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Grausame Tat nun vor Gericht
Eigene Mutter mit Messer und Beil getötet

Eine grausame Tat ereignete sich im August in Niederschelderhütte.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

thor Niederschelderhütte. Den ersten Einsatzkräften, die am Tatort eintreffen, bietet sich ein Bild des Grauens. Schon auf der Innentreppe des alten Hauses an der Adolfstraße in Niederschelderhütte ist überall Blut. In der ersten Etage liegt der leblose Körper einer Frau, die dutzende von Schlag-, Stich- und Schnittverletzungen aufweist. Die Notärztin aus dem Kreisklinikum Siegen sucht vergeblich nach einem Puls. Jede Hilfe kommt hier zu spät. Wenige Augenblicke später lässt sich der tatverdächtige Hausbewohner ohne jeden Widerstand festnehmen. Ist er es doch auch, der die Polizei gerufen hat. Manuel K. (Name geändert) soll an diesem Tag Anfang August 2020 seine eigene Mutter getötet haben. Seit Montag muss sich der inzwischen 38-Jährige vor der 3.

thor Niederschelderhütte. Den ersten Einsatzkräften, die am Tatort eintreffen, bietet sich ein Bild des Grauens. Schon auf der Innentreppe des alten Hauses an der Adolfstraße in Niederschelderhütte ist überall Blut. In der ersten Etage liegt der leblose Körper einer Frau, die dutzende von Schlag-, Stich- und Schnittverletzungen aufweist. Die Notärztin aus dem Kreisklinikum Siegen sucht vergeblich nach einem Puls. Jede Hilfe kommt hier zu spät. Wenige Augenblicke später lässt sich der tatverdächtige Hausbewohner ohne jeden Widerstand festnehmen. Ist er es doch auch, der die Polizei gerufen hat. Manuel K. (Name geändert) soll an diesem Tag Anfang August 2020 seine eigene Mutter getötet haben. Seit Montag muss sich der inzwischen 38-Jährige vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Koblenz verantworten. Die Anklage lautet auf Totschlag.

„Wie konnte es soweit kommen?“ Diese Frage des Vorsitzenden Richters Rainer Rühmann wird ein zentraler Punkt des Prozesses sein. Anders ausgedrückt: Was muss im Vorfeld alles passiert sein und welche familiären Abgründe gibt es, wenn man den Tod der Mutter bewusst herbeiführt? Erst seit Kurzem hatten beide wieder unter einem Dach gewohnt.

Selbst Stirn blutig geschlagen

An Staatsanwältin Teicher war es, den Verlauf des vermeintlichen Totschlags zu rekonstruieren: Schon vor der Tat sei es zwischen Manuel K. und seiner Mutter regelmäßig zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen. An diesem Morgen habe sie ihn zwischen 5 und 6 Uhr morgens geweckt, um weitere Arbeiten nach ihrem erfolgten Umzug zu erledigen. Der Angeklagte sei sehr aufgebracht gewesen. Als seine Mutter einen Arzttermin wahrnahm, habe er sich mit dem Absatz eines Damenschuhs selbst die Stirn blutig geschlagen, so Teicher. Es war dies offenbar nicht der erste Fall von Selbstverletzung.

Nach der Rückkehr der Mutter eskalierte dann die Situation. Als diese ihm den sofortigen Rauswurf aus dem Haus angedroht habe, sei Manuel K. zuerst mit den Fäusten auf sie losgegangen. Dann habe er einen Porzellanteller auf ihrem Kopf zertrümmert und anschließend zu einem Messer gegriffen, so die Staatsanwältin. Dabei handelte es sich um eines jener Messer mit rotem Griff, die in jedem zweiten Schelder Haushalt zu finden sein dürften, wurden sie doch von einer Bäckerei hundertfach als Zugabe beim Brötchenkauf verteilt. Als dann die Klinge abgebrochen sei, habe der Angeklagte mit einem alten Küchenbeil weiter auf sein Opfer eingestochen. Auch die Drosselvene sei dabei verletzt worden, sodass die Mutter letztlich verblutete (in Verbindung mit einem Schädel-Hirn-Trauma). Auf dem völlig durchtränkten T-Shirt der Frau entdeckten die Spurensicherer später noch den Abdruck eines Badelatschen, der eindeutig Manuel K. zugeordnet werden kann.

Vor Gericht geständig

Vor Gericht zeigte sich der Angeklagte schon mit seiner ersten Einlassung geständig: „Wenn ich es rückgängig machen könnte, würde ich es sofort tun. Ich bereute das zutiefst.“ Allerdings stellte sich Manuel K. auch selbst als Opfer dar, als er aus seiner Sicht das extrem schwierige Verhältnis zu seiner Mutter schilderte. „Skrupellos“ und „kaltherzig“ waren nur zwei Schlagwörter. Seine Mutter habe sich nie für seine Probleme interessiert, sondern ihn immer wieder gedemütigt, erzählte der 38-Jährige, der zugab, regelmäßig Amphetamine zu konsumieren. An jenem Tag im August sei er noch total fertig und erschöpft gewesen, doch das habe sie nicht interessiert: „Ohne dass ich nachgedacht habe, ist dann eines zum anderen gekommen, es ist irgendwie aus mir rausgeplatzt.“ Und nein, er habe zu keinem Zeitpunkt zuvor damit gedroht, seine Mutter umzubringen.

Trotz mehrfacher Nachfrage gab der Schelderhütter an, sich an die entscheidende Phase der Tat nicht erinnern zu können. Nach der Sache mit dem Teller habe einer Art Filmriss. Von Messer und Beil (das später wieder zurück in die Küche gebracht wurde) wisse er nichts mehr. Dabei wollte Rühmann festgehalten haben, dass die Tat mehrere Schritte und eine gewisse Abfolge aufweise.

Gutachter kamen auch zu Wort

Irgendwann sei ihm dann klar geworden, so Manuel K., dass etwas „ganz Schlimmes“ passiert sei. Der Tatverdächtige rief aber dann nicht nur seinen Vater und die Polizei an, sondern verschickte auch eine Whatsapp-Botschaft an seinen Bekanntenkreis mit einer entsprechenden Botschaft. Die Polizei empfing Manuel K. an der Tür selbst blutverschmiert, lediglich mit einer Shorts bekleidet und mit einer Schnittverletzung an der Hand. Er sei nicht aggressiv gewesen, sondern eher aufgeregt und verängstigt, berichtete die Notärztin. Bereits in Gewahrsam, nickte der Beschuldigte immer wieder ein. Diese Müdigkeit zog sich nach Angaben der Ermittler durch den ganzen Tag. Seine Begründung: „Es war alles nicht so ganz einfach für mich.“

Am ersten Prozesstag kamen auch schon Gutachter zu Wort: Rechtsmedizinerin Inga Duval, die die Obduktion der Getöteten vorgenommen hatte, berichtete von gleich mehreren Verletzungen, die jede für sich zum Tod hätte führen können. Gut zu erkennen sei auch der Wechsel des „Werkzeugs“ gewesen. Es sei im Nachhinein nur schwer zu sagen, ob die Frau bei sofortiger und optimaler Versorgung noch hätte gerettet werden können. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt, dann wird auch Gutachterin die Psyche von Manuel K. beleuchten.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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