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Wegen Corona: Schwieriges Jahr für die Erzquell-Brauerei
Fassbier-Ausstoß quasi bei Null

Das Geschäft mit dem Flaschenbier hat auch die Erzquell-Brauerei über Wasser gehalten. Weiterhin gilt, dass man sich beim Thema „Leergut“ in Niederschelderhütte über jede zurückgebrachte Kiste freut.
  • Das Geschäft mit dem Flaschenbier hat auch die Erzquell-Brauerei über Wasser gehalten. Weiterhin gilt, dass man sich beim Thema „Leergut“ in Niederschelderhütte über jede zurückgebrachte Kiste freut.
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thor Niederschelderhütte. „Ich hatte im vergangenen Jahr die große Freude, dass ich zum ersten Mal Großvater geworden bin – das war dann aber auch fast die einzige Freude.“ Würde Dr. Axel Haas hier als rein privater Opa sprechen, müsste man jetzt erschrocken zusammenzucken. Doch die Frage galt nun einmal nicht der Familie, sondern dem Unternehmen. Und so werden fast alle Brauerei-Besitzer Deutschlands wissen, was ihr Kollege damit gemeint hat. Auch für Haas als geschäftsführender Gesellschafter der Erzquell-Brauerei war 2020 eines der schwierigsten Jahre, seit er Verantwortung trägt – und das ist immerhin seit 1983. Erste Prognosen sprechen davon, dass die Brauer im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Prozent weniger abgesetzt haben.

thor Niederschelderhütte. „Ich hatte im vergangenen Jahr die große Freude, dass ich zum ersten Mal Großvater geworden bin – das war dann aber auch fast die einzige Freude.“ Würde Dr. Axel Haas hier als rein privater Opa sprechen, müsste man jetzt erschrocken zusammenzucken. Doch die Frage galt nun einmal nicht der Familie, sondern dem Unternehmen. Und so werden fast alle Brauerei-Besitzer Deutschlands wissen, was ihr Kollege damit gemeint hat. Auch für Haas als geschäftsführender Gesellschafter der Erzquell-Brauerei war 2020 eines der schwierigsten Jahre, seit er Verantwortung trägt – und das ist immerhin seit 1983. Erste Prognosen sprechen davon, dass die Brauer im vergangenen Jahr durchschnittlich 20 Prozent weniger abgesetzt haben.

Dabei ist es bei den Brauern aus Niederschelderhütte seit geraumer Zeit Tradition, keine Zahlen über Hektoliter und Umsätze zu veröffentlichen. „Es ist uns nicht wichtig, ob wir die Größten oder Beliebtesten in Deutschland sind“, sagt Haas. „Wir freuen uns, wenn wir in der Region beliebt sind.“
Auch für die „Siegtaler“ gilt: „Der Fassbier-Ausstoß ist fast auf Null zurückgegangen.“ Wobei der Geschäftsführer direkt auf seine größte Sorge kommt – die gilt nämlich den zahlreichen Gastronomen, mit denen die Brauerei zum Teil seit Jahrzehnten verbunden ist. Ja, er fürchte, dass nicht alle die Pandemie überleben werden. Damit verbindet Haas auch deutliche Kritik an der Politik: „Es kann doch nicht sein, dass die im November angekündigten Hilfszahlungen im Januar immer noch nicht da sind.“ Das Geld müsse endlich schnell fließen.

Flaschenbier-Absatz stark gestiegen

Das ist ein Stichwort, denn trotz Corona hat das Erzquell-Pils auch 2020 genau das in Strömen getan – wenn auch nur aus Flaschenhälsen. Haas bestätigte den Trend aus dem ersten Lockdown, wonach in diesem Bereich der Absatz dank vieler treuer Kunden stark gestiegen sei. „Wir sind froh, dass sich das so gut entwickelt hat.“ Und zwar durchgehend bis zum Jahresende, doch insgesamt seien dadurch die Verluste aus dem Fassbiergeschäft natürlich nicht kompensiert worden.

Während andere Brauereien ihr Heil in neuen Sorten suchen, bleibt die Erzquell bei diesem Thema bewusst konservativ. So sei zwar das neue alkoholfreie Radler sehr gut angenommen worden, der Fokus liegt aber eindeutig auf dem Pils. Haas: „Ich denke, in unserer Größenordnung ist das auch der richtige Weg.“

Einen Dank möchte der Brauerei-Chef aber auch seinen Mitarbeitern aussprechen: „Denen haben wir eine Menge abverlangt.“ Der Vertrieb sei zeitweise in Kurzarbeit gewesen, auch sonst sei eine Menge Flexibilität erforderlich gewesen: „Alle haben gut mitgezogen.“ Auf große Investitionen habe man 2020 weitgehend verzichtet, so Haas, vielmehr habe man das Geld in bestehende Anlagen gesteckt.

Bierlandschaft wird durch Corona nicht verändert

Auch wenn der Lockdown andauert, so sieht der Unternehmer dennoch Licht am Ende des Tunnels. Er glaube nicht, dass Corona die deutsche Bierlandschaft nachhaltig verändern werde. Haas gehört nach eigenen Angaben eher zu jener Gruppe, die daran glaubt, dass nach der Krise umso mehr gefeiert und ausgegangen wird. Der berühmte Nachholeffekt. Das aber werde nicht auf einen Schlag passieren, sondern eine langsame Entwicklung sein, glaubt Haas.

Am Heimatstandort der Brauerei geht man jedenfalls fest davon aus, dass die Mudersbacher Kirmes nur einmal ausfallen musste und Haas sie in diesem Jahr wieder mit eröffnen wird. Nicht mit Flaschenbier, sondern einem zünftigen Fassanstich. Wie es sich gehört. Und vielleicht ist die übernächste Generation dann auch schon im Kinderwagen mit dabei.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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