Dubiose Kaffeefahrt nach Friesenhagen jäh beendet

juli/sz Friesenhagen. Eine Kaffeefahrt in eine Gaststätte in Friesenhagen in dieser Woche endete jäh: Die Kirchener Ordnungsbehörde und die Polizei hatten Wind von der windigen Veranstaltung bekommen und sie aufgelöst. Das Unterbinden war laut Pressemitteilung der Verbandsgemeindeverwaltung möglich, weil der Veranstalter dieses „Wanderlager“, so heißt diese Art der Veranstaltung in der Behördensprache, nicht angemeldet habe. Das erklärte Alexander Grindel von der Ordnungsbehörde im Gespräch mit der Siegener Zeitung.

Offenbar hat es diese dubiosen Verkaufsveranstaltungen in Friesenhagen häufiger gegeben: Wie die Polizei auf Anfrage mitteilte, wurde Mitte Juli bekannt, dass in dem Dorf fast täglich Busse vorfuhren. Mitte dieser Woche erwischten die Beamten die Veranstalter dann in flagranti. „Bestens bekannte Methoden“ seien angewandt worden, heißt es in der Mitteilung von Bürgermeister Jens Stötzel. 34 Teilnehmer aus dem Rheinland, überwiegend Senioren, seien der Einladung zu dieser Fahrt gefolgt. Sie waren von einem Unternehmen aus Niedersachsen mit dem leeren Versprechen gelockt worden, dass ein hoher Gewinn ausgezahlt werde.

Nach der Ankunft in der Gaststätte mussten sich die Gäste „einer unseriösen Verkaufsveranstaltung“ unterziehen, heißt es aus dem Rathaus. Die Gruppe habe in einem Saal mit „immens hohen Temperaturen“ ausharren müssen. Für Kaufwillige hätten die Veranstalter bereits ein EC-Kartengerät bereit gehalten. Obwohl die Senioren sich auf einer „Kaffeefahrt“ befunden hätten, sei für jede Tasse Kaffee kassiert worden.

Gegen die Verantwortlichen läuft nun ein Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen gewerbe- und gaststättenrechtliche Bestimmungen. Grindel sagte im SZ-Gespräch, es sei üblich, dass diese Veranstaltungen nicht angemeldet würden, weil sie wenig Chancen hätten, genehmigt zu werden.

Er verwies auf eine Ausarbeitung des Lahn-Dill-Kreises zu diesem Thema. Der Titel: „Nepper, Schlepper, Bauernfänger! Informationen zu Kaffeefahrten und Verkaufsveranstaltungen“. Darin heißt es, Unternehmen, die zu solchen Fahrten einladen, verstoßen oft gegen eine ganze Reihe von Gesetzen: Gemäß der Gewerbeordnung muss eine solche Veranstaltung bei der zuständigen Behörde angemeldet werden, mit vollständigem Namen und Anschrift des veranstaltenden Unternehmens und unter Angabe der Ware, die verkauft werden soll. Gewinne, Geschenke und Verlosungen zu versprechen, sei verboten.Auch Verstöße gegen das Lebensmittelrecht seien bei diesen Fahrten häufig: Bei der Anpreisung von Lebensmitteln, zu denen auch Nahrungsergänzungsmittel zählten, die Heilung, Linderung oder Verhütung von Krankheiten versprächen, drohe ein Bußgeld von bis zu 20 000 Euro. In Einzelfällen werde auch gegen Strafrecht verstoßen, wenn es zu „strafbarer Werbung, Betrug, Nötigung und, soweit der Veranstaltungssaal abgesperrt wird, auch zu Freiheitsberaubung“ komme.Die Kirchener Ordnungsbehörde und die Polizei warnen davor, auf Gewinnversprechungen per Post einzugehen: „Niemand hat hohe Geldbeträge zu verschenken.“ Die Information des Lahn-Dill-Kreises schließt so: „In Kaffeefahrten-Einladungen stimmen nur drei Dinge: Abfahrtszeit, Abfahrtsort und das Postfach.“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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