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Waldwege in schlechtem Zustand
E-Bike-Tour endet im Krankenhaus

Waldwege haben gerade in der Corona-Pandemie an Beliebtheit zugelegt. Aber nicht immer sind sie einfach befahrbar.
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  • hochgeladen von Pascal Mlyniec (Redakteur)

damo Herkersdorf. Geplant war ein Besuch im Biergarten – geworden ist’s ein Gastspiel im Krankenhaus: Den 30. Mai werden Marlies und Manfred Haas so schnell nicht vergessen. Nach monatelangem Lockdown hatte ihr bevorzugtes Ausflugslokal wieder geöffnet, nach wochenlanger Abwesenheit hatte sich die Sonne durch die Wolken gekämpft – kurzum: Der letzte Sonntag im Mai hätte ein richtig guter werden können. Aber es kam alles ganz anders, und darüber ärgert sich Manfred Haas auch eine gute Woche später noch gewaltig.

„Wir fahren mit dem E-Bike gerne zum Steimel“, berichtet der Herkersdorfer. Kein Wunder, schließlich müssen die beiden 74-Jährigen nur das Gartentörchen öffnen, dann sind sie im Wald. Und nach kaum zehn Kilometern haben sie ihr Ziel erreicht.

damo Herkersdorf. Geplant war ein Besuch im Biergarten – geworden ist’s ein Gastspiel im Krankenhaus: Den 30. Mai werden Marlies und Manfred Haas so schnell nicht vergessen. Nach monatelangem Lockdown hatte ihr bevorzugtes Ausflugslokal wieder geöffnet, nach wochenlanger Abwesenheit hatte sich die Sonne durch die Wolken gekämpft – kurzum: Der letzte Sonntag im Mai hätte ein richtig guter werden können. Aber es kam alles ganz anders, und darüber ärgert sich Manfred Haas auch eine gute Woche später noch gewaltig.

„Wir fahren mit dem E-Bike gerne zum Steimel“, berichtet der Herkersdorfer. Kein Wunder, schließlich müssen die beiden 74-Jährigen nur das Gartentörchen öffnen, dann sind sie im Wald. Und nach kaum zehn Kilometern haben sie ihr Ziel erreicht. Diesmal aber sind sie nicht angekommen, denn auf halber Strecke ist Marlies Haas böse gestürzt.

Wunden müssen genäht werden

„Meiner Frau ist ein Radfahrer entgegengekommen, und da wollte sie auf die andere Seite des Waldwegs ausweichen“, berichtet Manfred Haas. Aber die 74-Jährige hatte die Rechnung ohne die tiefen Spurrillen auf dem Weg gemacht. Und so stürzte sie, zog sich eine tiefe Schnittwunde und eine große Schürfwunde am Arm zu. An eine Weiterfahrt war nicht zu denken, nicht einmal ans Umkehren: Per Handy informierte Manfred Haas seinen Sohn, der seine Mutter mit dem Auto mitten im Wald abholte und ins Krankenhaus brachte. Dort wurden die Wunden der 74-Jährigen genäht.

"Wenn Du da nicht aufpasst, liegst Du sofort auf der Nase."
Manfred Haas
Radfahrer

Dass Manfred Haas diesen Unfall nicht als Pech verbucht, sondern den Weg an die Öffentlichkeit sucht, ist schnell erklärt: Ihm ist der schlechte Zustand der Waldwege schon lange ein Dorn im Auge. Er spricht von „riesigen Schlaglöchern, die eine Gefahr für Spaziergänger und Radfahrer sind“. Und von zehn Zentimeter tiefen Spurrillen: „Wenn Du da nicht aufpasst, liegst Du sofort auf der Nase.“

Seit nunmehr anderthalb Jahren seien viele Waldwege nur noch schwerlich nutzbar – und das sei gerade in Zeiten der Pandemie, in denen es viele Menschen in die Natur ziehe, wirklich ärgerlich. Auch für die Tourismusförderung seien derart desolate Waldwege kaum förderlich. Adressat seiner Kritik sind die Waldbesitzer und die Firma Amprion: „Die sind ihrer Unterhaltungspflicht nicht nachgekommen. Da muss etwas passieren!“

Wenig Hoffnung auf Besserung

Die SZ hat beim Forstamt nachgefragt – und kann Manfred Haas und all den anderen, die sich topfebene Wege wünschen, nur wenig Hoffnung machen. Denn Frank Schneider, der als Technischer Produktionsleiter im Forstamt für die Holzernte zuständig ist, macht zweierlei deutlich: Zum einen, dass die Schäden schlichtweg unvermeidlich sind, zum anderen, dass vielen Waldbesitzern das Geld für die Instandsetzung fehlt.

Schneider bedauert den Unfall natürlich: „Das ist tragisch, wenn Menschen, die die Natur suchen, dort einen Schaden erleiden.“ Und er macht außerdem deutlich, dass auch das Forstamt den Zustand der Wege bedauert und sich andere Bedingungen wünschen würde.

Aber dass die Wege derzeit kaputtgefahren würden, lasse sich nicht vermeiden: Das großflächige Waldsterben führe zu vermehrten Holztransporten, und diese würden oft schon Wochen im Voraus terminiert – und dann werde gefahren, selbst wenn der Untergrund wegen massiver Regenfälle aufgeweicht sei und massive Spuren zurückblieben.

Waldbesitzer finanziell angeschlagen

Der schlechte Zustand der Wege wird nach Schneiders Einschätzung auch noch andauern: „Auf vielen liebgewordenen Wegen wird nicht viel an Reparatur möglich sein.“ Klar, etliche Hauptwege würden sicher ausgebessert – aber längst nicht alle. Denn trotz steigener Holzpreise für Verbraucher stünden viele Waldbesitzer nach den vergangenen drei Jahren der Dürre finanziell mit dem Rücken an der Wand. „Viele Waldbesitzer sind pleite, da ist die finanzielle Basis für die Pflege der Waldwege nicht mehr da.“
Schneider macht zudem im Gespräch mit der SZ deutlich, dass der „Wald kein öffentlicher Raum wie ein Spielplatz oder ein Friedhof ist: Wer den Wald nutzt, tut das auf eigene Gefahr“. Ein Rechtsanspruch auf gut gepflegte Waldwege bestehe also nicht.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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