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Der Deutsche Wetterdienst klärt auf (Video)
Ein Tornado über dem Siegerland?

Die Mudersbacherin Bettina Serra filmte den Böenkragen, der über das Siegerland zog und für Aufsehen sorgte.
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  • Die Mudersbacherin Bettina Serra filmte den Böenkragen, der über das Siegerland zog und für Aufsehen sorgte.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sarah Panthel (Redakteurin)

sp Mudersbach. Im ersten Moment sieht sie aus wie ein Tornado, die trichterförmige Wolke, die sich am Mittwochabend über dem Siegerland bildete und die Blicke auf sich zog. Mehrere Beobachter hielten dieses Wetterphänomen fest und veröffentlichten Bilder und Videos auf Facebook. Handelte es sich hier tatsächlich um eine Windhose? Auch Bettina Serra zückte gegen 21.15 Uhr ihr Handy und filmte das Geschehen. „Es war ganz merkwürdig“, sagt die Mudersbacherin. Erst sei es eine kleine Wolke gewesen, die immer größer geworden sei. „Dann wurde es immer stürmischer und dunkler und es gab plötzlich starken Regen.

sp Mudersbach. Im ersten Moment sieht sie aus wie ein Tornado, die trichterförmige Wolke, die sich am Mittwochabend über dem Siegerland bildete und die Blicke auf sich zog. Mehrere Beobachter hielten dieses Wetterphänomen fest und veröffentlichten Bilder und Videos auf Facebook. Handelte es sich hier tatsächlich um eine Windhose? Auch Bettina Serra zückte gegen 21.15 Uhr ihr Handy und filmte das Geschehen. „Es war ganz merkwürdig“, sagt die Mudersbacherin. Erst sei es eine kleine Wolke gewesen, die immer größer geworden sei. „Dann wurde es immer stürmischer und dunkler und es gab plötzlich starken Regen.“

Der Tornadobeauftrage des Deutschen Wetterdienstes, Andreas Friedrich, teilte auf Nachfrage der SZ mit, dass es sich mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht um einen Tornado gehandelt habe. Das, was die Siegerländer beobachten konnten, war ein Böenkragen, auch Böenwalze genannt, mit Sägezahnwolken (der Name ist beim Anblick dieser Gebilde selbsterklärend). „Die hängen wie Fetzen vom Himmel und werden häufig mit Tornados verwechselt“, erklärt Friedrich. Hätte es sich um einen Tornado gehandelt „dann würde da jetzt kein Baum mehr stehen“.

Sturmböen innerhalb von Sekunden

Entwarnung kann der Experte vom Deutschen Wetterdienst allerdings nicht geben. „Das ist auch gefährlich“, wenn eine solche Böenwalze über die Landschaft zieht. Friedrich bestätigt, was die hiesigen Augenzeugen berichtet hatten: „Erst ist es still, dann kommen innerhalb von Sekunden starke Sturmböen.“ Und die können Orkanstärke erreichen.

Wer ein solches Wetterphänomen sehe, „der sollte alles niet- und nagelfest machen, ins Haus gehen und sich in Sicherheit bringen“. Bäume und Dachziegel könnten umherfliegen, deshalb solle man sich auch nicht hinter einem Fenster aufhalten, warnt der Tornadobeauftrage.

Relativ häufiges Ereignis in Deutschland

Im Sommer entsteht dieses Böenkragen deutschlandweit mehrere hundert Male. Es handelt sich um die „Vorderseite“ einer großräumigen Gewitter- oder Regenfront. Kalte Luft sucht sich Schneisen und wird dann in kleinen Bereichen mit dem Niederschlag (Regen oder Hagel) nach unten gerissen. Der Unterschied zu einem Tornado ist, dass es sich um ein „geradliniges Windereignis“ handelt, die Luft wird nicht verwirbelt, sondern horizontal nach vorne gedrückt. Besonders gefährlich sind Täler, wie sie im Siegerland vorhanden sind: „Das sind Schneisen, die wie Düsen wirken, und den Wind noch stärker machen.“ Die Schäden seien dann oft enorm, ähnlich wie bei einem Tornado – die kommen jährlich in Deutschland übrigens etwa 20 bis 60 Mal vor.

Dass Windhosen und Böenwalzen aufgrund des Klimawandels häufiger vorkommen, kann Friedrich nicht bestätigen. Zugenommen hätten in den vergangenen 20 Jahren aber Starkregenereignisse.

Besonderes Ereignis 

Für den Hobby-Meteorologen Carsten Beyer von Meteo Siegerland (Netphen-Salchendorf) war dieses Schauspiel am Himmel im Übrigen ebenfalls neu. Auch er hielt das Ereignis auf Fotos fest. Er beriet sich mit anderen „Wetterfröschen“, um eine genauere Bestimmung abgeben zu können. Er hatte das Phänomen als Böenfront eingeordnet.

Die Mudersbacherin Bettina Serra filmte den Böenkragen, der über das Siegerland zog und für Aufsehen sorgte.
Carsten Beyer nahm das Wetterphänomen von Netphen-Salchendorf aus auf.
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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