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BUND-Exkursion am Siegwehr in Euteneuen
Ein Streit auf den Flossen der Lachse

Michael Wäschenbach (l.) und Dr. Uwe Koenzen (r.) hörten sich gegenseitig zu, kamen aber letztlich auf keinen gemeinsamen Nenner.
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  • Michael Wäschenbach (l.) und Dr. Uwe Koenzen (r.) hörten sich gegenseitig zu, kamen aber letztlich auf keinen gemeinsamen Nenner.
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thor Euteneuen. Beim großen Ziel sind sich eigentlich alle einig: Irgendwann soll ein und derselbe Lachs, der vorher den Kölner Dom gesehen hat, auch das Krönchen in Siegen erblicken. Wie das aber genau geschehen soll, darüber tobt seit Jahren ein erbitterter Streit um die Meinungshoheit. Die alles entscheidende Frage: Ist die Durchlässigkeit der Sieg auch mit einer Nutzung der Wasserkraft vereinbar oder müssen rigoros alle verbliebenen Wehre geschleift werden?

Kein Problem mit einer klaren Antwort hat der BUND: Geht es nach dem Umweltverband, verschwinden sämtliche Querbauwerke aus der Sieg. Das wurde am Freitag einmal mehr bei einer Exkursion in Euteneuen deutlich. Das dortige Wehr ist inzwischen überregional zu einem Symbol für den Zielkonflikt geworden.

thor Euteneuen. Beim großen Ziel sind sich eigentlich alle einig: Irgendwann soll ein und derselbe Lachs, der vorher den Kölner Dom gesehen hat, auch das Krönchen in Siegen erblicken. Wie das aber genau geschehen soll, darüber tobt seit Jahren ein erbitterter Streit um die Meinungshoheit. Die alles entscheidende Frage: Ist die Durchlässigkeit der Sieg auch mit einer Nutzung der Wasserkraft vereinbar oder müssen rigoros alle verbliebenen Wehre geschleift werden?

Kein Problem mit einer klaren Antwort hat der BUND: Geht es nach dem Umweltverband, verschwinden sämtliche Querbauwerke aus der Sieg. Das wurde am Freitag einmal mehr bei einer Exkursion in Euteneuen deutlich. Das dortige Wehr ist inzwischen überregional zu einem Symbol für den Zielkonflikt geworden. Die Exkursion war der Auftakt der Naturschutztage der BUND-Landesverbände Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen, zu denen am Samstag in Hamm (Sieg) den Tag über Fachvorträge stattfinden. Das Ganze steht unter dem Motto „Lebensraum Sieg wiedergewinnen“. Vertreter der Wasserkraft wird man dort freilich nicht antreffen.

Zahlreiche Teilnehmer machten sich unter Leitung von Jürgen Lichte (Kreisgruppe Altenkirchen) vorab ein Bild von der Situation am traditionsreichen Industriestandort Euteneuen, darunter auch die rheinland-pfälzische BUND-Landesvorsitzende Sabine Jakob. Dass der Informationsaustausch keine eindimensionale Sache blieb, lag am Landtagsabgeordneten Michael Wäschenbach. Wenn man so will, wagte sich der CDU-Politiker in die „Höhle der Hechte“, hat er doch bekanntlich eine etwas andere Sicht auf die Dinge, gerade auch, was Euteneuen angeht.

„Wer im Umweltschutz etwas erreichen will, muss einen langen Atem haben“, sagte Lichte eingangs und verwies auf die Erfolge des BUND im AK-Land. So habe man ebenso eine Deponie auf dem Hasselichskopf verhindert wie ein Kohlekraftwerk bei Weitefeld. Anfangs sei man noch für die Wasserkraftnutzung gewesen, sei dann aber umgeschwenkt. Das Ziel seien lebendige Flüsse und keine Stillgewässer. „Und das ist hier ist kein lebendiges Wasser“, meinte der BUND-Aktivist mit Blick auf die Sieg oberhalb des heruntergefahrenen Wehres.

Viel Unterstützung kam von Dr. Uwe Koenzen aus Hilden, den der BUND um fachlichen Rat gebeten hatte. Seiner Einschätzung nach ist der verschlammte Grund des Flusses bei Euteneuen völlig untypisch für ein Fließgewässer, die Sohle stelle keinen Lebensraum mehr dar. Der Sieg fehle hier jegliche Energie und Dynamik. Dabei habe der Fluss großes Potenzial, dafür aber müsse das Wehr verschwinden.

Koenzen wollte nicht abstreiten, dass die Ist-Situation alles andere als ideal sei: „Man muss mehr tun als das, was man hier sieht.“ Aber langfristig könnte seiner Meinung nach auch der Auwald profitieren. So dürfte sich der momentane Erlen-Bruchwald in einen Hartholz-Auenwald umwandeln. Dass die Wasserkraft in Euteneuen wirtschaftlich Sinn macht, daran hegt der BUND-Ratgeber große Zweifel: Letztlich sei die Leistung mit der von zwei Kleinwagen zu vergleichen.

Michael Wäschenbach übte massive Kritik an der „einseitigen Darstellung einer Nicht-Regierungsorganisation“. Aber vor allem attackierte er die Landesregierung und die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord: „Es ist beschämend, dass einem Investor immer wieder neue Auflagen gemacht werden.“ Überhaupt spreche die Landesregierung „mit fünf Zungen“. Er vermisse die Ehrlichkeit, klar zu sagen, dass man an dieser Stelle keine Wasserkraft wolle. Für Wäschenbach ist dabei klar, dass in Euteneuen mit gutem Willen alle Interessen und Ziele miteinander vereinbar wären. Dem hielt Paul Kröfges (BUND NRW) entgegen, dass die Sieg als Gewässer zu bedeutend sei und man mit den Wehren nicht ihren ökologischen Zustand verbessern könne – das entscheidende Kriterium.

Wäschenbach aber ist und bleibt skeptisch, wie er später im Gespräch mit der SZ ausdrückte, gerade mit Blick auf den Auwald. „Wir haben es hier vermutlich mit verschiedenen Rechtsverstößen im deutschen und europäischen Umweltrecht zu tun.“ Er überlege, das Bundesumweltamt einzuschalten, so der Abgeordnete. Die nicht vorliegende Bewertung der SGD Nord, dass die Durchlässigkeit der Sieg über dem Schutz des Auwaldes stehe, sei rechtlich und politisch mehr als zweifelhaft. Wäschenbach kritisiert nicht nur, dass seine Anfragen im Landtag zum Thema immer nur verspätet und unvollständig beantwortet würden, sogar Fragen zu einer wissenschaftlichen Arbeit an der Uni Siegen würden einfach ignoriert.

So steht nach diesem Tag einmal mehr fest, dass die Situation an der Sieg weiterhin für alle Beteiligten höchst unbefriedigend bleibt, zumal ja auch noch Lösungen für alle anderen Wehre gefunden werden müssten. Dieser Streit – und da wird auch der BUND nicht widersprechen – wird ohne klare Vorgaben weiter nur auf den Flossen von Lachs und Co. ausgetragen.

Michael Wäschenbach (l.) und Dr. Uwe Koenzen (r.) hörten sich gegenseitig zu, kamen aber letztlich auf keinen gemeinsamen Nenner.
Zum Auftakt der Naturschutztage hatte der BUND am Freitag Nachmittag zu einer Exkursion in Euteneuen eingeladen. Dabei stand natürlich auch der Auwald auf dem Programm.  Fotos: thor
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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