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Falsche Vielfalt bei den Pfandflaschen
Erzquell-Brauerei kämpft für einheitliche Bierflasche

Seit vielen Jahren kommt bei den Brauereien ein bunter Mix an Farben und Formen bei den Pfandflaschen zusammen. Das Sortieren und die Verteilung im Anschluss stellen einen großen Aufwand dar.
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  • Seit vielen Jahren kommt bei den Brauereien ein bunter Mix an Farben und Formen bei den Pfandflaschen zusammen. Das Sortieren und die Verteilung im Anschluss stellen einen großen Aufwand dar.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

thor Niederschelderhütte. Früher, das weiß auch Dr. Axel Haas, war nicht alles besser. Aber dafür einheitlicher. Und damit meint der geschäftsführende Gesellschafter der Erzquell-Brauerei nicht das Bier. So sehr hier beim Pils die Vielfalt wichtig für verschiedene Geschmäcker sein mag, so kunterbunt präsentiert sich das Drumherum. Will sagen: Bei den Flaschen existiert seit Jahren ein Mix an Farben und Formen. Dem Verbraucher ist’s – bislang – egal, Haas nicht. Denn die unterschiedlichen Stilrichtungen sind nicht nur für mittelständische Unternehmen zunehmend ein Problem, sie belasten auch die Umwelt. Der „Mehrweg“ bekommt in diesem Fall schließlich eine ganz andere Bedeutung.

thor Niederschelderhütte. Früher, das weiß auch Dr. Axel Haas, war nicht alles besser. Aber dafür einheitlicher. Und damit meint der geschäftsführende Gesellschafter der Erzquell-Brauerei nicht das Bier. So sehr hier beim Pils die Vielfalt wichtig für verschiedene Geschmäcker sein mag, so kunterbunt präsentiert sich das Drumherum. Will sagen: Bei den Flaschen existiert seit Jahren ein Mix an Farben und Formen. Dem Verbraucher ist’s – bislang – egal, Haas nicht. Denn die unterschiedlichen Stilrichtungen sind nicht nur für mittelständische Unternehmen zunehmend ein Problem, sie belasten auch die Umwelt. Der „Mehrweg“ bekommt in diesem Fall schließlich eine ganz andere Bedeutung.

Pfand seit den 70er-Jahren gleich

Dabei ist das deutsche Pfandsystem eigentlich beispielhaft, gerade auch beim Bier. Haas kann sich noch an die Einführung Mitte der 1970er erinnern: „Man hatte festgestellt, dass einfach zu wenig Flaschen zurückkommen.“ Es gab damals noch die sogenannte Euro-Flasche, und die Kästen waren alle rot. Für beides wurde ein Pfand festgelegt, der sich bis heute übrigens nicht verändert hat. Und das, was bei den Brauereien ankam, konnte direkt wiederverwertet werden. Ende der 1980er-Jahre setzte sich dann nach Angaben von Haas die NRW-Flasche durch. Parallel dazu sei jede Brauerei dazu übergegangen, eigene Kästen zu produzieren. „Vom Marketing her war das sicher eine vernünftige Sache“, sagt der Erzquell-Chef. Das sei noch kein Problem gewesen – „damit konnten wir alle leben“. Zumal die Bierverleger die Flaschen vorsortiert hätten.

Braune Flasche ist die beste

Bei den Siegtalern sorgt seitdem allein schon die Farbe für den Wiedererkennungswert. Wobei Grün nur die Farbe der Kästen ist, nicht aber der Flaschen. Schon früher, zur Zeit der Bügel, hätten Kenner ausschließlich zu braunen Flaschen gegriffen. Mit Recht, findet Haas: „Die braune Flasche ist für Bier die beste.“ Sie sei kaum lichtdurchlässig, schließlich müsse man bedenken, dass eine Stunde im Sonnenschein einem Alterungsprozess von drei bis vier Monaten entspreche. Dann aber seien gerade die 0,33-Liter-Flaschen blau, weiß und grün geworden, berichtet der Geschäftsführer. Auch die NRW-Flasche habe ihren Status als Standard verloren. Longneck und andere Formen seien in Mode gekommen. Und schließlich, so Haas, seien die großen „Fernsehbrauereien“ dazu übergangen, ihren Namen in die Flachen zu brennen.

Bei der Erzquell wird von Hand sortiert

So begann das große Sortieren. Zwar verfügen die Brauerei-Riesen über spezielle Maschinen, nicht so aber die Erzquell: „Bei uns sind zwei bis drei Mann damit beschäftigt, die Flaschen auszusortieren. Das ist wirklich eine schwere Arbeit geworden“, berichtet Haas.

Die braune Flasche ist
für Bier die beste.
Dr. Axel Haas
Geschäftsführer Erzquell-Brauerei

Erzquell-Chef Dr. Axel Haas setzt sich für ein Umdenken in der Branche ein.

Bei den Halbliter-Flaschen liegt demnach der Anteil der „Fremdkörper“ bei
12 Prozent, bei der „Stuppi-Variante“ sogar bei 22 Prozent. Die würden dann in Kästen zwischengelagert und gelangten dann über mehrere Zwischenstationen zurück an den Ort ihrer Abfüllung. Etwa die Hälfte des Pfandsatzes bleibe so mittlerweile bei den Händlern. Doch nicht nur der Kostenfaktor stört Haas: „Umweltmäßig ist das natürlich kompletter Irrsinn.“ Das Pfand werde kreuz und quer durch das Land gefahren. Nun haben sich laut Erzquell-Geschäftsführer aber zwei Pools gebildet, zum einen die großen Brauereien, zum anderen mehrere Verbände, um dem entgegen zu wirken. Offenbar gebe es in der Branche Ängste, dass sich die Politik bzw. die neue Regierung die Sache einmal genauer anschaue. „Denn mit Nachhaltigkeit hat das Ganze ja nichts zu tun.“ Es gebe gewisse Signale, so Haas: „Im Augenblick ist aber noch gar nichts passiert.“ Und so wird das Aussortieren erst einmal weitergehen. Wobei in Niederschelderhütte immer zwei Lkw-Ladungen mit eigenem Pfand als Puffer bereitstehen, um die Lücken zu schließen. Denn der gläserne Nachschub ist schließlich genauso wichtig wie die Grundsubstanz aus dem Giebelwald.

Seit vielen Jahren kommt bei den Brauereien ein bunter Mix an Farben und Formen bei den Pfandflaschen zusammen. Das Sortieren und die Verteilung im Anschluss stellen einen großen Aufwand dar.
Erzquell-Chef Dr. Axel Haas setzt sich für ein Umdenken in der Branche ein.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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