Kappes hatte den aufgebrachten Anliegern unter anderem mitgeteilt, dass Amprion grundsätzlich bereit sei, eine Baustraße von der B 62 aus anzulegen; das scheitere aber am Landesbetrieb Mobilität, zitierte Kappes die Amprion-Sprechweise. Mittlerweile steht für Kappes fest: Der Schwarze Peter liegt keineswegs beim LBM in Diez, sondern eben doch bei Amprion. Denn natürlich hat Kappes im Nachgang der Ratssitzung zum Telefon gegriffen und den LBM um eine Stellungnahme gebeten.

Und diese deckt sich laut Kappes keineswegs mit der Version des Stromnetzbetreibers: „Der LBM hat uns mitgeteilt, dass man dort die Baustraße mitnichten blockiert. Der LBM habe aber von Amprion verlangt, eine Planung für die Baustraße einzureichen. Und das sei bis heute nicht passiert.“

Gemeinde hält an Baustraße fest

Für Kappes ist der Fall damit klar: „Da muss man wohl davon ausgehen, dass Amprion eben doch nicht so sehr an einer Baustraße interessiert war.“ Genau an dieser Forderung hält die Gemeinde aber fest – schließlich ließe sich so der gesamte Schwerverkehr aus der Wohnstraße „Auf dem Härdtchen“ heraushalten. „Das ist eine Katastrophe, wenn die mit ihren Lkw da durchknallen. Wir wollen die Baustraße“, bekräftigt Kappes.

Falsche Kommunikation

Also hat die Gemeinde von Amprion einen Termin für ein klärendes Gespräch gefordert. Dieses hätte am Montag Vormittag über die Bühne gehen sollen. Hätte: Denn Amprion habe den Termin platzen lassen, berichtete Kappes. So waren zwar Vertreter des LBM, des Ordnungsamts, des Bauamts und der Ortsgemeinde um 11 Uhr im Brachbacher Gemeindebüro – aber eben niemand von Amprion. Erst auf telefonische Nachfrage erfuhr Kappes gegen 11.30 Uhr bei Amprion, dass der Termin auf 14 Uhr verlegt worden sei, was aber nicht kommuniziert worden sei.

Für Kappes passt diese Panne ins Bild: „Klar kann man mal was vergessen, aber Amprion vergisst ständig, alles zu kommunizieren.“ Weil sich nicht alle Gesprächsteilnehmer kurzfristig den frühen Nachmittag freischaufeln konnten, kam es auch nicht zu einer 14-Uhr-Besprechung – und damit auch nicht zu einem Setting, in dem Amprion hätte Farbe bekennen müssen. „Da hätten alle Akteure an einem Tisch gesessen und man hätte sich austauschen können“, umriss Kappes die Intention des Termins.

„Amprion ist jetzt in der Bringschuld“

Kein Wunder also, dass die Gemeinde jetzt Amprion am Zug sieht und einen neuen Termin fordert. „Amprion ist jetzt in der Bringschuld“, sagt der Ortsbürgermeister, „wir müssen schnell und vernünftig miteinander sprechen“. Denn die Gemeinde sei schließlich nicht grundsätzlich daran interessiert, Amprion Steine in den Weg zu legen: „Wir hätten Amprion ja durchaus mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Aber dafür hätte Amprion mit offenen Karten spielen müssen.“

Weil Kappes das aber in keiner Weise gegeben sieht, sei auch die Kooperationsbereitschaft der Gemeinde nicht mehr allzu groß. „Bei einem solchen Umgang lässt unsere Bereitschaft spürbar nach“, sagte er. So sei zum Beispiel Konsens, mögliche Forderungen von Amprion – zum Beispiel nach einem temporären Parkverbot in der Straße „Auf dem Härdtchen“ – eben nicht mehr so einfach umzusetzen.

Auch juristische Schritte denkbar

Und auch juristische Schritte will Kappes keineswegs ausschließen. Mit Interesse habe er das neue Gutachten zur Sinnhaftigkeit der Stromtrasse zur Kenntnis genommen, bezieht sich der Ortsbürgermeister auf die SZ vom Samstag. „Die Gemeinde wird mit diesem Gutachten im Rücken alle Hebel in Bewegung setzen.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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