Die neue Formel: Schwangerschaft = Armut

Frauengemeinschaften spendeten für Caritas-Beratung/Finanzielle Not wird größer

thor Mudersbach. Eine Spende von Frauen für Frauen: Im kath. Pfarrheim übergaben gestern Morgen Vertreterinnen der Frauengemeinschaften aus Mudersbach, Brachbach und Niederschelderhütte/Birken im Beisein von Pfarrer Ludwig Hoffmann einen Scheck über 1550 Euro an den Geschäftsführer der Betzdorfer Caritas, Rudolf Düber. Das Geld stammt aus den Kollekten der letztjährigen Frauenmessen in den drei Orten und kommt wieder der Schwangerenberatung der Caritas zugute, genauer gesagt der »Aktion für das Leben«.

In ihrer eigenen Ankündigung hatten die kfd-Gruppen von »Frauen in Not« geschrieben – und das trifft die Sache weitaus genauer. Denn Schwangerschaft ist immer häufiger für Frauen nicht nur ein psychisches oder moralisch-ethisches Problem, sondern in erster Linie ein finanzielles. Das belegte Rudolf Düber mit teilweise alarmierenden Zahlen aus der aktuellen Statistik für das Jahr 2005. Zur Klarstellung: Auch wenn die Caritas-Mitarbeiterinnen nach dem Ausstieg der kath. Kirche vor einigen Jahren keine klassische Konfliktberatung mehr durchführen dürfen, an deren Ende der Schein für eine legale Abtreibung stehen könnte, so sind ihre Dienste weiter gefragt – die Tendenz geht sogar nach oben. Nicht umsonst spricht Düber von einer »sehr hohen Frequentierung«.

Im vergangenen Jahr suchten insgesamt 200 Frauen die Beratung der Caritas, dabei wurden 420 Gespräche geführt. 75 Prozent der Schwangeren waren zwischen 20 und 34 Jahre alt, auch ein Indiz dafür, dass sich Jüngere im Alter zwischen 15 und 19 eher an andere Stellen wenden.

Nun fragen die Beraterinnen natürlich auch konkret nach, warum der Weg zur Caritas eingeschlagen wurde. Klare Nr.1 bei den Gründen: die finanzielle Situation. Für über 84 Prozent der Frauen steht die Sorge, dass sich ein Kind nicht mit ihrer Einkommenssituation verträgt, ganz oben. 62 Prozent (Doppelnennungen sind möglich) geben Fragen zu sozialrechtlichen Ansprüchen als Grund für die Kontaktaufnahme an, indirekt auch ein finanzieller Aspekt. Erst danach folgen mit 60 Prozent psychische und physische Belastungen sowie die Arbeitslosigkeit (32 Prozent).

67 Prozent ohne Berufsausbildung

Sehr hoch ist nach Angaben von Düber auch der Anteil jener Frauen, die über keine Berufsausbildung verfügen: 67 Prozent. Und mehr als 40 Prozent der Rat suchenden Schwangeren beziehen Arbeitslosengeld II (Hartz IV). Hinzu kommt, dass offensichtlich viele Frauen ihr »Schicksal« allein bewältigen müssen. Gerade einmal 52 Prozent waren verheiratet oder aber lebten in einer festen Beziehung. Das traurige Fazit des Geschäftsführers: »Ein Teil der Menschen kommt mit bestimmten Situationen nicht mehr zurecht.« Und eine solche Situation ist zunehmend die Schwangerschaft.

Nun stand und steht bei der Betzdorfer Caritas natürlich eine Botschaft im Vordergrund: Das grundsätzliche Ja zum Leben. So verwies Rudolf Düber auf die »Woche für das Leben« der beiden großen Kirchen in Deutschland, die in diesem Jahr vom 25. April bis 5. Mai stattfindet. Sie steht unter dem Motto »Von Anfang an uns anvertraut. Menschsein beginnt vor der Geburt.« Treffender kann man nach Meinung des Caritas-Geschäftsführers nicht ausdrücken, worum es eigentlich geht: »Gemeinsam dafür Verantwortung zu übernehmen, dass Kinder leben können und dass Mütter und Väter unterstützt werden, die ihnen anvertrauten Kinder anzunehmen.«

Düber stellte klar, dass man nicht die Augen vor jenen Situationen verschließen dürfe, in denen es schwer fällt, die Kinder anzunehmen. Es dürfe nicht sein, dass ökonomische Gründe die entscheidende Rolle spielten bzw. bestimmte soziale Verhältnisse Kinder nicht mehr erlauben würden. Hier sei die Hilfe der Solidargemeinschaft gefragt. So lobte Düber die kfd-Frauen diesbezüglich als »Vorreiter«. Das Geld ergänzt Mittel aus einer Landesstiftung und einem Fonds des Trierer Bischofs. Die Spende will der Caritas-Geschäftsführer als eine Art »Joker« einsetzen. Da, wo eine Förderung abgelehnt wird, kann das Geld der kfd helfen – wenn es z.B. um eine einfache Erstlingsausstattung geht. Denn bereits hier stoßen manche Frauen an ihre (finanziellen) Grenzen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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