Wirt der „Hüttenschenke“ lässt Clown sprechen
Der Lockdown aus künstlerischer Sicht

Gerhard Baldus hat die Einschränkungen des Lockdowns und seine persönliche Gefühlswelt zusammengebracht und zum Pinsel gegriffen.
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  • Gerhard Baldus hat die Einschränkungen des Lockdowns und seine persönliche Gefühlswelt zusammengebracht und zum Pinsel gegriffen.
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thor Wehbach. „Mein Make-up ist trocken und klammert sich an mein Kinn. Ich ertrinke meine Sorgen in Whisky und Gin.“ So besang 1967 Dave Davies von den Kinks den Tod eines Clowns. Mehr als 50 Jahre später hat sich Gerhard Baldus diese Figur vorgenommen, um seine momentane Gefühlslage auszudrücken. Fünf Bilder hat der Gastronom aus der „Hüttenschenke“ in Wehbach gemalt, auf denen der Clown alles andere als glücklich wirkt. Von komisch ganz zu schweigen. Die Inspiration hatte der Singer-Songwriter Passenger mit dem Cover seines neuen Albums geliefert.Baldus, der sich vor Jahren auch schon mit Zuzug Geflüchteten künstlerisch beschäftigt hatte, setzte den Clowns in folgende Szenen, die alle mit den Einschränkungen im Zuge der Pandemie zu tun haben: fehlende Sozialkontakte, die Schließung von Gastronomie und Hotels, keine Kunst und Kultur, kaum Sport- und Freizeitmöglichkeiten, die massiven Probleme des Einzelhandels. „Das drückt alles aus, wie sich die Situation momentan darstellt. Letztlich finde ich mich auch überall darin wieder“, sagt Baldus.

Baldus steht für Geselligkeit

Nun weiß in Kirchen und rundherum jeder, dass die Familie nicht nur darunter leidet, dass sie Speisen nur außer Haus verkaufen kann. Ob früher im „Kuchenschlösschen“ oder mittlerweile in der „Hüttenschenke“: Der Name Baldus steht für Gemeinschaft und Geselligkeit. Dass zum kulinarischen Service in der Regel auch ein Gespräch über Gott und die Welt gehört, ist fast eine Art Amuse-Gueule. An Altweiber gehört die „Hüttenschenke“ in Wehbach eigentlich zu den absoluten Hochburgen des närrischen Treibens. Vor einem Jahr steppte im ausverkauftem Haus der Bär – da stand das Virus fast schon vor der Haustür. Die meisten Gäste hatten sich schon da Karten für 2021 gesichert. Deren größte Sorge sei es nun, dass diese im nächsten Jahr nicht ihre Gültigkeit verlieren, berichtet Doro Baldus und blickt wehmütig. Seit Jahren ist das Team der „Hüttenschenke“ auch mit einer eigenen großen Gruppe beim Wehbacher Karnevalszug aktiv.

Positiv nach vorne blicken

Doch so ganz will Familie Baldus nicht auf liebe Gewohnheiten verzichten. Über Whatsapp und Facebook wurden Freunde und Gäste aufgefordert, Fotos vom früheren Karneval zu schicken. Zudem wurde vor der Gaststätte wie in besseren Zeiten dekoriert: „Jeder, der vorbei kommt, soll sehen, dass hier immer was los war“, sagte Gerd Baldus. Für das kommende Wochenende wird der Konditor eigens eine Sonderschicht einlegen und jede Menge „jecke“ Krapfen backen.Trotz des doppelten Leids, bedingt durch geschlossene Gastronomie und fehlende Kontakte: Ihre Zuversicht haben die Kirchener nicht verloren, was auch daran liegt, dass ihnen ein immens großer Kundenstamm beim To-go-Geschäft die Treue hält: „Und das nach so vielen Monaten, das ist der Wahnsinn“, meint Baldus. Von dieser Solidarität hat man sich anstecken lassen: „Wir haben angefangen, wieder positiv nach vorne zu schauen“, erzählt der Gastronom. Es soll in neues Mobiliar investiert werden, auch für den Biergarten muss eine neue Spülmaschine her. Denn auch nach Corona dürften hinsichtlich der Glasreinigung ganz neue Vorschriften gelten. Und irgendwann wird Gerd Baldus vielleicht die Bilder nochmals zur Hand nehmen, dem Clown in Gedanken die Zunge rausstrecken und sie einfach im Altpapier entsorgen. Um sich anschließend an einen Tisch mit vielen Freunden zu setzen.

Gerhard Baldus hat die Einschränkungen des Lockdowns und seine persönliche Gefühlswelt zusammengebracht und zum Pinsel gegriffen.
So sah es vor einem Jahr im Saal der „Hüttenschenke“ aus: Die Karnevalspartys dort sind mittlerweile legendär.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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