Die »Z-Bäume« genießen im Wald höchste Priorität

Diesjährige Exkursion des Kreiswaldbauvereins führte gestern in den Staatsforst bei Wehbach und ins Revier Farnschlade

thor Wehbach. Der weiße Ring am Stamm macht den Unterschied: Hier steht die Elite – groß, stark, wertvoll. Die Nachbarn müssen sich beugen. Der weiße Ring, das bedeutet »Z-Baum«. Und das »Z« steht dabei für Zukunft. Wie mit diesen Bäumen umgegangen wird, erfuhren gestern die Teilnehmer der diesjährigen Forstexkursion des Kreiswaldbauvereins im Staatsforst bei Wehbach. Unter der fachkundigen Leitung des Kirchener Forstamtsleiters Mario Schneiderhöhn wurden diverse Waldbilder und Durchforstungsmaßnahmen vorgestellt.

Egal ob im Laub- oder im Nadelwald, überall sind solche Bäume zu finden, die sich im Kampf um Nährstoffe und Licht gegen ihre Konkurrenten besser behaupten können. Sie dürfen sich der besonderen Aufmerksamkeit der Forstwirte gewiss sein, sind sie es doch, die bei einer späteren Ernte den größten Erlös versprechen. Dabei greifen Schneiderhöhn und seine Mitarbeiter erst relativ spät ein, um das optimale Wachstum zu fördern. Zunächst muss sich der potenzielle Zukunftsbaum gegen seine Nachbarn durchsetzen. Erst wenn sich am Stamm eine sechs bis acht Meter hohe astfreie Zone gebildet hat, sorgen die Forstleute durch Hauungen dafür, dass die Krone des »Auserwählten« genug Platz und damit Licht erhält.

In einem 43-jährigen Fichtenbestand, der seit 1989 regelmäßig durchforstet wird, stehen auf einem Hektar 78 »Z-Bäume«. Das sei eigentlich die Obergrenze, erläuterte der Forstamtsleiter, besser seien 60. Und bei Laubgehölzen – als Anschauungsobjekt diente ein prächtiger Roteichenbestand – dürften es ruhig noch deutlich weniger sein, weil hier die Qualität des Holzes eine größere Rolle spiele. Den Eichenwald hat man Mitte der 90er Jahre mit einem Buchenunterbau versehen.

Während bei einer natürlichen Verjüngung zunächst ein langsames Wachstum mit entsprechend engen Jahresringen zu beobachten sei, komme es auf Freiflächen darauf an, möglichst schnell möglichst große Bäume heranwachsen zu lassen, weil dies u.a. besser einer Fäulnis vorbeuge, erklärte Schneiderhöhn.

Der Chef des Kirchener Forstamts stellte in diesem Zusammenhang klar, dass man in seinem »Hoheitsgebiet« – auch aus wirtschaftlichen Gründen – nicht überall sofort und radikal den Umbau in einen naturnahen Mischwald voran treibt. Darin mag der wesentliche Unterschied zur Firmenpolitik eines Grafen Hatzfeldt liegen, der den Umbau wesentlich konsequenter verfolgt. Viele Waldbauern, allen voran Vorsitzender Otto Heinemann, halten aber vermutlich gerade deshalb große Stücke auf Schneiderhöhn, versteht es dieser doch, die modernen Erkenntnisse im Waldbau mit gewissen traditionellen Werten zu verbinden.

Aber natürlich konnte auch der Forstamtsleiter die laufende Umwandlung eines reinen Fichtenbestands in einen Mischwald zeigen. Im Halbschatten der Nadelbäume, aber auch auf Windwurf-Flächen, sind Buchen angebaut worden. Hier und da sind einige Weißtannen und Douglasien zu finden. Wer qualitativ hochwertiges Buchenholz erhalten wolle, so Schneiderhöhn, der sollte die Pflanzen möglichst eng setzen, damit es zur natürlichen Auslese komme.

Gefragt nach den besten Methoden und Maßnahmen, wollte und konnte Schneiderhöhn keine konkrete Antwort geben: »Mit Patentrezepten ist es nicht getan. Wir wollen nicht den Stein der Weisen finden.« Schließlich sei der Waldbau ein Zusammenspiel von unzähligen Faktoren, und auch die Natur selbst habe ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Statt Ideologie begrüßt der Forstamtsleiter eher Flexibilität in der Forstwirtschaft.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Hotel Bähner in Niederfischbach machten die Waldbauern am Nachmittag einen Abstecher ins Forstrevier Farnschlade. Dort wurde der »Generationenwechsel« (sowohl Natur- als auch Kunstverjüngung) in einem Fichten-Tannen-Buchen-Wald präsentiert.

Eines war bei der morgendlichen Wanderung, die bis nach Wallmenroth führte, aber noch aufgefallen: Wildzäune suchte man vergeblich. In der Tat können die Förster im Wehbacher Revier auf solchen Schutz verzichten. Bedingt durch die umliegende Besiedlung, das heißt wenig Zu- und Abwanderungsmöglichkeiten, und eine konsequente Bejagung befindet sich die Wilddichte auf einem historischen Tiefstand. Auf 400 Hektar, so erzählte Schneiderhöhn, würden im Jahr nur noch etwa 15 Rehe geschossen. Trotzdem müsse man »am Ball bleiben«, denn sehr schnell könnten die Populationen wieder zunehmen – und dann sei eine Naturverjüngung meist zum Scheitern verurteilt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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