Eine Wanderschaft mit Happy-End

Öko-Projekt der Caritas und BUND helfen 20000 Erdkröten über die Straße

rai Herkersdorf. Das Letzte, was »Bufo bufo« in seinem Leben häufig sieht ist das Profil eines Autoreifens: Damit die Erdkröte, deren wissenschaftliche Bezeichnung »Bufo bufo« ist, bei ihrer Wanderschaft zu den Laichgewässern nicht im Straßenverkehr platt gefahren wird, werden vielerorts Fangzäune und –kübel aufgebaut, beispielsweise gestern im Imhäusertälchen. Frühnebel lag noch in der Luft und der nächtliche Frost war auch noch nicht gewichen, als sieben Mitarbeiter des Öko-Projektes der Caritas, mit Warnbarken geschützt, sich entlang der Straße zwischen Herkersdorf und Alsdorf daran begaben, die Schutzvorrichtung im Erdreich zu installieren.

Mindestens zwei Tage, so schätzte die anleitende Sozialpädagogin Iris Oxe, werden erforderlich sein, bis beiderseits der Straße die 1000 Meter Fangzaun gezogen und etliche Eimer im Erdreich eingelassen sind. Die niedrigen Temperaturen ließen die Finger bereits nach kurzer Zeit kalt und steif werden. Der nächtliche Frost indessen war ein Indiz dafür, dass »Bufo bufo«, häufig auch als Explosivlaicher bezeichnet, noch nicht auf Wanderschaft zu den Laichgewässern aufgebrochen war.

Mit dem Beginn der kälteren Jahreszeit hatten sich die Amphibien in ihren Winterquartiere in Laub- und Mischwäldern eingegraben. Dort verharrt »Bufo bufo« unbeweglich in einer so genannten Winterstarre, um sich ab Mitte März und ab Temperaturen von 5 Grad aufwärts ohne Nahrungsaufnahme direkt auf Wanderschaft zu den Laichplätzen zu begeben. Diese liegen ungefähr 1000 Meter vom Winterquartier entfernt – und werden oftmals von Straßen zerschnitten.

Die provisorischen Fangzäune bieten hier einen relativ kostengünstigen Schutz. Allerdings müssen die Fangkübel zweimal täglich kontrolliert werden. Das koordiniert im Imhäusertälchen die BUND Ortsgruppe Betzdorf/Kirchen mit zahlreichen freiwilligen Helfern, berichtete der Biologe Dr. Frank Wörner vom Öko-Projekt im Gespräch mit der SZ. Dabei werden die Kröten nicht nur über die Straße getragen. Die Populationsstärke wird gleich mit registriert. Schon seit rund zehn Jahren übernehmen die »Ökos« das arbeitsintensive Aufbauen der Fangvorrichtungen, und auch diesmal werden sie sich wieder an den regelmäßigen Kontrollen beteiligen. Auch bei der Rückkehr vom Laichgewässer schützt der Fangzaun die Tiere. Häufig landen die Amphibien »Huckepack« in den Eimern. Denn bereits bei der Wanderschaft im März beginnt die Paarung und das deutlich größere Weibchen trägt das Männchen. Sicher im Laichgewässer angekommen verbleiben die Tiere dort einige Tage, wobei Licht und Wassertemperatur beim Weibchen die Ovulation, also die Empfängnis, auslösen.

Das Weibchen verlässt das Gewässer sofort nach dem Laichen, das Männchen meist erst einige Tage später. Dabei suchen die Erdkröten die Sommerquartiere, gleichzeitig Jagdgebiete, auf. Dort bleiben die Amphibien solange untätig, bis ab Mitte April die Temperaturen auf über 11 Grad ansteigen und sie mit der nächtlichen Jagd auf verschiedene Kleintiere beginnen.

Mit dem Beginn der kühleren Jahreszeit bis spätestens November suchen sie mit angefressenem Fettpolster wieder die Winterquartiere auf. Aus der Statistik geht hervor, dass die Erdkröten-Population im Imhäusertälchen stabil ist. Seit dem Jahre 1994 wurden 21225 Laichwanderer und 18375 Rückwanderer in den Eimern gezählt und sicher über die Straße gebracht.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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