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Musik- und Filmprojekt „Bey oos daheem" (mit Video)
Die „Lyra“ setzt Brachbach ein neues Denkmal

Ein helles Licht bei der Nacht – das war auch für die Brachbacher Bergleute von einst die stete Hoffnung. Doch im Film ist auch der Schachteinsturz in der Grube „Apfelbaumer Zug“ zu sehen. Fotos: Musikverein
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  • Ein helles Licht bei der Nacht – das war auch für die Brachbacher Bergleute von einst die stete Hoffnung. Doch im Film ist auch der Schachteinsturz in der Grube „Apfelbaumer Zug“ zu sehen. Fotos: Musikverein
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thor Brachbach. Nichts gegen Heimatkünstler Josef Christ und andere – aber das hier dürfte unter Umständen das Größte sein, was jemals im Zusammenhang mit der Brachbacher Identität geschaffen wurde. Dabei lässt sich das ganze Ausmaß derzeit nur erahnen.

Der Musikverein „Lyra“ wird in einigen Wochen, genauer gesagt am 26. und 27. Oktober, zu zwei Konzerten einladen, die weit mehr als nur das sind. Denn an diesen beiden Abenden feiert jeweils mittendrin ein Film Premiere, den das Siegerland so noch nicht gesehen hat. Und passend dazu gibt es eine eigens komponierte Musik. „Bey oos daheem“ ist das Projekt überschrieben – eine multimediale Verneigung der „Lyra“ vor dem Erbe der Väter, eine Liebeserklärung an den Heimatort, der bei aller Tradition doch längst im 21.

thor Brachbach. Nichts gegen Heimatkünstler Josef Christ und andere – aber das hier dürfte unter Umständen das Größte sein, was jemals im Zusammenhang mit der Brachbacher Identität geschaffen wurde. Dabei lässt sich das ganze Ausmaß derzeit nur erahnen.

Der Musikverein „Lyra“ wird in einigen Wochen, genauer gesagt am 26. und 27. Oktober, zu zwei Konzerten einladen, die weit mehr als nur das sind. Denn an diesen beiden Abenden feiert jeweils mittendrin ein Film Premiere, den das Siegerland so noch nicht gesehen hat. Und passend dazu gibt es eine eigens komponierte Musik. „Bey oos daheem“ ist das Projekt überschrieben – eine multimediale Verneigung der „Lyra“ vor dem Erbe der Väter, eine Liebeserklärung an den Heimatort, der bei aller Tradition doch längst im 21. Jahrhundert angekommen ist

Eine fast dreijährige Vorgeschichte steuerte damit ihrem (vorläufigen) Ende und Höhepunkt entgegen, wie es „Lyra“-Dirigent Christoph Griffel im Gespräch mit der SZ erzählte. Denn seinerzeit war sein Vater Ludwig als Dirigent der Musikvereins mit einem eigenen Stück verabschiedet worden. Und bei einem oder vielleicht auch zwei Bier reifte kurz darauf die Idee, doch mal ein spezielles Werk für die „Lyra“ selbst oder vielleicht ganz Brachbach in Auftrag zu geben. Irgendeiner habe dann vorgeschlagen, das alles mit einem Film zu verbinden, erzählt Griffel: „Dabei wussten wir am Anfang gar nicht, wo die Reise genau hingehen soll.“

Griffel, hauptberuflich Schlagzeuger beim Musikkorps der Bundeswehr in Siegburg, wandte sich an seine bewährten Kollegen. Der aus Olpe stammende Trompeter Andreas Reuber hatte bereits das Stück für seinen Vater komponiert, mit Waldhornist Andreas Bachmann stand ihm auch ein Kameramann und Regisseur zur Verfügung. Zusammen mit Jonas Reitz erklärte er beiden, was man sich denn so für Brachbach vorstellt.

„Es war schnell klar, dass es irgendwas mit Bergbau sein muss“, sagte Christoph Bätzing, Musiker und Stollen-Experte in Personalunion. So entstand ein Drehbuch, in dem ein Opa mit seinem Urenkel durch ein altes Fotoalbum blättert. Dabei werden drei Epochen beleuchtet: Am Anfang steht die schwere Arbeit unter Tage der Brachbacher Bergleute und der Einsturz des Schachts der Grube „Apfelbaumer Zug“ im Jahre 1908. Einige Szenen aus dem Hauberg leiten zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs über, als die Stollen als Luftschutzbunker dienten. Als Zeitzeuge berichtet Hugo Irlich von dieser Zeit. Ohnehin konnte der Musikverein jederzeit auf die Expertise der Bergbau-Gruppe des Heimatvereins zurückgreifen, selbst Achim Heinz vom Bergbaumuseum in Sassenroth half mit Utensilien aus.

Doch Brachbach verharrt bekanntlich nicht in der Vergangenheit. So zeigt der Film schließlich eine lebendige Gemeinde in der Gegenwart, die viel und gerne feiert und wo das Vereinsleben pulsiert. Zu sehen sind u.a. eine Feuerwehr-Übung, eine Führung durch den Stollen „Josefsglück“ – dem wichtigsten Drehort –, auch die Aufgabe des Wasservereins wird dargestellt. Am Ende dürfte der Opa den Urenkel müde und zufrieden ins Bett schicken. Aber das weiß man nicht genau, denn die Rohfassung des Film haben bislang nur Christoph Griffel und Christoph Bätzing gesehen – die emotional zutiefst ergriffen waren: „Wir haben Rotz und Wasser geheult.“

Denn offensichtlich hat Komponist Andreas Reuber auch den richtigen Ton getroffen. Es versteht sich dabei von selbst, dass in den Noten eine gewisse Dramaturgie enthalten ist, schließlich kann man einen Schachteinsturz nicht mit der „Moldau“ von Smetana untermalen. „Es war genau so, wie wir uns das vorgestellt haben“, lobt Griffel den Kollegen. Es habe nur sehr geringe Änderungswünsche gegeben. Im November vergangenen Jahres hat das Ensemble der „Lyra“ das Werk in einem Studio in Siegburg eingespielt.

Wer sich den Trailer von „Bey oos daheem“ auf Youtube oder Vimeo anschaut, merkt sofort, dass da nicht jemand mit einer Handykamera gefilmt hat, sondern echte Profis am Werk waren. Andreas Bachmann war mit seiner Frau Andrea für acht Drehtage vor Ort, er hat 17 Stunden Rohmaterial aufgenommen, zu dem 15 000 Fotos und 1262 kleinere Videoclips gehören. Die perfekt gekleideten und geschminkten Schauspieler rekrutierten sich großteils aus den Reihen der „Lyra“. Bätzing jedenfalls war begeistert: „Der Kameramann hat nicht nur seinen Job gemacht, er hat dafür gebrannt.“ Am Ende ist es „nur“ ein Film von 12 Minuten, aber jede Sekunde dürfte voller Herzblut sein. „Wir sind wirklich stolz, das ist eine ganz tolle Sache geworden“, sagt Griffel.

Für die Aufführungen wird die Peter-Hussing-Halle in eine Mischung aus Konzert- und Kinosaal umgebaut, insgesamt 700 Zuschauer können vor Ort sein. Dabei werden die Einnahmen aus den Kartenverkäufen die Ausgaben für Film und Musik nicht mal annähernd decken, die „Lyra“ ist wie so oft auf Sponsoren angewiesen. Der erste Vorverkauf findet übrigens am kommenden Freitag vor der Probe zwischen 18.30 Uhr und 19 Uhr in der Halle statt.

Trotz der wenigen Einblicke in das Gesamtwerk steht jetzt schon eines fest: Die „Lyra“ hat mit „Bey oos daheem“ nicht nur Brachbach ein neues Denkmal gesetzt, sondern auch sich selbst. Das und vieles, vieles andere sind deutlich mehr, als man von einem typischen Musikverein eigentlich erwarten kann.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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