»Die Sprache der Natur verstanden«

Waldbesitzer nahmen Abschied vom ausgeschiedenen Forstamtsleiter Mario Schneiderhöhn

thor Niederfischbach. Den grünen Rock des Jägers und Forstmannes hatte er gestern Abend zu Hause im Kleiderschrank gelassen, um in einem grauen Zweireiher an dieser eigens für ihn ausgerichteten Feierstunde teilzunehmen, die im eigentlichen Sinne des Wortes keine war. All jene, die zwischen Daaden, Mudersbach und Betzdorf irgendetwas mit dem Thema »Wald« zu tun haben, waren ins Hotel Bähner gekommen, um dem Mann in Grau Dank zu sagen und ihn offiziell aus ihren Reihen zu verabschieden: Forstdirektor Mario Schneiderhöhn, bis Ende vergangenen Jahres Leiter des Forstamts Kirchen. Im Zuge der Landes-Forstreform und der damit einher gegangenen Schließung des für den Oberkreis zuständigen Forstamts (die SZ berichtete mehrfach) wird Schneiderhöhn Mitte des Jahres eine neue Stelle in der Forsteinrichtung in der Westpfalz übernehmen.

Eingeladen zu der kleinen »Feier« hatte federführend der Kreiswaldbauverein, dessen Vorsitzender Otto Heinemann das Thema des Abends nicht dadurch »verwässern« wollte, indem er einen Blick in die Zukunft warf. Es war schließlich die Stunde des Rückblicks auf 15 gemeinsame Jahre. Dabei muss Schneiderhöhn schon beim ersten Treffen einen nachhaltigen Eindruck bei Heinemann hinterlassen haben. Damals habe er seiner Frau gesagt: »Das ist ein schneidiger, im Auftreten äußerst korrekter und selbstbewusster Fallschirmjäger-Offizier der Bundeswehr mit einer feurigen Redebegabung.«

Erstaunliche Zivilcourage

Nachdem der neue Forstamtsleiter sehr schnell auf die Jagd zu sprechen kam, war Heinemann etwas irritiert: »Hoffentlich hat der auch Ahnung vom Wald.« Er war sich schnell sicher: »Und er hat Ahnung.« Der Vorsitzende der Waldbauern in seiner Laudatio: »Sie haben Ihr Forstamt engagiert und professionell geführt. Sie verstehen die Sprache der Natur. Sie denken zukunftsgerichtet und in Zusammenhängen, und so stehen ökonomisches und ökologisches Denken und Handeln bei Ihnen im gebotenen Einklang.« Ob auf die Sturmschäden durch »Wiebke« oder die Wald-Wild-Frage – stets habe Schneiderhöhn überzeugende Antworten geliefert. Dabei habe er sogar erhebliche Zivilcourage entwickelt, die, so Heinemann, »für einen Landesbeamten in Ihrer Position manchmal zumindest recht erstaunlich war«.

Der Vorsitzende bedankte sich bei dem ausgeschiedenen Forstamtsleiter für die stets gute Zusammenarbeit und Hilfsbereitschaft. Sein Fazit: »Sie haben sich um unseren heimischen Wald hohe Verdienste erworben, und ich bin überzeugt, dass man die Schneiderhöhn`schen Stempel in unserem Wald auch in 80 oder 100 Jahren noch erkennen kann.«

Weiterhin gute Betreuung gefordert

Auch Landrat Dr. Alfred Beth als Vorsitzender des Haubergsschöffenrats drückte sein Bedauern aus: »Wir werden ihren Rat vermissen.« Was die Forstreform angehe, so hoffe er, dass die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt würden. Allerdings könne man bei der Zusammenlegung von zwei Forstämtern nicht unbedingt erwarten, dass sich auch die Kosten halbierten. Kirchens Beigeordneter Willi Stahl, der für Bürgermeister Wolfgang Müller und die benachbarten Verwaltungschefs sprach, verwies auf den großen Verlust für die Gemeinde Kirchen. Die Schließung des Forstamts und der Wegzug von Schneiderhöhn wögen schwer. »Wir erwarten auch von der neuen Verwaltung, dass unsere Heimat weiter sorgfältig betreut wird«, sandte Stahl ein klares Zeichen Richtung Altenkirchen.

Für die Privatwald-Besitzer erinnerte Baron Friedrich von Hövel an die Verdienste von Schneiderhöhn beim Umbau des Waldes unter naturnahen Gesichtspunkten. Ähnlich wie Heinemann konnte auch er über ein sehr persönliches Erlebnis mit dem Forstdirektor berichten. Im Jahr 1990 habe man zu einer Diskussion bei einer guten Flasche Rotwein zusammen gesessen – »und draußen brach dann der Wald zusammen«.

Jahre in Kirchen eine »Glanzzeit«

Das Schlusswort blieb dem »Mann des Abends« vorbehalten, der sich in gewohnter Weise als Freund der eher leisen und sachlichen, wenngleich auch sehr klaren Töne präsentierte: »Die 15 Jahre in Kirchen waren mit Sicherheit die Glanzzeit meiner beruflichen Tätigkeit«, sagte Schneiderhöhn, der bis zur Pensionierung vermutlich nie wieder ein Forstamt leiten wird. Er sprach von einer »guten, erfüllten Zeit«, in der er Lokführer und Lok und in einem gewesen sei, um die forstwirtschaftlichen Ziele zu vermitteln und durchzusetzen. Nochmals ließ Schneiderhöhn die durch »Wiebke« verursachten Schäden und Folgen sowie die logistische Mammutaktion der Bodenschutzkalkungen Revue passieren. »Mit dem Sturm sind wir gekommen, mit dem Sturm nehmen wir Abschied«, sagte Schneiderhöhn mit Bezug auf den letzten »Sommer-Tornado«. Sein Abschiedsgruß an die Waldbesitzer: »Ich bin zufrieden, wenn sie zufrieden waren.«

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen