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Maik Köhlers Tod trifft Politik völlig unvorbereitet
Die große Lücke

Mit Günter Schönhof, Wolfgang Müller, Jens Stötzel und Maik Köhler hat das vor rund 30 Jahren errichtete 
 Verwaltungsgebäude in Kirchen bislang vier Bürgermeister   gesehen. Nun müssen die Wähler über Nr. 5 entscheiden.
  • Mit Günter Schönhof, Wolfgang Müller, Jens Stötzel und Maik Köhler hat das vor rund 30 Jahren errichtete
    Verwaltungsgebäude in Kirchen bislang vier Bürgermeister gesehen. Nun müssen die Wähler über Nr. 5 entscheiden.
  • Foto: thor
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

thor Kirchen/Mudersbach.  Es ist ein aussichtsloser Kampf: Gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit haben Würde und Respekt oft genug keine Chance. Weiter, immer weiter. Innehalten ja, aber bitte nur für den Augenblick. Dieses Gefühl haben gerade viele Kommunalpolitiker in der Verbandsgemeinde Kirchen. Der Tod von Maik Köhler dürfte von etlichen Weggefährten – egal aus welcher Partei – noch nicht einmal ansatzweise verarbeitet sein, da ruft schon wieder die Pflicht, die Rückkehr zur Tagesordnung.

In der nächsten Woche tagen sowohl der Verbandsgemeinderat Kirchen als auch der Ortsgemeinderat Mudersbach. In beiden Gremien müssen die Ratsmitglieder einen Termin für die Neuwahl bestimmen. Im Vorfeld hat man sich auf den 6.

thor Kirchen/Mudersbach.  Es ist ein aussichtsloser Kampf: Gegen die Schnelllebigkeit unserer Zeit haben Würde und Respekt oft genug keine Chance. Weiter, immer weiter. Innehalten ja, aber bitte nur für den Augenblick. Dieses Gefühl haben gerade viele Kommunalpolitiker in der Verbandsgemeinde Kirchen. Der Tod von Maik Köhler dürfte von etlichen Weggefährten – egal aus welcher Partei – noch nicht einmal ansatzweise verarbeitet sein, da ruft schon wieder die Pflicht, die Rückkehr zur Tagesordnung.

In der nächsten Woche tagen sowohl der Verbandsgemeinderat Kirchen als auch der Ortsgemeinderat Mudersbach. In beiden Gremien müssen die Ratsmitglieder einen Termin für die Neuwahl bestimmen. Im Vorfeld hat man sich auf den 6. Juni verständigt – als gemeinsamen Termin für beide Wahlen: ehrenamtlicher Ortsbürgermeister in Mudersbach und hauptamtlicher Verwaltungschef in Kirchen. Damit wird die gesetzlich vorgeschriebene Frist von drei Monaten zwar etwas überschritten, im Mai hätten die Wahlen aber mit vielen langen Wochenenden kollidiert. Zuvor muss die Stelle des Bürgermeisters noch öffentlich ausgeschrieben werden. Binnen kürzester Zeit müssen also nun die personellen Weichen gestellt werden. Dabei war – und ist in Teilen noch – überall eine immense Ratlosigkeit zu spüren, wie es sie in den vergangenen Jahrzehnten in der Verbandsgemeinde Kirchen noch nie gegeben hat. Stets gab es insofern einen reibungslosen Wechsel, als dass Amtsinhaber regulär ausschieden bzw. potenzielle Nachfolger ausreichend Gelegenheit hatten, sich in Stellung zu bringen.
Doch mit Maik Köhler ist ein Bürgermeister und Ortsbürgermeister verstorben, den alle eigentlich noch 20 Jahre in diesen Positionen gesehen hatten, gerade im Hauptamt. Und im Gegensatz zu seinem Vorgänger gab es bei ihm keinen Grund, von einer anderen Konstellation auszugehen. Und darauf hatten sich alle eingerichtet – nicht nur seine Wähler, sondern auch die Parteien und Fraktionen. Das kann ihnen niemand zum Vorwurf machen. Der Tod des Bürgermeisters hat die Politik daher völlig unvorbereitet getroffen.

Die Auswahl ist klein, sehr klein

Am allerwenigsten hatte die CDU einen Grund, sich Gedanken zu machen. Maik Köhler hatte 2017 das Rathaus im Sturm zurückerobert, die Strategen im Hintergrund konnten einen Haken machen. Und nun? Die Christdemokraten werden alles daran setzen, dass auch künftig einer der Ihren auf dem Chefsessel sitzt – dafür bürgt allein ein Name: Dr. Josef Rosenbauer. Des ehemaligen Kreisvorsitzenden liebstes Spielfeld ist die Personalpolitik. Daran hat sich seit alten JU-Tagen nichts geändert. Und so dürften unterhalb des Ottoturms schon wieder die ersten Strippen durchs Fenster zu sehen sein.
Dabei gilt für die CDU wie für alle anderen Parteien: Die Auswahl ist klein, sehr klein, zumal Kandidaten von außerhalb im AK-Land bis auf wenige Ausnahmen nie Lorbeeren ernten konnten. Rosenbauer wird an Parteifreund Michael Dützer denken, den Büroleiter im Kirchener Rathaus, ein versierter Verwaltungsfachmann, allerdings kein „Anchor Man“ oder gar Menschenfischer. Oder aber an Christian Ruf, den Vorsitzenden des CDU-Gemeindeverbands Kirchen. Der Freusburger hat politisch bislang noch keine Akzente gesetzt, erfüllt als Jurist – er arbeitet als stellv. Personalchef bei der Diakonie Südwestfalen – aber die klassischen Voraussetzungen für ein Bürgermeisteramt.
Und dann wäre da noch Dominik Schuh, Ortsbürgermeister in Niederfischbach, der seine Sache bislang mit seiner ruhigen und pragmatischen Art sehr gut macht und den Respekt des Rates genießt, des gesamten Rates. Fraglich ist, ob er seinen sicheren Lehrerjob (in Diensten des Landes) gegen das ungewisse Schicksal eines Wahlbeamten eintauschen möchte. Auch an seinem Bekanntheitsgrad im Siegtal müsste der Föschber noch deutlich feilen.

 Andreas Hundhausen Top-Favorit der SPD

Die SPD wird unterdessen ebenfalls keine Däumchen drehen. Das kündigte Angelika Buske als Vorsitzende des Gemeindeverbands an. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir einen eigenen Kandidaten aufstellen werden.“ Zu den Top-Favoriten bei den Genossen gehört ohne jeden Zweifel Andreas Hundhausen. Der Kirchener Stadtbürgermeister zeigt seit Jahren, wie parteiübergreifendes und zielorientiertes Arbeiten funktioniert. Hundhausen hat im Landrats-Wahlkampf ein respektables Ergebnis in der VG Kirchen eingefahren, nicht zu unterschätzen sind auch seine Verbindungen in die Landespolitik.

Mit zum „Kandidatenkarussell“ gehört allein schon wegen seines Postens Bauamtsleiter und Wirtschaftsförderer Tim Kraft. Der Niederfischbacher ist mit seiner bisherigen Arbeit in Kirchen auf viel Zustimmung gestoßen. Es lohnt sich aber auch der Blick nach Betzdorf: Dort arbeitet Christoph Weber als Büroleiter. Er ist in der Kirchener Verwaltung „groß geworden“ und kennt den Laden noch aus dem Effeff. Der Mudersbacher, seit Jahren auch Geschäftsführer der Freizeitbad Molzberg GmbH, ist durchsetzungs- und meinungsstark, aber sicherlich nicht „Everybody’s Darling“.
Zur Ortsgemeinde Mudersbach: Dort hätten sich viele gewünscht, dass der 1. Beigeordnete Bernhard Steiner für die Übergangszeit bis zur nächsten Kommunalwahl die Verantwortung als Ortsbürgermeister übernimmt, wird er doch über Partei- und Ortsteilgrenzen hinweg sehr geschätzt. Doch daraus wird nichts: „Der Kopf sagt ja, der Körper nein. Ich werde das aus gesundheitlichen Gründen nicht machen“, sagte der Birkener im Gespräch mit der SZ. Berücksichtigt man jetzt die familiäre und berufliche Situation mancher potenzieller Kandidaten in den Fraktionen, kann man erahnen, wie schwierig es sein wird, in Mudersbach einen Nachfolger für Maik Köhler zu finden.
Keine Frage: Sein Tod wird auch den 6. Juni noch überschatten. Umso mehr wird es darauf ankommen, Kandidaten zu finden, die dafür stehen, dass sie im Sinne des Verstorbenen weiterarbeiten – ohne Zank, ohne politische Scheuklappen, ohne Egozentrik. Für die Verbandsgemeinde Kirchen. Für die Ortsgemeinde Mudersbach.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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