40 Corona-Betten im Kirchener Krankenhaus
Drive-In-Fieberambulanz läuft

Gestern hat die Fieberambulanz in Kirchen ihre Arbeit aufgenommen: Auf dem Parkdeck an der Lindenstraße werden Patienten in einem Drive-In auf das Coronavirus getestet – allerdings nur, wenn sie neben Symptomen auch ein besonderes Infektionsrisiko vorweisen können.  Fotos: damo
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  • Gestern hat die Fieberambulanz in Kirchen ihre Arbeit aufgenommen: Auf dem Parkdeck an der Lindenstraße werden Patienten in einem Drive-In auf das Coronavirus getestet – allerdings nur, wenn sie neben Symptomen auch ein besonderes Infektionsrisiko vorweisen können. Fotos: damo
  • hochgeladen von Daniel Montanus (Redakteur)

damo Kirchen. Seit Freitag gibt es auch im Oberkreis eine Fieberambulanz: Das Corona-Diagnose-Zentrum auf dem Parkdeck an der Kirchener Lindenstraße hat seine Arbeit aufgenommen. Und für Dr. Gerald Hensel und seine Mitstreiter gab’s schon am ersten Tag genug zu tun: Etwa 60 Fahrzeuge haben am ersten Tag die Drive-In-Fieberambulanz angesteuert.

Allerdings wurden auch in Kirchen – wie schon am Tag zuvor in der Kreisstadt – längst nicht alle getestet, die wegen eines Abstrichs erschienen waren: Die diagnostische Ambulanz arbeitet nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts. Und so wird nur der getestet, der neben Symptomen auch ein Infektionsrisiko ins Feld führen kann, also entweder Kontakt mit einem Infizierten hatte oder aber in einem Risikogebiet war. Mit anderen Worten: Schnupfen oder Fieber allein ziehen kaum einen Abstrich nach sich.

Diese Restriktionen sind nötig, um die begrenzten Laborkapazitäten nicht unnötig in Anspruch zu nehmen. Schon jetzt dauert es laut dem Kaufmännischen Direktor des DRK-Krankenhauses, Nicki Billig, oft bis zu 72 Stunden, bis ein Testergebnis vorliegt. Und es ist eine Selbstverständlichkeit, dass jeder unnötige Test die Labore zusätzlich unter Druck setzt.

Ergo ist es am Ärztlichen Direktor des Kirchener Krankenhauses, Dr. Hensel, im Gespräch mit dem Patienten auszuloten, ob nun ein Abstrich ins Labor geschickt wird oder nicht. Diese Anamnese geschieht durchs geöffnete Seitenfenster, niemand muss (und darf) das Auto verlassen. Und falls ein Abstrich genommen wird, bleibt der Patient auch dazu im Auto.

In 22 Fällen hat das Team der Ambulanz am Freitag einen Test durchgeführt; die übrigen Patienten wurden wieder weggeschickt. Aber selbst das hat einen Nutzen – auch wenn es wohlgemerkt keineswegs die vorrangige Intention der Fieberambulanzen sein kann und darf: „Wenn ich den Patienten begründet vermitteln kann, dass eine Corona-Infektion nicht sehr wahrscheinlich ist, fahren sie beruhigt nach Hause“, erklärt Dr. Hensel.

Warum sich das Krankenhaus entschieden hat, mit Dr. Hensel einen erfahrenen Mediziner für die Arbeit in der Fieberambulanz abzustellen, liegt nahe: Er kann verlässlich einschätzen, ob eine stationäre Behandlung nötig ist – schließlich ist ja auch der Fall denkbar, dass einer derer, die die Fieberambulanz aufsuchen, eine Covid-19-Infektion mit einem schwereren Verlauf durchleidet. Und natürlich ist in einem solchen Fall die Nähe zum Krankenhaus von großem Vorteil, wie Landrat Dr. Peter Enders betont.

Dort ist man für die Aufnahme von Covid-19-Patienten längst gerüstet, stellt Dr. Hensel klar. So habe das DRK-Krankenhaus mit internen Umstrukturierungen einen Intensivbereich geschaffen, in dem bis zu zehn Patienten versorgt werden können, die auf künstliche Beatmung angewiesen sind.

Darüber hinaus gibt es weitere 30 Betten für Infizierte, die zwar stationär behandelt werden, aber nicht beatmet werden müssen. „Wir sind da ziemlich vorausgeeilt“, lautet Dr. Hensels Einschätzung, „jetzt hoffen wir natürlich, dass die Kapazitäten nicht gebraucht werden“. Erfreuliche Nachricht: Freitag Nachmittag waren alle 40 Betten, die für Covid-19-Patienten geblockt worden sind, noch frei.

Ob das so bleibt, wird maßgeblich auch davon abhängen, wie verantwortungsvoll die Menschen mit dem Thema Infektionsschutz umgehen. Natürlich hat auch das Kirchener Krankenhaus die Regeln mittlerweile verschärft: So sind Patientenbesuche nur noch in absoluten Ausnahmefällen möglich – etwa bei Sterbenden, Hospizpatienten oder kleinen Kindern.

„Die Pforte ist zu“, verdeutlichte Billig – und kam auf eine ziemliche Unsitte zu sprechen: Offenbar haben einige Patienten zuletzt die Besuchssperre unterlaufen, indem sie sich telefonisch mit Angehörigen verabredet und draußen getroffen haben. Dass das nicht im Sinne des Infektionsschutzes ist, bedarf keiner Erklärung.

Betreiber der Fieberambulanz ist übrigens die Kassenärztliche Vereinigung – dass die Einrichtung in Kirchen de facto von einem anderen Akteur im Gesundheitssystem, dem Krankenhaus, durchgeführt wird, darf man durchaus als Hilfsleitung der Klinik begreifen. Grund genug für den Landrat, das Engagement der Kirchener zu loben.

Zumal von dem Diagnose-Zentrum nicht nur mögliche Covid-19-Patienten profitieren, sondern auch die niedergelassenen Ärzte: Sie werden davon befreit, in ihren Praxen Patienten auf das Coronavirus testen zu müssen – was allein schon aus logistischen Gründen in den Praxisräumen kaum zu bewerkstelligen wäre.

Eingebunden in die Arbeit der Fieberambulanz sind übrigens auch freiwillige Helfer: So sorgen zum Beispiel Feuerwehrleute für eine geregelte Zufahrt ins Parkdeck – was bislang aber erfreulicherweise noch keine größere Herausforderung war: Warteschlangen gab’s nicht, und die, die getestet werden wollten, haben mit der gebotenen Disziplin auf die Spielregeln reagiert.

Die Kirchener Fieberambulanz ist an den Werktagen von 10 bis 15 Uhr geöffnet; da der Test finanziert werden muss, müssen die Patienten ihre Krankenkassenkarte mitbringen. 

Die beiden Fieberambulanzen leisten nur die Diagnose – und daher wird es wohl schon bald zwei weitere Ambulanzen geben: Im Laufe der kommenden Woche sollen wahrscheinlich zwei Corona-Ambulanzen im Kreis eingerichtet werden. Das berichtete Landrat Dr. Peter Enders mit Verweis auf eine entsprechende Vorgabe der Kassenärztlichen Vereinigung. Die therapeutischen Zentren sollen der Behandlung all derer dienen, die zwar nicht stationär versorgt werden müssen, aber dennoch therapeutische Hilfe benötigen. Die Standorte sind noch offen; denkbar seien zum Beispiel Schulgebäude.

Gestern hat die Fieberambulanz in Kirchen ihre Arbeit aufgenommen: Auf dem Parkdeck an der Lindenstraße werden Patienten in einem Drive-In auf das Coronavirus getestet – allerdings nur, wenn sie neben Symptomen auch ein besonderes Infektionsrisiko vorweisen können.  Fotos: damo
Die Schilder am Parkdeck an der Lindenstraße sprechen eine klare Sprache.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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