Die Dominanz von Wald und Wiesen

»Keine Kracher« im neuen Flächennutzungsplan der VG Kirchen/Molzberg bleibt »weiß«

thor Kirchen. Es ist und bleibt die Farbe Grün, die den Flächennutzungsplänen der Verbandsgemeinde Kirchen ihren Stempel aufdrückt. Wo Wald und Wiesen auf rund 123 Quadratkilometern die Landschaft prägen, da sieht man nur vereinzelt Rot (Wohnflächen) und noch weniger Grau (Gewerbegebiete). So bildet der neue Plan, der seit einigen Tagen in genehmigter Form im Rathaus an der Wand hängt, keine Ausnahme.

Knapp zehn Jahre hat es gedauert, bis die Kirchener die begehrte Unterschrift in Altenkirchen erhalten haben – am 16. März 1994 war der Aufstellungsbeschluss gefällt worden, nachdem für den bis dahin gültigen Plan bereits 80 Änderungsanträge vorgelegen hatten. Bürgermeister Wolfgang Müller – »ein so langer Zeitraum ist nicht der Normalfall« – sprach gestern von »einigen Hürden«. Als Beispiele nannte er die Diskussion um die Ausweisung der FFH- bzw. Vogelschutzgebiete. Was Müller nicht erwähnte, aber nicht unerheblich zu den Verzögerungen geführt hatte, waren unterschiedliche rechtliche Auffassungen über den Flächennutzungsplan zwischen dem früheren Kirchener Bauamtsleiter und der Kreisverwaltung.

Doch das ist nun vergessen, beinhaltet der neue Plan doch ohnehin keine »Kracher«, wie es der Bürgermeister formulierte. Anders ausgedrückt: Spektakuläre Änderungen bei der geplanten Nutzung bestimmter Areale gibt es nicht. Hier einige Ergänzungen von Wohnbauflächen, dort ein kleines Gewerbegebiet, so z.B. in Steeg in Verlängerung des Alho-Firmengeländes. Auch der Bereich unterhalb von Freusburg-Struth zwischen Bahnstrecke und B62 ist für eine gewerbliche Nutzung vorgesehen, doch muss hier noch geprüft werden, inwieweit sich die (aufwändige) Erschließung rechnet.

So bleibt die für Firmen vorgesehene Fläche mit 18,8 Hektar (darunter 5,2 ha Mischgebiete) verhältnismäßig gering. Da hilft es auch nicht, dass inzwischen keinerlei Vogelschutzzonen mehr in der Verbandsgemeinde vorgesehen sind.

Dag Irle, beim Kirchener Bauamt für die Ortsplanung zuständig, erklärte nochmals, dass in den Tallagen der Verbandsgemeinde keine neuen Gewerbegebiete möglich seien: »Wir haben nicht die Potenziale, die wir gerne hätten.« Nach Darstellung von Joachim Neuhof (Bauleitung) verfolge man ohnehin den Grundsatz vom sparsamen Umgang mit Grund und Boden, passend zur Lokalen Agenda. Damit fügt man sich den Auflagen des übergeordneten Regionalen Raumordnungsplans. Auch hier sei der Norden von Rheinland-Pfalz »grün« dominiert, so Neuhof: »Die Landesplanungen decken sich dabei nicht unbedingt mit unseren.«

Neben den klar gekennzeichneten Flächen tauchen auch zwei weiße Flecken im Flächennutzungsplan auf: der Molzberg und »Rissfeld II« in Kirchen. Solange man sich über die jeweilige Nutzung streitet, gilt die alte Festsetzung und die Gebiete werden weder mit Grün noch mit Rot oder Grau markiert.

Auch Pendler ein ökologisches Problem

Was Müller »ein Stück weit unzufrieden« macht, ist die Tatsache, dass nach der Reaktivierung der Industriebrachen kein neues Gelände akquiriert werden kann, um wohnortnahe Arbeitsplätze anzubieten. Denn nicht nur Flächenverbrauch, auch der tägliche Pendlerstrom sei ein ökologisches Problem. Und nicht zuletzt ärgert es den Bürgermeister, dass im nahen Nordrhein-Westfalen, z.B. in Wilnsdorf, in Sachen Gewerbeflächen ganz andere Dinge möglich sind. So kann Müller nur zustimmen, wenn man davon spricht, dass die Verbandsgemeinde Kirchen von der räumlichen Entwicklung her ihre Grenzen erreicht hat: »Das ist unser Schicksal.«

Der neue Flächennutzungsplan »wandert« nun in die Ortsgemeinden, die entsprechende Änderungswünsche vorlegen können. Aber auch dort weiß man, dass man weder die Sieg trocken legen noch den Giebelwald abholzen kann.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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