SZ

Verstärkung für den Kreißsaal
DRK-Krankenhaus bildet erstmals selbst Hebammen aus

Alle vier sind glücklich: Michaela Meinhardt (l.) und Sandra Langenbach (r.) über die Verstärkung, Daniela Kringe (2.v.l.) und Klara Krumm über ihren Ausbildungsplatz als Hebamme.
  • Alle vier sind glücklich: Michaela Meinhardt (l.) und Sandra Langenbach (r.) über die Verstärkung, Daniela Kringe (2.v.l.) und Klara Krumm über ihren Ausbildungsplatz als Hebamme.
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damo Kirchen. In Deutschland werden bereits Kreißsäle geschlossen, weil die Hauptperson – mal abgesehen von der werdenden Mutter – fehlt: „Hebammen werden händeringend gesucht“, berichtet Michaela Meinhardt, Pflegedirektorin im Kirchener Krankenhaus. Ihre Kollegin Sandra Langenbach pflichtet ihr bei: „Es gibt derzeit nicht genug Hebammen“, sagt die Leitende Hebamme. Und sie kennt auch die Gründe: Zwar mag es wunderschön sein, einem Säugling bei seinem Start in die Welt zur Seite zu stehen – aber die überschaubare Bezahlung und die hohe Arbeitsbelastung sorgen laut Langenbach dafür, dass viele Hebammen dem Kreißsaal schon nach wenigen Berufsjahren den Rücken kehren.

damo Kirchen. In Deutschland werden bereits Kreißsäle geschlossen, weil die Hauptperson – mal abgesehen von der werdenden Mutter – fehlt: „Hebammen werden händeringend gesucht“, berichtet Michaela Meinhardt, Pflegedirektorin im Kirchener Krankenhaus. Ihre Kollegin Sandra Langenbach pflichtet ihr bei: „Es gibt derzeit nicht genug Hebammen“, sagt die Leitende Hebamme. Und sie kennt auch die Gründe: Zwar mag es wunderschön sein, einem Säugling bei seinem Start in die Welt zur Seite zu stehen – aber die überschaubare Bezahlung und die hohe Arbeitsbelastung sorgen laut Langenbach dafür, dass viele Hebammen dem Kreißsaal schon nach wenigen Berufsjahren den Rücken kehren. Und bei freien Hebammen kommt der Kampf mit der Versicherung dazu: Schon mehr als einmal hat die SZ über die horrenden Haftpflicht-Prämien berichtet, die Geburtshelferinnen zahlen müssen – es fehlt nicht mehr viel bis zur Fünfstelligkeit.

All diese Faktoren bleiben nicht ohne Konsequenzen, und so suchen die Geburtsstationen oft vergebens nach Verstärkung. Und das gilt auch für das Kirchener Krankenhaus. „Wir mussten uns etwas einfallen lassen“, skizziert Meinhardt die Ausgangslage. Gesagt, getan: Statt zu lamentieren hat das Krankenhaus die Palette seiner Ausbildungsberufe erweitert. Anfang August haben die ersten beiden Hebammen-Auszubildenden ihre Lehre in Kirchen begonnen.

Für Klara Krumm aus Weitefeld und Daniela Kringe aus Würgendorf geht ein Traum in Erfüllung: Beide erklären unisono, dass Hebamme schon immer ihr Wunschberuf gewesen sei. „Ich wollte schon immer Hebamme werden“, sagt die 24-jährige Klara Krumm. Wie auch ihre 42-jährige Mitstreiterin kennt sie das Kirchener Krankenhaus aus dem Effeff: Beide haben schon eine Ausbildung und einige Berufsjahre als (Kinder-)Krankenschwester hinter sich. Und doch haben sie nicht lange gezögert, sich auf die Stellenausschreibung zu bewerben: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Krumm. Ihre Bewerbungsmappen waren beileibe nicht die einzigen, die auf Michaela Meinhardts Tisch gelandet sind: „Wir hatten 30 Bewerbungen aus ganz Deutschland. Da waren welche aus Berlin, Chemnitz und Kiel dabei.“ Das dürfte auch daran liegen, dass eine Festanstellung im Krankenhaus für Hebammen einige Vorteile hat: „Wir arbeiten mit Dientplänen“, sagt Sandra Langenbach – die Arbeitszeiten sind also lange nicht so unkalkulierbar wie bei Freiberuflerinnen. Zudem entfallen die sündhaft teuren Haftpflichtprämien.

Die Perspektive für die beiden Auszubildenden ist sehr gut. Wir bilden für unser Haus aus.
Michaela Meinhardt
Pflegedirektorin

Allerdings haben diese Vorzüge auch ihren Preis: Im Krankenhaus kann eine Hebamme nie ihr gesamtes Tätigkeitsspektrum ausleben – denn dort ist sie nur für die Begleitung der Geburten zuständig, nicht aber für Geburtsvorbereitungskurse, Wochenbettbetreuung oder Rückbildungsgymnastik.

Trotzdem lernen die beiden Auszubildenden auch diese Arbeiten kennen: Ihre Ausbildung umfasst neben viel Praxis im Krankenhaus und der Theorie im Bildungsinstitut Mittelrhein auch das sogenannte „Externat“, berichtet Langenbach: Die beiden Azubis werden im Rahmen ihrer dreijährigen Lehrzeit auch bei freiberuflichen Hebammen hospitieren, berichtet Langenbach.

Sie und Meinhardt setzen freilich darauf, dass die Vorzüge der Festanstellung am Ende der Lehrzeit mehr Gewicht haben: „Die Perspektive für die beiden Auszubildenden ist sehr gut. Wir bilden für unser Haus aus“, sagt Meinhardt. Geplant ist schon jetzt, auch im kommenden Jahr neue Auszubildende zu suchen und einzustellen. Wie es danach weitergeht, ist noch offen: Die Ausbildung zur Hebamme ist vor knapp zwei Jahren reformiert worden – Stichwort: Akademisierung. Noch bis Ende 2022 können sich angehende Hebammen für den klassischen Weg mit Ausbildungsbetrieb und Berufsschule entscheiden. Danach führt nur noch ein Bachelor-Titel in den Kreißsaal. Gut möglich, dass das Bildungsinstitut Mittelrhein darauf reagiert und seine Angebote anpasst, hofft Meinhardt. Noch sei das offen – ganz anders als die geplante Marschroute des DRK-Krankenhauses: „Wir wären gerne weiter dabei.“

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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