Der Wehbacher Rosenkrieg

Als Allerschönste bist Du anerkannt,Bist Königin des Blumenreichs genannt; Unwidersprechlich, allgemeines Zeugnis, Streitsucht verbannend, wundersam Ereignis! (Goethe: Auszug aus »Als Allerschönste«)damo Wehbach. Manchmal irren selbst die wirklich Großen. »Streitsucht verbannend« schreibt der Dichterfürst in seinem der Rose gewidmeten Gedicht »Als Allerschönste« und liegt völlig daneben – aber Goethe hat ja auf seinen Reisen auch nie Station in Wehbach gemacht. Dort nämlich gibt es mächtig Ärger, und zwar um Rosen. Die Protagonisten: eine fleißige Anwohnerin und Dietmar Urrigshardt, Chef des Kirchener Bauhofs.Was passiert ist? Die Geschichte fing an mit einem wütenden Anruf in der SZ-Redaktion. »Seit Wochen rupfe ich jeden Tag die Disteln aus dem Beet neben der K94«, berichtete eine aufgebrachte Wehbacherin, »und jetzt waren nur noch die Rosen übrig. Es sah sehr schön aus – aber jetzt hat die Kreisverwaltung alle Rosen abgemacht! Wofür mache ich mir denn die Arbeit?«Bei der Kreisverwaltung wollte aber keiner als Rosen-Killer dastehen. Ralf Lichtenthäler vom Referat Straßenbau wies alle Schuld aus der Kreisstadt: »Für die Beetpflege ist grundsätzlich die Straßenmeisterei zuständig, aber nicht überall. An vielen Stellen leisten die Gemeinden im Auftrag des Kreises diese Aufgabe.« Also keine Rosen-Hasser im Kreishaus – beruhigend, denn wer will schon von rosenfeindlichen Berserkern regiert werden? Dann musste Michael Braune seine Behörde, die Straßenmeisterei Betzdorf, vom bösen Verdacht des Rosen-Meuchelns reinwaschen. »Rosen abgeschnitten? Wir? Sicher nicht.« Die Straßenmeisterei sei lediglich für die Mittelinsel auf der K94 zuständig; die Beete hingegen habe der Kirchener Bauhof gepflegt. Dessen Chef heißt Dietmar Urrigshardt und macht nicht den Eindruck, als sei er ein herzloser Blumen-Vernichter. Aber dann das Schuldeingeständnis: »Ja, wir haben die Beete vor kurzem gemulcht und die Pflanzen entfernt.« Keine Frage: Beim Ortstermin mit Wehbachs Ortsvorsteher Joachim Hillen, Dietmar Urrigshardt und der gefrusteten Anwohnerin gab es mächtig Zündstoff. »Da tut man und macht man, und dann, wenn alles fertig ist, wird es einem kaputtgemacht«, schimpfte die Anwohnerin: »Ich bin doch nicht verrückt; ich werde hier kein Unkraut mehr rausreißen.« Kleines Problem: Außer Unkraut wuchs auf der gut zehn Quadratmeter großen Fläche so gut wie nichts. Ein Anruf beim Gärtnermeister des Kirchener Bauhofs ergab: Vor dem Arbeitseinsatz zierten ganze fünf Rosen das ausgesprochen trostlose Beet. Das soll sich aber schon in der nächsten Woche ändern. Dann nämlich will der Bauhof auf den umstrittenen Beeten neue Sommerblumen pflanzen. Nur keine Rosen mehr – schließlich haben die Wehbacher aus diesem »wundersam Ereignis« gelernt, dass bei ihnen vor der Haustür die Rosen alles tun – nur nicht die Streitsucht verbannen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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