Endet der Radweg in »Klein-Tirol«?

Anders ausgedrückt: Was passiert hinter Hohenhain?/Besuch von CDU-Landeschef Böhr

thor Niederfischbach. Nur noch wenige Monate, dann wird der inzwischen zur regionalen Berühmtheit avancierte Radweg zwischen Kirchen und Niederfischbach erneut an einer Landesgrenze enden. Die Freudenberger jedenfalls stehen Vermessungsstab bei Fuß und wollen dafür sorgen, dass das »touristische Highlight« auf NRW-Seite seine Fortsetzung erfährt (die SZ berichtete mehrfach). Anschließend wird der Ball wieder den Rheinland-Pfälzern zurück gespielt.

Einige Meter hinter dem alten Bahn-Tunnel in Hohenhain beginnt wieder RLP-Hoheitsgebiet – und diese Bezeichnung trifft die Sache fast auf den Kopf. Denn Eigentümer der still gelegten Bahntrasse ist ab hier nicht eine Kommune, sondern die Hatzfeldt-Wildenburg’sche Forstverwaltung. Zwar haben Graf Hermann von Hatzfeldt und sein Forstdirektor Dr. Franz Straubinger weder etwas gegen Radfahrer und Inline-Skater, noch gegen eine touristische Weiterentwicklung der Region, doch ausgerechnet auf einem ihrer wichtigsten Holzrücke-Wege? Denn das ist aus einem großen Teil der Bahntrasse geworden, nachdem sie von der Forstverwaltung vor Jahren gekauft wurde.

Tunnel wird beleuchtet

Der Weiterbau des Radwegs war gestern auch Thema eines grenzüberschreitenden Treffens von Christdemokraten in Niederfischbach, an dem auch der rheinland-pfälzische CDU-Landeschef und stellv. Bundesvorsitzende Christoph Böhr teilnahm. Freudenbergs Bürgermeister Eckhardt Günther wies nochmals darauf hin, dass der Weiterbau auch Dank des »Drucks von unten« (aus Richtung Kirchen/Niederfischbach) möglich geworden sei. Mittlerweile sei die 11-Kilometer-Strecke freigeschnitten worden. Mit den eigentlichen Arbeiten werde bald begonnen. Besonders attraktiv werde künftig die Fahrt durch den 400 Meter langen – dann beleuchteten – Tunnel in Hohenhain. Womit hier, am alten Bahnhof von »Klein-Tirol« und dem landschaftlich reizvollsten Abschnitt, die Probleme wieder beginnen.

Alternativ-Route vorgeschlagen

Bei einem Ortstermin mit Vertretern der Kommunen hatte Forstdirektor Straubinger vor einigen Wochen eine Alternativ-Route vorgeschlagen: durch Freudenberger Gemeindewald. Diese aber war sowohl von Kirchener als auch Freudenberger Seite abgelehnt worden, weil man den Radfahrern keine allzu große Steigung zumuten will. Deshalb möchte man unbedingt weiter auf der Bahntrasse bauen, um später im Bereich Rothemühle den Anschluss an die Radwege zur Bigge zu schaffen.

Im Gespräch mit der SZ erinnerte Straubinger daran, dass der vor Jahren geschaffene Holzabfuhrweg ein Einzugsgebiet von 400 Hektar Wald habe. Allein 3,5 Kilometer neue Wirtschaftswege seien in der Folge entstanden. Im Gegensatz zum Friesenhagener Ortsbürgermeister Hermann Mockenhaupt kann sich der Forstdirektor eine gemeinsame Nutzung dieser Trasse nicht vorstellen. Da komme es zu einem »ewigen Interessenkonflikt«.

Der Geschäftsführer der fürstlichen Forstverwaltung fordert von den Bürgermeistern eine hieb- und stichfeste Erklärung, warum keine andere Route möglich ist: »Und die muss jeder Prüfung standhalten.« Gleichzeitig warnte er davor, allzu früh Schuldige zu benennen: »Das Haus Hatzfeldt ist bislang weit mehr Kompromisse eingegangen als eine Gemeinde XY.«

Für Straubinger steht eine Vielzahl von Unbekannten zur Diskussion: »Wer kümmert sich um die Müllentsorgung? Wer hat die Verkehrssicherungspflicht? Was passiert im Fall einer Jagdminderung?« Überhaupt nicht nachvollziehen kann der Forstdirektor, warum Ortsbürgermeister Mockenhaupt nicht alles daran setze, den Radweg auch durch das Dorf selbst bzw. am Schloss Crottorf vorbei zu führen: »Warum möchte die Ortsgemeinde nicht, dass dieser sanfte Tourismus auch zu ihr kommt.« Einen »Blinddarm« Richtung Wildenburg und Crottorf, soll heißen eine nicht in den eigentlichen Radweg integrierte Querverbindung, lehnt Straubinger kategorisch ab.

Ortsumgehung wieder ein Thema

So bekam Christoph Böhr gestern einen guten Eindruck, dass die Region auf beiden Seiten der Landesgrenze gerade erst mit dem »Zusammenwachsen« begonnen hat. In diesem Zusammenhang mag man auch einen erneuten Vorstoß von Landratskandidat Paul Breuer sehen. Auf der Ebene beider Landtage soll die mittlerweile selbst aus den Schubladen verschwundene Freudenberger Ortsumgehung wieder zum Thema werden. »Das Leben endet nicht an der Landesgrenze. Die Staus in Freudenberg sind ein Wirtschaftshemmnis. Diese Bremsklötze muss man wegschlagen«, so Breuer. Auch Bürgermeister Günther freute sich über die Initiative zur Neuaufnahme der Planungen, schließlich »ist man zu bestimmten Zeiten schneller in Siegen als durch Freudenberg hindurch«.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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