Einmal in »Lassie’s« Fußstapfen treten

In Niederfischbach fand ein Hundecasting statt/Was muss ein Vierbeiner beim Film können?

rai Niederfischbach. »Das ist ja ein Engel«, geriet Tierpsychologin Susanne Netenjakob am Sonntag auf dem Edeka-Parkplatz in Niederfischbach ins Schwärmen. Der Engel, der gemeint war, war die dreijährige Sheltie-Dame »Angie«, eines von 20 Tieren, die sich bei einem Hundecasting mit ihren Haltern mit den Drehbedingungen am Set vertraut machten. »Das ist ja brillant, wenn man dem Tier sogar etwas in die Schnute geben kann«, freute sich Susanne Netenjakob über den ersten Eindruck. Gerade hatte Katja Katzwinkel (Bergisch Gladbach) ihrer »Angie« u.a. eine blaue Metalldose mit Bügel zum Halten gegeben – eines von zahlreichen Paradebeispielen, die das sechsbeinige Duo par excellence vorführte.

Wahrscheinlich wäre der Sheltie stundenlang so sitzen geblieben. Dafür war beim Casting natürlich keine Zeit. Fünf Minuten standen Hund und Mensch zur Verfügung, um Können und Talent vorzustellen. Männchen machen und Rolle seitwärts oder zwischen den Beinen des Hundehalters Slalom laufen – das war Standard. Schwieriger waren da schon Kunststücke wie das Öffnen einer Schublade – hierfür war ein Tuch am Griff befestigt – und zudem noch einen Gegenstand heraus holen.

Mit wachsamen Augen beobachtete Susanne Netenjakob die Übungen, notierte und beobachtete dabei auch das Zusammenspiel von Hund und Mensch. Erfahrungen am Set hat die aus Siegen stammende Hundetrainerin bereits selbst gesammelt, wie sie im Gespräch mit der SZ erzählte. Bei einem ZDF-Spielfilm war sie mit einem Hund bei den Dreharbeiten vertreten. Auch bei Produktionen wie »Switch«, die »Wochenshow« und »Danke Anke« war sie mit Vierbeinern im Einsatz. Ein besonderes Erlebnis sei die Livesendung »Mitternachtsspitzen« mit zwei Hunden gewesen, so Susanne Netenjakob.

Einkaufswagen statt Kamera

Im zweiten Teil des Castings wurden für die angehenden Stars und Sternchen auf vier Pfoten jene Szenen nachgestellt, wie sie auch am Drehort vorkommen, wobei jetzt etwas improvisiert wurde. Als Kamera rollte dann beispielsweise ein Einkaufswagen auf den Hund zu – der Hundehalter stand abseits. Und als Tonangel – das ist ein Mikro mit langem Haltegriff – diente eine Farbrolle am Stiel. Die wurde langsam von oben auf den Hund herab gelassen.

Ideal war es, wenn ein Hund möglichst gar nicht auf diese Ereignisse reagierte. Das galt auch für die Situation, in denen ein für das Tier fremder Mensch eine Decke über Körper und Kopf legte. So sollten der Nerventyp und die Charaktereigenschaften der Tiere beurteilt werden. Und vom kleinsten Hund, einem Chihuahua, über Mischlinge bis zum Schäferhund absolvierten sie allesamt brav ihre Übungen – mit mehr oder wenig viel Ruhe und Konzentration.

Mit die geduldigsten Hunde waren »Angie« und ihre sechsjährige Mutter »Kim«. »Das liegt nicht nur am Hund selbst, sondern die Besitzerin hat eine Antenne zu den Tieren und kann ihre Ruhe auf die Hunde übertragen«, zeigte sich Susanne Netenjakob beeindruckt. Vor dem Casting hatte die Tierpsychologin beim Workshop Schauspieltraining unter dem Obertitel »Filmdoging« den Teilnehmern u.a. vermittelt, wie am Set gearbeitet wird und was der Regisseur will. Es sei zwar schön, wenn ein Hund bei der Aufforderung »gib Laut« entsprechend reagiere. Aber am Drehort müsse das z.B. per Handzeichen und auf eine Distanz von bis zu 10 Metern geschehen, gewährte Susanne Netenjakob einen Einblick in den Drehalltag. Das »Filmdoging« sei ein völlig neues Hobby für Hundefreunde und solle vor allem auch alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für die Hunde eröffnen. »Es geht darum, gelangweilte Hunde zu beschäftigen«, sagte Susanne Netenjakob, wobei als Belohnung ein Dreheinsatz winken kann.

Was motivierte die Hundebesitzer für eine Teilnahme am Workshop? Es gehe ihr nicht darum, dass ihr sechsjähriger »Murphy« der Rasse Whippet in Film oder Werbung zu sehen sei, antwortete Jutta Bender (Pracht). Andere Leute und deren Hunde treffen, Spaß an der Freude und Abwechslung, das verbinde sie in erster Linie mit dem Workshop – und so oder ähnlich äußerten sich auch weitere Teilnehmer. Und vielleicht sieht man ja den einen oder anderen Hund, der jetzt beim Casting in Niederfischbach vertreten war, doch irgendwann auf dem Bildschirm wieder.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de komplett überarbeitet.
3 Bilder

Optimiertes Stellenanzeigen-Portal
Mit 57jobs.de einen neuen Job finden

Neues Design und neue Angebote für Unternehmen, aber bewährte Technik: Die Vorländer Mediengruppe hat ihr Stellenanzeigen-Portal 57jobs.de einem Relaunch unterzogen, der sowohl die Suche nach einem neuen Job als auch die Suche nach neuen Fachkräften noch einfacher gestaltet. Auf dem Portal der Siegener Zeitung und des Wochenanzeigers finden sich unter den ständig 10.000 Jobangeboten aus Siegerland, Wittgenstein sowie den Kreisen Olpe und Altenkirchen auch sämtliche Anzeigen aus den...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen