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Pilotprojekt zur Energiewende
Die Mutter aller Batterien

Aus mehr als 100 Akkus, die eigentlich in Hybridautos eingesetzt werden, entsteht bei der Firma Mann ein Riesen-Akku. Er soll mit Wind- energie gespeist werden.  Foto: damo
  • Aus mehr als 100 Akkus, die eigentlich in Hybridautos eingesetzt werden, entsteht bei der Firma Mann ein Riesen-Akku. Er soll mit Wind- energie gespeist werden. Foto: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Langenbach b. K. Jeder, der ein Ladegerät besitzt, wird wissen: Irgendwann macht jeder Akku schlapp. Bei Mignonzellen ist der Verlust zu verschmerzen, beim Handy mit fest eingebauter Batterie ist’s schon ärgerlicher – aber richtig bitter wird’s, wenn das Hybridauto schon nach 30 Kilometern Strombetrieb wieder die Benzinpumpe anwirft. Hier geht’s nicht nur um hohe Kosten für den Autobesitzer, sondern auch darum, dass die alten Akkus mit all den Rohstoffen, die in ihnen stecken, ja trotzdem noch einen Wert haben. Kein Wunder also, dass die Automobilhersteller prüfen, wie man Batterien gewinnbringend nutzen kann, die für Hybridautos zu schwach geworden sind. Und ein solches Experiment wird gerade in Langenbach bei Kirburg auf den Weg gebracht.

damo Langenbach b. K. Jeder, der ein Ladegerät besitzt, wird wissen: Irgendwann macht jeder Akku schlapp. Bei Mignonzellen ist der Verlust zu verschmerzen, beim Handy mit fest eingebauter Batterie ist’s schon ärgerlicher – aber richtig bitter wird’s, wenn das Hybridauto schon nach 30 Kilometern Strombetrieb wieder die Benzinpumpe anwirft. Hier geht’s nicht nur um hohe Kosten für den Autobesitzer, sondern auch darum, dass die alten Akkus mit all den Rohstoffen, die in ihnen stecken, ja trotzdem noch einen Wert haben. Kein Wunder also, dass die Automobilhersteller prüfen, wie man Batterien gewinnbringend nutzen kann, die für Hybridautos zu schwach geworden sind. Und ein solches Experiment wird gerade in Langenbach bei Kirburg auf den Weg gebracht.

Dort hat eine Firma ihren Sitz, die zum einen für die Produktion von Holzpellets viel, viel Energie benötigt, zum anderen aber von einem Mann geführt wird, der sich als Pionier der Energiewende versteht: Markus Mann. Er hat schon vor 30 Jahren die ersten Windräder errichtet, auf den Dächern seiner Betriebsgebäude wird die Kraft der Sonne genutzt, und jedes Fitzelchen Holz, das nicht mehr zu Pellets verarbeitet werden kann, landet in einem Biomasse-Kraftwerk. Und jetzt kommt die Mutter aller Akkus dazu.

Seit einigen Tagen sind Techniker auf dem Betriebsgelände damit beschäftigt, mehr als 100 Akkus aus Hybridfahrzeugen zu einem riesigen Stromspeicher zu verbinden. Wenn alle Akkus zusammengefügt worden sind, wird die Großbatterie eine Kapazität von 1,4 Megawattstunden haben.

Natürlich ist es nicht damit getan, die Lithion-Ionen-Akkus mit dicken, fetten Kabeln hübsch in Reihe zu schalten: Notwendig ist auch eine komplexe Steuertechnik, und ein ganzer Container ist für die Frequenzrichter vorgesehen, die Gleichstrom in Wechselstrom umwandeln.

Denn gespeist werden soll der Riesen-Akku im Wesentlichen von den fünf Windrädern, die sich schon seit 30 Jahren auf den Höhen von Langenbach drehen. Sie sind längst aus der Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz gefallen. Soll heißen: Ihren Strom ins Netz einzuspeisen, ist finanziell deutlich weniger lukrativ, als ihn selbst zu nutzen. Also werden sie mit 1,4 Kilometer langen Kabeln an den Mega-Akku angeschlossen.

Zwar wird die gesamte Produktionskette bei der Firma Mann ohnehin schon längst intelligent gesteuert: Die energieintensiven Arbeitsschritte werden bereits mit Blick auf Sonnen- und Windenergie witterungsabhängig gesteuert.

Die neue Batterie aber kann dieses Lastenmanagement noch verbessern: Sie wird ins Werksnetz integriert und soll Spitzen nach oben und unten abfedern. Vereinfacht gesagt: Mal liefert sie Strom, mal lädt sie – je nachdem, was gerade gefordert ist.

Was in Langenbach geschaffen wird, hat derzeit noch den Charakter eines Modell-Projekts. Aber nach Einschätzung von Markus Mann dürfte es ein wichtiges Zukunftsthema werden. Denn gebrauchte Batterien werden in ein paar Jahren sicher reichlich verfügbar sein: „Die Autokonzerne suchen bereits jetzt nach Second-live-Lösungen für die Batterien – in ein paar Jahren werden hunderttausende davon auf den Markt kommen.“

Denkbar sind für Mann aber nicht nur Projekte mit Großbatterien: Er kann sich ebenso gut eine Nutzung ausrangierter Auto-Akkus in den Kellern von Einfamilienhäusern vorstellen.

„Das würde funktionieren“, meint er und unterfüttert diese Einschätzung mit einem Rechenbeispiel. Nach sechs, sieben Jahren Laufzeit in einem Hybridauto hat ein Akku rund 20 Prozent seiner Leistung eingebüßt; dann bleiben rund 10 Kilowattstunden übrig. Zu wenig, um große Strecken mit dem Auto zurückzulegen – aber genug, um als ausreichend großer Speicher für eine private 10-kW-Photovoltaikanlage zu dienen. „Selbst in unseren Breitengraden könnte damit ein Durchschnittshaushalt zu 75 Prozent physikalisch autonom sein“, sagt Mann.

Für ihn ist ein Netzwerk aus solchen dezentralen Speicherlösungen unverzichtbarer Bestandteil einer zukunftsgerichteten Energiepolitik. „Die Energiewende gelingt nur von unten nach oben – und nicht über die Großkonzerne.“

Die Großbatterie soll im Frühsommer in Betrieb gehen – und auch, wenn’s ein Pilotprojekt ist, zweifelt Mann keine Sekunden am Erfolg: „Das wird gehen, da bin ich sicher. Genau wie meine Windmühlen. Da hieß es vor 30 Jahren auch, dass das nicht klappt. Aber sie drehen sich immer noch.“ <tab><chartag shortcut="z-Autor" tag="autor-7p">Daniel Montanus <tab></tab></chartag></tab>

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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