»Es tut allen Familien gut«

Freusburgerin Sophia Janz erhielt für »FAST«-Projekt Auszeichnung der Körber-Stiftung

thor Freusburg. Geschmacksneutrales Fast-Food, spritfressende Autos und die von Toleranz und Bescheidenheit geprägte Politik eines George W. Bush – zugegeben, manch einer hat mit den Importen aus den USA so seine Schwierigkeiten. Bei aller Abneigung gegen das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, in vielen, vielen Bereichen sind die Amerikaner noch lobenswerte Vorreiter. So wurde in den 80er Jahren in Wisconsin von Sozialpädagogen das Programm »FAST« entwickelt: »Families and schools together (Familien und Schulen gemeinsam)«. Ein spezielles, familienstärkendes Programm, das Jahre später auch seinen Weg nach Deutschland gefunden hat. Und mittlerweile ist es auch in heimischen Gefilden angekommen, und das buchstäblich erfolgreich.

Für ihre »FAST«-Projekte wurde jetzt die Freusburger Sozialpädagogin Sophia Janz zusammen mit der Grundschullehrerin Gabriele Weinz (Haiger) mit einem Preis der in Hamburg ansässigen Körber-Stiftung ausgezeichnet. »Usable« nennt sich ein transatlantischer Ideenwettbewerb, bei dem es um Übergänge im Leben geht. »Die Auszeichnung erfolgt für Projekte, die – inspiriert von Beispielen aus den USA – in Deutschland helfen, Übergangssituationen im Leben zu bewältigen«, heißt es in der Beschreibung. Großer Wert wird dabei auf Gemeinsinn und das Engagement vor Ort gelegt. Nun stammt »FAST«, wie geschildert, aus den USA, doch Sophia Janz ist bereits zweimal zur Ausbildung über den Atlantik geflogen, und in ihrer Arbeit geht es auch um Übergänge. Also war die Bewerbung schnell geschrieben.

Die 35-jährige Freusburgerin war an der Uni Siegen mit »FAST« in Kontakt gekommen. Im Jahr 2000 hatte es in NRW ein Modellprojekt gegeben, um zu überprüfen, ob »FAST« überhaupt in Deutschland funktioniert. Das tat es. Mittlerweile gibt es in Deutschland sogar ein eigenes Netzwerk, in dem sich Einrichtungen der Jugendhilfe, schulische und andere Träger der Weiterbildung sowie Einzelpersonen zusammengeschlossen haben, darunter Sophia Janz, die hauptberuflich als Sozialpädagogin bei der BeKo in Hachenburg arbeitet.

Zeit für einander haben

Doch was ist »FAST« überhaupt? »Es ist ein Programm, das allen Familien gut tut«, sagt Sophia Janz und legt Wert auf die Feststellung, dass hier nicht mit erhobenem Zeigefinger im klassischen Sinne geschult wird. Und auch wenn hier Sozialarbeiter mit von der Partie sind, ist es kein Programm für so genannte »Problemfamilien«. Es geht vielmehr um die Stärkung der Familienbande, um den internen Zusammenhalt. Wenn es eine Botschaft gibt, dann lautete die: Es lohnt sich, Zeit füreinander zu haben.

Bei einem »FAST«-Projekt treffen sich die Eltern mit den Kindern einmal pro Woche an insgesamt acht Nachmittagen in der Schule, erzählt Sophia Janz. Losgelöst vom Stress und der Hektik des Alltags wird gemeinsam gekocht, gespielt und gesungen. Eltern nehmen sich dabei bewusst Zeit für ihre Kinder, etwa um persönliche Dinge zu besprechen. Das »FAST«-Team habe dabei keine beratende Funktion, so erzählt die Freusburgerin, die Teilnehmer würden eher »gecoacht«. Auf der einen Seite wird so nach Darstellung von Sophia Janz die Erziehungskompetenz gestärkt, andererseits sei es ein gutes Präventionsprogramm, z.B. bei Aggressionen in der Grundschule. Denn gerade der Übergang vom Kindergarten in die Schule sei für Kinder oft mit vielen Schwierigkeiten verbunden. »FAST ist ein gutes Programm, um den Schulanfang zu meistern und mit der Schule warm zu werden«, meint die Sozialpädagogin.

Und noch eine Beziehung wird bei »FAST« gefördert – die zwischen Eltern und Schule. Sophia Janz: »Hier erleben sie oft zum ersten Mal, dass Schule auch etwas für sie tut und nicht nur Anforderungen stellt.« Nicht zuletzt ist das Programm auch eine schöne Gelegenheit für Eltern, sich untereinander besser kennen zu lernen.

Ende Juni wird Sophia Janz ihren Preis – der mit 500 Euro eher symbolischer Natur ist – in Berlin entgegen nehmen. Deshalb freut sie sich an diesem Wochenende besonders darauf, neuen Menschen zu begegnen und neue Impulse für ihre Arbeit zu erhalten. »FAST« steckt in Deutschland nach wie vor in den Kinderschuhen – und der Kreis Altenkirchen ist sogar noch ein weißer Fleck. Interessierte Grundschulen können deshalb gerne mit Sophia Janz Kontakt aufnehmen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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