SZ

Tarifkonflikt mit dem DRK eskaliert
„Faire Bezahlung statt Schmerzensgeld“

Eberhard Bruch (hinten) und Dirk Rödder an einem der großen Plakate vor dem Krankenhaus: „Arbeiten beim DRK ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von nichts.“
2Bilder
  • Eberhard Bruch (hinten) und Dirk Rödder an einem der großen Plakate vor dem Krankenhaus: „Arbeiten beim DRK ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von nichts.“
  • Foto: thor
  • hochgeladen von Klaus-Jürgen Menn (Redakteur)

thor Kirchen.  Darüber gibt es keine zwei Meinungen: Wenn den Deutschen in diesem Jahr eines vor Augen geführt worden ist, dann die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems. Ein System, das immer nur so gut ist wie die Menschen, die darin arbeiten. Also: Weltklasse! Die Bezahlung hat in Teilen aber noch nicht einmal Bezirksklassen-Niveau – trotz der neuen öffentlichen Wertschätzung, trotz regelmäßiger Solidaritätsbekundungen der Politiker.
Dass Applaus und Anerkennung mit der Realität tatsächlich nur bedingt zu tun haben, zeigt sich derzeit in der Tarifrunde für die Beschäftigten beim Deutschen Roten Kreuz, genauer gesagt für jene 50 000 Frauen und Männer innerhalb der Bundestarifgemeinschaft.

thor Kirchen.  Darüber gibt es keine zwei Meinungen: Wenn den Deutschen in diesem Jahr eines vor Augen geführt worden ist, dann die Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitssystems. Ein System, das immer nur so gut ist wie die Menschen, die darin arbeiten. Also: Weltklasse! Die Bezahlung hat in Teilen aber noch nicht einmal Bezirksklassen-Niveau – trotz der neuen öffentlichen Wertschätzung, trotz regelmäßiger Solidaritätsbekundungen der Politiker.
Dass Applaus und Anerkennung mit der Realität tatsächlich nur bedingt zu tun haben, zeigt sich derzeit in der Tarifrunde für die Beschäftigten beim Deutschen Roten Kreuz, genauer gesagt für jene 50 000 Frauen und Männer innerhalb der Bundestarifgemeinschaft. Die bisherigen Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und der Gewerkschaft Verdi sind allesamt gescheitert, nunmehr geht es in die Schlichtung. Dabei wird der Konflikt jetzt aus den verschlossenen Räumen in die Öffentlichkeit getragen: In den vergangenen Tagen wurden rund um die Krankenhäuser und Rettungswachen der Region große Plakate platziert, die den Forderungen der Beschäftigten Nachdruck verleihen sollen.
Eberhard Bruch, Betriebsratsvorsitzender im DRK-Krankenhaus Kirchen, und Dirk Rödder, Gewerkschafter und Notfallsanitäter der Rettungswache Wissen, wiesen gestern im Gespräch mit der Siegener Zeitung auf die in ihren Augen sehr gefährliche Entwicklung hin – und sie fanden darüber hinaus deutliche Worte für das DRK.

Bruch spricht von Erpressung

Die Botschaft von Bruch: „Wir fordern eine faire Bezahlung statt Schmerzensgeld.“ Dazu gehöre auch eine Corona-Prämie, wie sie Firmen wie Daimler oder Hornbach längst gezahlt hätten. Das DRK aber habe im Laufe der Verhandlungen erklärt, dass man diese Einmalzahlung leisten wollen – wenn man denn sofort einen neuen Tarifvertrag abschließe. Das sei, so Bruch, nichts anderes als Erpressung.
Die Gewerkschafter stellten klar, dass sich der Rettungsdienst und die Krankenhäuser nicht auseinander dividieren lassen. Genau das sei eine Taktik des DRK. „Das werden sie aber nicht schaffen, wir haben ein top kollegiales Miteinander“, betonte Rödder.
Bruch und Rödder erinnerten daran, dass beim DRK noch immer schlechter bezahlt werde als im Öffentlichen Dienst. Umso mehr müsste den Arbeitgebern eigentlich daran gelegen sein, die eigenen Mitarbeiter angemessen zu entlohnen. „Das ist für die Personalakquise unglaublich wichtig“, so der Betriebsratsvorsitzende, der dabei den Blick speziell auf die Konkurrenzsituation vor der eigenen Haustür richtete. „Ohne Pflegezulage können wir gegen die Siegener Häuser nicht anstinken.“ Das DRK, so Bruch, müsse den eigenen Krankenhäusern eine Weiterentwicklung ermöglichen. Das aber gehe nur mit ausreichend Personal. Die Schließung von Stationen dürfe nicht die Alternative sein, auch wenn es zum Bettenabbau der Politik passe.

DRK-Haltung schwer nachzuvollziehen

Für Rödder ist die Haltung des DRK auch deshalb schwer nachzuvollziehen, weil die Tarifsteigerungen über die Kostenträger refinanzierbar seien. „Was das DRK da angeboten hat, ist eine Unverschämtheit“, empört sich der Rettungssanitäter, der aus jahrzehntelanger Erfahrung berichten kann, dass er und die Kollegen nach wie vor manche Stunde „für lau“ arbeiteten. So liege die vertraglich geregelte Arbeitszeit bei 38,5 Stunden, inklusive der (unentgeltlichen) Bereitschaft seien es aber 48 Stunden. Lediglich sogenannte „Rüstzeiten“ zum Umkleiden habe man mittlerweile zugesprochen bekommen. Weiteres Beispiel: Ab 19 Uhr kassiere das DRK bei Einsätzen die doppelte Pauschale, bei den Mitarbeitern selbst greife diese Regelung erst ab 22 Uhr.
Der Notfallsanitäter sieht beim DRK einen fatale Neigung, allzu sehr auf Ehrenamt und Idealismus zu setzen. Ja, beides sei vorhanden, aber: „Herzblut allein bezahlt nicht die Miete. Das haben die bis heute nicht verstanden.“
Bruch und Rödder sind gespannt, auf wen sich beide Seiten als Schlichter einigen. Noch gilt die Friedenspflicht. Aber auch ohne Streik wissen die Gewerkschafter, dass man den Arbeitgeber mit gewissen Maßnahmen empfindlich treffen kann. Dann wird z. B. ganz normal zum Wohle der Patienten abgerechnet, allerdings ohne Dokumentation und damit die Chance zur Abrechnung. Vorerst ist ihnen aber wichtig, dass eine breite Öffentlichkeit merkt, dass sämtliche Sonntagsreden noch keine Auswirkungen auf das Konto der Mitarbeiter hatten.

Eberhard Bruch (hinten) und Dirk Rödder an einem der großen Plakate vor dem Krankenhaus: „Arbeiten beim DRK ist wie ein Dessous: Spitzenqualität für einen Hauch von nichts.“
Der Betriebsrat hat Botschaften für Besucher und Patienten angebracht.
Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

12 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen