Gemeinsames Bergbauprojekt
„Der Giebelwald verbindet alles“

Noch herrscht Wildwuchs am Stollenmundloch, aber das wird sich bald ändern. Matthias Otterbach, Herbert Dietershagen, Marc-Oliver Giebeler und Lutz Kessler (v. l.) freuen sich auf die Umsetzung des Bergbau-Projekts.
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  • Noch herrscht Wildwuchs am Stollenmundloch, aber das wird sich bald ändern. Matthias Otterbach, Herbert Dietershagen, Marc-Oliver Giebeler und Lutz Kessler (v. l.) freuen sich auf die Umsetzung des Bergbau-Projekts.
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nb Niederfischbach/Niederndorf. Es ist wahrlich ein Projekt der „Völkerverständigung“, das da im Wald hoch über Niederfischbach angelaufen ist – über Tage, unter Tage und länderübergreifend. Denn an einem Strang ziehen dabei – man lese und staune – „Föschber“ und Niederndorfer.

Aber auch wenn am Dienstag bei der Vorstellung des Projekts Witze auf Kosten des jeweils anderen Ortes und Anekdötchen über handfeste Fußballplatz-Begegnungen ihre Runde machen: Es ist eine liebevoll gepflegte „Feindschaft“ und die „Völkerverständigung“ weit fortgeschritten. Und das Projekt, das jetzt vorgestellt wurde, ist da nur konsequent und es passt in die Region: Das Mundloch des Stollens Neue Wasserkaute wird offengelegt und ausgebaut und damit einhergehend wird der Grubenwanderweg erweitert.

Beim Vor-Ort-Termin sind von Niederfischbacher Seite „Noch“-Ortsbürgermeister Matthias Otterbach und Herbert Dietershagen dabei, von der Niederndorfer Seite Marc-Oliver Giebeler und Lutz Kessler.

Giebeler ist Leiter der Abteilung Bergbau des Heimatvereins Niederndorf. Einer Abteilung, die 2015 nicht zuletzt aufgrund seiner Initiative gegründet wurde. Dort ist ebenfalls Lutz Kessler aktiv, der zwar in Geisweid wohnt, aber den die Begeisterung für den Bergbau und Bergbau-Historie zum Niederndorfer Trupp brachten.

Und da zur Beschäftigung mit der Geschichte des Bergbaus auch immer das intensive Studium sogenannter Gang-Karten gehört, nahmen die Dinge ihren Lauf.

So nämlich entdeckten die Niederndorfer, dass der rund 500 bis 600 Meter lange Wasserkauter Stollen, der zu „ihrer“ Grube Fürst Moritz gehörte, eben am Kesselberg über Niederfischbach endet.

Das wiederum war für die Alt-Bergbau-Enthusiasten auf rheinland-pfälzischer Seite keine Neuigkeit. In Niederfischbach gibt es schließlich bereits seit über 15 Jahren den Grubenwanderweg. Und es gibt Herbert Dietershagen, der den Grubenwanderweg mit angelegt hat und den die Bergbau-Leidenschaft weiter umtreibt. Wenig verwunderlich also, dass schnell eine Verbindung zwischen Dietershagen und der Niederndorfer Bergbau-Abteilung zustande kam, aus der wiederum die Idee für das gemeinsame Bergbau-Projekt hervorging. „Warum macht man kein länderübergreifendes Projekt?“, fragte Dietershagen. Schließlich ist der Neue Wasserkauter Stollen selbst ein echter „Grenzgänger“: Er beginnt im Bergrevier Siegen und mündet im Bergrevier Daaden-Kirchen, zu dem Niederfischbach gehört.

Dass ein Stollen eine Landes- und Bergrevier-Grenze durchbreche, sei, so Dietershagen, zwar nicht absolut spektakulär, aber in der Region eben auch nicht alltäglich. Dabei unterstreicht Dietershagen, der von Kirchturmdenken reichlich wenig hält, dass das ja ohnehin „alles Siegerland“ sei und zusammengehöre – und im Fall von Niederndorf und Niederfischbach gelte: „Der Giebelwald verbindet alles.“

Eigentlich wurde mit dem länderübergreifenden Projekt bereits 2017 begonnen, aber zwischenzeitlich gab es einen Baustopp. Denn die bürokratischen Hürden, die genommen werden mussten, waren hoch und alle Beteiligten wollten in jeglicher Hinsicht auf der sicheren Seite sein. Nun sind die Hürden endlich genommen und Giebeler, Dietershagen, Kessler und weitere Mitstreiter warten nur noch darauf, dass der Bagger anrückt – das soll in den nächsten Tagen geschehen.

Dann wird das Mundloch aufgewältigt, also geöffnet, Verbaue gesetzt sowie eine Gittertür – und zwar eine, mit der Amphibien und Fledermäuse kein Problem haben.

Zweibeinige Besucher werden zukünftig einen Türstock aus mit Holz ummantelten Eisenträgern zu sehen bekommen, der mit Bruchsteinen eingefasst ist. Eben keinen „Bombast“-Stolleneingang, sondern eine möglichst realitätsnahe Version. Eine Infotafel soll Besucher mit Wissenswertem versorgen. Noch im Sommer oder spätestens im Herbst sollen die Arbeiten beendet sein.

Die Ortsgemeinde Niederfischbach hat dabei nicht nur im Vorfeld die Eigentumsrechte geklärt und die Haftung übernommen, sondern sie stemmt dabei auch die Finanzierung. Für die wissenschaftliche Begleitung zeichnet wiederum Dr. Manuel Zeiler von der Außenstelle Olpe des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe verantwortlich. Und auch die Stadt Freudenberg wird mit an Bord sein, so sagen es Dietershagen und Giebeler – etwa wenn es um touristische Landkarten geht.

Denn, wie erwähnt, soll nun auch der Grubenwanderweg erweitert, die Grube Fürst Moritz mit eingebunden werden.

Die Niederndorfer Grube, in der Eisenerz und Bleierz abgebaut wurde, war bis 1943 in Betrieb, wie die Männer erläutern. Und das, so Kessler, sei ja die Hauptintention des Grubenwanderwegs und des vorgestellten Projekts: Die Erinnerung an den Bergbau wach zu halten, der die Region so entscheidend geprägt hat.

Und Dietershagen hebt noch einmal das verbindende Element hervor. Der dann erweiterte Grubenwanderweg werde weiterhin insbesondere für Familien ein lohnendes Ziel sein, eine Tour könnte gleich noch mit einem Besuch des Tierparks verbunden werden. „Besser“, so sagt er mit Blick auf das große Ganze, „geht es eigentlich gar nicht.“

Noch herrscht Wildwuchs am Stollenmundloch, aber das wird sich bald ändern. Matthias Otterbach, Herbert Dietershagen, Marc-Oliver Giebeler und Lutz Kessler (v. l.) freuen sich auf die Umsetzung des Bergbau-Projekts.
Das Foto zeigt ein Stollenmundloch in Niederndorf, das die Bergbau-Abteilung derzeit bearbeitet. Ganz ähnlich soll zukünftig auch die Öffnung des Stollens Neue Wasserkaute oberhalb von Niederfischbach aussehen.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

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