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Neue Kita in Niederschelderhütte wird eine Million teurer
Eine alternativlose Kostenexplosion

Während die Ausschuss-Mitglieder über die Erweiterung der Kita „Sonnenschein“ diskutieren, gönnten sich die Eltern (vor allem Väter) ein Stockbrot, schließlich waren am Nachmittag fleißig Laternen gebastelt worden. Foto: thor
  • Während die Ausschuss-Mitglieder über die Erweiterung der Kita „Sonnenschein“ diskutieren, gönnten sich die Eltern (vor allem Väter) ein Stockbrot, schließlich waren am Nachmittag fleißig Laternen gebastelt worden. Foto: thor
  • hochgeladen von Thorsten Stahl (Redakteur)

thor Mudersbach. Es ist weder eine revolutionäre Erkenntnis noch eine gewagte Theorie: Kinder kosten Geld, und zwar richtig. Doch während Eltern gerade bei Teenagern über konstant schrumpfende Konten stöhnen, sind die Kommunen eher bei den Jüngsten die Zahlmeister. Diese Erfahrung macht derzeit die Ortsgemeinde Mudersbach: In den nächsten Jahren werden Millionen für die Kitas fällig. Und natürlich liegt der Schwerpunkt in Niederschelderhütte. Am Donnerstag Abend mussten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses in einer gemeinsamen Sitzung die Nachricht vernehmen, dass die Kosten für die neue kommunale Kita neben der Grundschule auf 3,86 Mill. Euro steigen werden – das ist eine Million über der ursprünglichen Schätzung.

thor Mudersbach. Es ist weder eine revolutionäre Erkenntnis noch eine gewagte Theorie: Kinder kosten Geld, und zwar richtig. Doch während Eltern gerade bei Teenagern über konstant schrumpfende Konten stöhnen, sind die Kommunen eher bei den Jüngsten die Zahlmeister. Diese Erfahrung macht derzeit die Ortsgemeinde Mudersbach: In den nächsten Jahren werden Millionen für die Kitas fällig. Und natürlich liegt der Schwerpunkt in Niederschelderhütte. Am Donnerstag Abend mussten die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses in einer gemeinsamen Sitzung die Nachricht vernehmen, dass die Kosten für die neue kommunale Kita neben der Grundschule auf 3,86 Mill. Euro steigen werden – das ist eine Million über der ursprünglichen Schätzung. Doch ein Aufschrei war im Bürgerhaus Birken nicht zu hören. Im Gegenteil: Durch die Bank wurde die neue Einrichtung als alternativlos bezeichnet.

Stephan Wagener vom Kreisjugendamt hatte den Ratsmitgliedern nochmals vor Augen geführt, was diese längst wussten. Die Beitragsfreiheit und die Nähe zum Oberzentrum Siegen führen zu einem Ausbaubedarf. Stand jetzt benötige die Ortsgemeinde drei Gruppen. Die beiden Kita-Leiterinnen Simone Becher (Birken) und Svenja Mockenhaupt (Mudersbach) erläuterten anschließend noch einmal in aller Deutlichkeit, dass freie Plätze absolute Mangelware sind. „Ich führe fast jede Woche ein Aufnahmegespräch. Ich komme mir schon vor wie eine Stewardess“, schilderte Becher die Situation und berichtete, dass es jüngst gar eine Anfrage aus Bremen gegeben habe. Der Ratschlag der Erzieherinnen: Die neue Kita sollte auf jeden Fall auch eine Krippe enthalten.

Erster Kommentar von Franz Bauschert (SPD): „Die Not ist groß, wir müssen etwas tun.“ Nun sei das eingetreten, was man immer gewünscht habe: Zuzug und viele Kinder. „Da kommen wir nicht dran vorbei“, sagte er zu dem Projekt.

An Architekt Achim Stinner war es, die schlechte Botschaft zu überbringen. Nunmehr stehen also 3,86 Mill. Euro im Raum – bei einer Förderung von gerade mal 550 000 Euro durch Land und Kreis. Allerdings deutete Wagener an, dass sich der Kreisanteil eventuell von 250 000 Euro auf 375 000 Euro erhöhen ließe. Die hohen Kosten seien u. a. der schwierigen Topographie geschuldet, sagte Stinner. Allein für das Abfahren des Erdreichs für die Baugrube kalkuliere man mit rund 500 Lkw-Fahrten. Immerhin: Alles sei so konzipiert, dass eine Erweiterung mit „geringstmöglichem“ Aufwand erfolgen könnte. Wie berichtet, sieht der Entwurf eine Aufstockung auf bis zu sechs Gruppen vor. Eine spätere Erweiterung würde übrigens vergleichsweise günstig ausfallen, allerdings gäbe es zum jetzigen Zeitpunkt keine Fördermittel, weil schlicht (noch) keine Notwendigkeit besteht.

Und erneut meldete sich Bauschert zu Wort: „Das ist doch der goldene Wurf.“ Für den Beigeordneten Bernhard Steiner war klar: „Es brennt unter dem Deckel. Die Eltern erwarten von uns eine Entscheidung.“ Auch Christian Peter (SPD) befand: „Es gibt jetzt nichts mehr daran zu rütteln.“

Etwas differenzierter wurde die Sache von Markus Köhler (CDU) bewertet: Die Flexibilität sei sehr wichtig, auch das Grundstück sei ideal. Leicht schockiert sei er aber angesichts des hohen Eigenanteils der Ortsgemeinde. „Das Land macht es sich zu einfach“, beklagte Köhler die fehlende Unterstützung. Hinzu komme, dass Bundesmittel nicht an die Kommunen weitergegeben würden.

Jens Stötzel von der gleichnamigen Wählergruppe wollte den Blick nicht nur auf Niederschelderhütte gerichtet sehen, sondern die „Kita-Landschaft in Gänze auf den Prüfstand stellen“. Seine Prognose: „Wir werden weitere Bedarfe bekommen.“ Zudem sollte noch einmal dringend mit der kath. Kirche gesprochen werden. Die Wählergruppe stehe zum Kita-Neubau, erwarte dann aber parallel angesichts der schwierigen Haushaltslage der Ortsgemeinde einen Finanzierungsvorschlag. Aber auch Matthias Mengel machte nochmals deutlich, dass man Niederschelderhütte eigentlich schon jetzt lieber größer umsetzen würde.

Ortsbürgermeister Maik Köhler fasste die Diskussion zusammen: „Alle Fakten sprechen dafür, es jetzt zu tun.“ Da die Fraktionen noch abschließend alle Mitglieder informieren wollen, soll der Grundsatzbeschluss für den Neubau Anfang November getroffen werden.

Begonnen hatte die Sitzung mit einem Ortstermin in der Kita „Sonnenschein“ in Mudersbach. Dort fehlen ein Personal- und ein Schlafraum. Geplant ist nun, zwei weitere Module im hinteren Bereich anzubauen und dafür den Schuppen zu entfernen. Die Verwaltung will nun die Kosten ermitteln, Zuschüsse wurden von Wagener bereits in Aussicht gestellt.

Zuerst hatte sich die SPD-Fraktion mit dem Thema beschäftigt und einen Antrag formuliert. Später hatte die Wählergruppe Stötzel mit einem nahezu identischen Vorstoß nachgezogen. Franz Bauschert machte seinem Ärger über das „Plagiat“ Luft und wollte von Stötzel wissen, ob man künftig immer mit zwei Anträgen zu rechnen habe. Das grenze fast schon Kinderei und habe mit einer guten Zusammenarbeit nichts zu tun.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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