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Stundenlanges Anstehen für Corona-Impfung
Enormer Ansturm auf Impfzentrum in Kirchen

Die Bilder aus Siegen wiederholten sich am Mittwoch auch in Kirchen: Die Menschen nahmen stundenlange Wartezeiten in Kauf, um sich impfen zu lassen.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

thor Kirchen. An vielen Orten in der Republik sieht es derzeit aus wie in einem Dritte-Welt-Land. Überall bilden sich lange Schlangen – als wären plötzlich wieder rationierte Grundnahrungsmittel zu haben. Dabei handelt es sich „nur“ um einen Impfstoff, der seit Monaten im Überfluss vorhanden ist. Und seit Mittwoch sind besagte Szenen nun auch in Kirchen zu beobachten.
Impfzentrum an der LindenstraßeDas Impfzentrum auf dem Parkplatz an der Lindenstraße erlebte einen unglaublichen Ansturm. Schon um 10 Uhr waren die ersten Impfwilligen vor Ort, dabei war der Start für 13 Uhr geplant. Die Menschen nahmen bewusst lange, lange Wartezeiten in Kauf. Bernd Theis aus Offhausen hatte noch Glück: Er war um 11 Uhr eingetroffen, um sich seinen „Booster“ zu holen.

thor Kirchen. An vielen Orten in der Republik sieht es derzeit aus wie in einem Dritte-Welt-Land. Überall bilden sich lange Schlangen – als wären plötzlich wieder rationierte Grundnahrungsmittel zu haben. Dabei handelt es sich „nur“ um einen Impfstoff, der seit Monaten im Überfluss vorhanden ist. Und seit Mittwoch sind besagte Szenen nun auch in Kirchen zu beobachten.

Impfzentrum an der Lindenstraße

Das Impfzentrum auf dem Parkplatz an der Lindenstraße erlebte einen unglaublichen Ansturm. Schon um 10 Uhr waren die ersten Impfwilligen vor Ort, dabei war der Start für 13 Uhr geplant. Die Menschen nahmen bewusst lange, lange Wartezeiten in Kauf. Bernd Theis aus Offhausen hatte noch Glück: Er war um 11 Uhr eingetroffen, um sich seinen „Booster“ zu holen. Zweieinhalb Stunden später konnte er sich wieder auf den Heimweg machen. Zu Spitzenzeiten reichte die Schlange bis zur Brückenstraße und einmal am alten Rathaus vorbei bis in die Lindenstraße.

Bürokratie hält auf

„Hauptsache, sie kommen“ – Michaela Meinhardt brachte die Intention des Impfzentrums auf den Punkt. Die Pflegedirektorin des DRK-Krankenhauses war nicht nur als Beobachterin vor Ort, sondern griff noch einmal auf die Kenntnisse ihrer Ausbildung zurück und zog Spritzen auf. Bei aller Freude über die Resonanz entglitt ihr aber auch ein Stoßseufzer: „Was uns aufhält, ist die Bürokratie.“ In der Tat musste theoretisch vor jeder Spritze noch eine kleine Aufklärung erfolgen, doch gerade bei der Booster-Variante erfolgte das im „Schweinsgalopp“.

Etliche Erstimpfungen gegen Corona

Chefarzt Steffen Sander, der einem der zunächst zwei Impfteams vorstand, registrierte schon nach einer halben Stunde eine erstaunlich hohe Zahl an Erstimpfungen: „Das nimmt dramatisch zu.“ Unter den Premieregästen war auch Marco Boller, der eigens aus Neustadt an der Wied nach Kirchen gekommen war. Bei seinem Hausarzt sei ein Impfen nicht möglich gewesen. Ein Arbeitskollege habe ihn auf diese Möglichkeit hingewiesen. Und warum erst jetzt? „Es hat sich noch nicht so ergeben“, sagte Boller – und fügte an: „Man braucht das ja auch für die Firma.“ Der Druck am Arbeitsplatz zeigt offenbar deutliche Wirkung.
Ganz anders der Fall bei Maria-Elisabeth Wünning aus Kirchen: Sie und ihr Mann hatten eigentlich Ende Dezember einen dritten Impftermin beim Hausarzt, den aber wollten sie entlasten und seien jetzt hier. Peter Blum aus Mendig hingegen hatte ein Meeting in Betzdorf genutzt, um sich sich in Kirchen die dritte Spritze setzen zu lassen.

Routine braucht Zeit

Ärzte und Pflegepersonal wurden tatkräftig von Mitarbeitern der Stadt und der Verbandsgemeinde unterstützt. Michaela Sandweg (Stadt) berichtete, dass man schon im Vorfeld personell aufgestockt habe. Sie freute sich am Eröffnungstag darüber, dass trotz der langen Wartezeit nur ganz wenig gemeckert wurde: „Das läuft hier sehr diszipliniert ab.“ Bürgermeister Andreas Hundhausen warb um Verständnis: „Das kann nicht von Anfang an reibungslos laufen. Da muss auch eine gewisse Routine rein.“
Gemeinsam mit Nicki Billig, dem Kaufmännischen Direktor des Krankenhauses, reagierte er aber extrem schnell auf den Ansturm. Beide griffen zum Telefon und sorgten dafür, dass eine dritte Impfstraße im Container des alten Testzentrums eingerichtet werden konnte. Auch weiterer Impfstoff wurde von der Klinik mit Blick auf die nächsten Termine nachgeordert.
Hundhausen riet allen dazu, beim nächsten Mal am besten mit der Bahn anzureisen und vor allem warme Kleidung anzuziehen. Geöffnet ist das Impfzentrum immer mittwochs und samstags. Vor Weihnachten werde entschieden, ob es eine Verlängerung ins nächste Jahr gibt, so Billig.
Eine Sorge konnte den mit dem Auto angereisten Impfwilligen schon am Mittwoch genommen werden. Bernd Schmidt als Leiter des Ordnungsamts stellte klar, dass man an so einem Tag die Stände sämtlicher Parkscheiben ignorieren werde.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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