SZ

Wald leidet auch ohne Verbissschäden
„Die Jäger sind gefordert“

Knapp 4500 Rehe sind im Jagdjahr 2019/20 im AK-Land erlegt worden. Und geht es nach dem Kreisjagdmeister, dann wird diese hohe Strecke beibehalten.  Foto: damo
  • Knapp 4500 Rehe sind im Jagdjahr 2019/20 im AK-Land erlegt worden. Und geht es nach dem Kreisjagdmeister, dann wird diese hohe Strecke beibehalten. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kreis Altenkirchen.  Falls irgendeines der Wildschweine im AK-Land so etwas wie eine Jahreschronik anlegt, dann wird der Eintrag für 2019 ausgesprochen finster ausfallen. 2751 Schwarzkittel sind zwischen dem 1. April 2019 und dem 31. März 2020 erlegt worden – so viele wie noch nie zuvor. „Das ist eine Rekordstrecke“, berichtet Kreisjagdmeister Franz Kick im Gespräch mit der SZ.

Und auch die weiteren Zahlen des vergangenen Jagdjahres, das traditionell am 31. März zu Ende geht, bestätigen Kicks Einschätzung: „Alles in allem ist eine gute Strecke erzielt worden.“ Das bezieht er vor allem aufs Rehwild: 4462 Rehe tauchen in der Jagd-Statistik auf (inklusive Verkehrsopfer).

damo Kreis Altenkirchen.  Falls irgendeines der Wildschweine im AK-Land so etwas wie eine Jahreschronik anlegt, dann wird der Eintrag für 2019 ausgesprochen finster ausfallen. 2751 Schwarzkittel sind zwischen dem 1. April 2019 und dem 31. März 2020 erlegt worden – so viele wie noch nie zuvor. „Das ist eine Rekordstrecke“, berichtet Kreisjagdmeister Franz Kick im Gespräch mit der SZ.

Und auch die weiteren Zahlen des vergangenen Jagdjahres, das traditionell am 31. März zu Ende geht, bestätigen Kicks Einschätzung: „Alles in allem ist eine gute Strecke erzielt worden.“ Das bezieht er vor allem aufs Rehwild: 4462 Rehe tauchen in der Jagd-Statistik auf (inklusive Verkehrsopfer).

Nun ist Kick nicht nur der Chef der Jäger im Kreisgebiet, sondern zudem auch noch Leiter des Forstamts Altenkirchen. Und besonders in dieser Funktion begrüßt er die überdurchschnittliche Strecke ausdrücklich.

Denn man muss kein Forstwissenschaftler sein, um zu ahnen, dass der Wald derzeit ohnehin schon ächzt: Kaum ein Fichtenbestand, in dem der Borkenkäfer nicht gewütet hätte, und selbst Buchen und Eichen leiden massiv unter der Trockenheit der vergangenen Sommer. Hektar um Hektar liegt brach, die Waldbesitzer stehen vor der schwersten Aufgabe seit Jahrzehnten: Sie müssen trotz radikal gesunkener Einnahmen im großen Stil investieren, um heute den Wald von morgen zu pflanzen. Und wenn sie eines dabei nicht brauchen, dann sind das Verbissschäden.

Genau darauf aber haben sich Rehe spezialisiert: Sie gelten als Selektierer, futtern also bevorzugt eiweißreiche Kost. Hier mal eine Knospe, dort ein Terminaltrieb eines jungen Bäumchens, und wenn irgendwo ein Exot nachwächst, lockt der besonders. Unter normalen Umständen hält der Wald das aus – aber die Umstände sind eben nicht mehr normal.

„Wir müssen pflanzen, Naturverjüngung allein reicht nicht“, sagt Kick, und an dieser Stelle ist er ganz Forstamtsleiter. „Aber gerade das, was wir gezielt pflanzen, ist besonders gefährdet“, ergänzt er und nennt Linde, Spitzahorn oder Weißtanne. Alles Arten, die weit besser mit trockenen Phasen in der Vegetationsperiode klarkommen – aber alles eben auch Arten, die auf dem Speisezettel der Rehe weit oben stehen. „Wir können aber nicht alles einzäunen oder mit einem Einzelschutz versehen“, führt Kick aus – die Kosten wären kaum zu stemmen, und in Zeiten, in denen der Holzmarkt zusammengebrochen ist, schon mal gar nicht.

„Die Jäger sind gefordert“, lautet Kicks Resümee: „Gerade in Zeiten des Waldumbaus müssen Jäger ihre Aufgabe noch ernster nehmen als sonst.“ Der Wald habe nur dann eine Chance, wenn die Wildbestände „auf einem naturverträglichen Maß sind“. Und damit meint Kick nicht nur die Interessen der Forstwirtschaft: Wie immer in der Natur, wenn einzelne Arten sich über das übliche Maß vermehren, leiden andere. „Rehe fressen auch gerne krautige Pflanzen, und manche davon sind ohnehin schon selten. Der Türkenbund zum Beispiel wird gerne verbissen, und dadurch wird er immer seltener.“

Für Kick steht also außer Frage: Nach den hohen Abschüssen im Jagdjahr 2019/20 müssen die Jäger das Level beibehalten. Das spiegele sich im Übrigen auch in den Abschussplänen. Diese werden zwischen Verpächtern und Jägern ausgehandelt – und wo immer Waldbesitzer die Rolle des Verpächters übernehmen, werden sie ein vitales Interesse daran haben, möglichst hohe Abschussvorgaben zu machen. Ob am Ende wirklich eine starke Strecke vereinbart wird, hängt laut Kick „vor allem von der Energie der Waldbesitzer ab“.

Die Verbissschäden sind aber nur ein Argument für die Waidmänner, ihren Job ernst zu nehmen. Denn auch die Wildschweinpopulation ist nach wie vor sehr stabil – etliche Gartenbesitzer können ein trauriges Lied davon singen, manche sogar eines mit mehreren Strophen. Denn in manchen Ortschaften – z.B. in Brachbach und Kirchen – sind Keiler und Co. für viele Anwohner zur wiederkehrenden Plage geworden.

Zu allem Übel ist auch die Afrikanische Schweinepest noch lange nicht vom Tisch – auch wenn sie in Zeiten der Corona-Pandemie aus dem Bewusstsein verschwunden ist. „In Belgien hat man das offenbar im Griff“, berichtet Kick, „im Osten aber sind die Gebiete, in denen die Schweinepest nachgewiesen worden ist, nicht weit von der deutschen Grenzen weg.“

Und klar ist: Wildschweine werden weder Masken tragen noch den Mindestabstand einhalten. Will man die Infektionskette unterbrechen, „muss man die Bestände spürbar ausdünnen“, sagt der Kreisjagdmeister.

Also: Ausruhen dürfen sich die Jäger nicht. Aber danach sieht es aktuell auch nicht aus: In vielen Revieren sei von der Sondergenehmigung, die Jagd auf Rehe zwei Wochen früher zu eröffnen (die SZ berichtete), Gebrauch gemacht worden. „Und da ist schon einiges zur Strecke gekommen“, berichtet Kick.

Gut möglich also, dass auch das Jahr 2020 aus Sicht der Wildtiere im AK-Land kein gutes wird. <chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus</chartag>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

4 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen