Gemeinde Mudersbach will Lebenswerk würdigen
Dr. Rainer Pohl soll Ehrenbürger werden

Eigentlich war der Anlass der Feier „100 Jahre Ärztehaus in Mudersbach“. Aber viele Gäste waren gekommen, um vor allem Dr. Rainer Pohl (M.) persönlich zu seinem Lebenswerk zu gratulieren. Fotos: thor
3Bilder
  • Eigentlich war der Anlass der Feier „100 Jahre Ärztehaus in Mudersbach“. Aber viele Gäste waren gekommen, um vor allem Dr. Rainer Pohl (M.) persönlich zu seinem Lebenswerk zu gratulieren. Fotos: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Mudersbach. Es gibt salbungsvolle Worte und Blumensträuße, Urkunden und Wappenteller: So können sich Gemeinden und Städte in der Regel bei verdienten Mitbürgern für ihr gesellschaftliches oder ehrenamtliches Engagement bedanken. In wenigen Fällen, in ganz wenigen, reicht das aber nicht aus. Dr. Rainer Pohl ist so ein Fall.

Das weiß beileibe nicht nur Ortsbürgermeister Maik Köhler, und er weiß auch um die entsprechenden Mittel, um diesem Fall gerecht zu werden: In der ersten Sitzung nach der Wahl werde er dem neuen Rat vorschlagen, Rainer Pohl zum Ehrenbürger der Ortsgemeinde Mudersbach zu ernennen. Das kündigte Köhler – begleitet von Bravo-Rufen – am Mittwoch Abend in einer Feierstunde zum „100-Jährigen“ des Ärztehauses an der Poststraße an. Auch Dr. Walter Pohl wurde einst diese besondere Ehre zuteil. Und es wäre in der Tat ein handfester politischer Skandal, wenn sich an dieser Ernennung auch nur ansatzweise Kritik regen würde. 

Denn das Lebenswerk des Mediziners und seines Vaters wurde den Gästen im Garten der alten Direktorenvilla gleich mehrmals vor Augen geführt – auf den Tag genau 100 Jahre nachdem hier die erste Sprechstunde von Dr. Ludwig Brehm angeboten worden war.

Dass so viele gekommen waren, empfand Pohl selbst als Ehre und Anerkennung seiner Arbeit. Vor wenigen Tagen hatte der Allgemeinmediziner übrigens seinen 75. Geburtstag gefeiert. Im Schnelldurchlauf ließ er die 100 Jahre und die medizinische Entwicklung Revue passieren. Die Praxis in ihrer jetzigen Form sei sicher ein „Alleinstellungsmerkmal“. Ein besonderer Dank von Pohl ging an „seine Mädchen“, die ehemaligen und aktuellen Helferinnen: „Sie waren diejenigen, die die Praxis so groß haben werden lassen.“

„Heute ist ein besonderer Tag für Mudersbach und Brachbach“, sagte Bürgervereins-Vorsitzender Ulrich Merzhäuser. „Ich möchte herzlich danke sagen für das, was hier aufgestellt wurde.“ Das Ärztehaus, auf das man mächtig stolz sei, genieße weit über die Grenzen des Siegerlands hinaus einen sehr guten Ruf. „Hier ist der Patient keine Nummer. Hier wird nicht auf Schönheit und ein dickes Portemonnaie geachtet“, würdigte Merzhäuser die Bodenständigkeit und persönliche Atmosphäre. Der Vorsitzende überreichte Pohl ein Bild von Alois Stettner von 1947, das Mudersbach im Winter zeigt.

Dem Dank schloss sich Maik Köhler nahtlos an: Bundesweit gebe es Diskussionen über den Ärztemangel, dank Dr. Pohl sei man vor Ort aber hervorragend aufgestellt: „Sie haben frühzeitig erkannt, in welche Richtung es geht“, betonte der Ortsbürgermeister mit Blick auf die große Gemeinschaftspraxis und die verschiedenen Fachgebiete. Und ja, es stimme: Rainer Pohl habe für seine Diagnosen oftmals weder MRT noch Ultraschall gebraucht, sondern nur die eigenen Hände. Stolz sei man in Mudersbach ebenso darauf, dass der Arzt immer seiner Heimat getreu geblieben sei, obwohl er ganz andere Möglichkeiten gehabt habe. Köhlers Glückwunsch ging darüber hinaus an all jene, die in der Praxis gearbeitet haben und es immer noch tun.

Auch Brachbachs Ortsbürgermeister Steffen Kappes konnte sicht nur für die Weitsicht des Mediziners bedanken. Die Praxis sei immer auch eine Anlaufstelle für Brachbacher gewesen. Abseits der großen Städte handele es sich hier sicherlich um ein einzigartiges Angebot, meinte Kappes. Das sei schon eine „ausgewachsene Nummer“ und mehr als nur die medizinische Grundversorgung. Die Ehrenbürgerschaft könne er nur unterstützen: „In Brachbach muss man sich dafür schon einen Eiskanal hinunter stürzen.“

Wie bestellt, flog anschließend „Christoph 25“ über das Ärztehaus, offensichtlich wegen eines Notfalls einen Landeplatz in Mudersbach suchend. Dass Mediziner eingeflogen werden müssen, dürfte in der Gemeinde aber auch weiterhin die absolute Ausnahme bleiben.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.