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Jugendpfleger in Kirchen
Felix Garcia Diaz ist Pädagoge aus Überzeugung

Felix Garcia Diaz hat die Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde jetzt seit einem Vierteljahrhundert maßgeblich geprägt.
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  • Felix Garcia Diaz hat die Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde jetzt seit einem Vierteljahrhundert maßgeblich geprägt.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Kirchen. Als es für Felix Garcia Diaz allmählich Zeit wurde, sich für einen Beruf zu entscheiden, hatte er bereits so viele Herausforderungen hinter sich, dass er eigentlich nur zwei Optionen hatte: Er hätte Politiker werden können, um die Welt im Großen besser zu machen. Oder er hätte Sozialpädagoge werden können, um die Welt im Kleinen zu verändern. Er hat sich für den zweiten Weg entschieden, und das war kein Fehler: In diesen Tagen hat er sein 25-Jähriges als Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Kirchen gefeiert – und er hat sich in diesen zweieinhalb Jahrzehnten unverzichtbar gemacht.
Rückblick, und zwar in die letzten Jahre der Franco-Diktatur in Spanien. Felix Garcia Diaz wächst in einem totalitären System auf.

damo Kirchen. Als es für Felix Garcia Diaz allmählich Zeit wurde, sich für einen Beruf zu entscheiden, hatte er bereits so viele Herausforderungen hinter sich, dass er eigentlich nur zwei Optionen hatte: Er hätte Politiker werden können, um die Welt im Großen besser zu machen. Oder er hätte Sozialpädagoge werden können, um die Welt im Kleinen zu verändern. Er hat sich für den zweiten Weg entschieden, und das war kein Fehler: In diesen Tagen hat er sein 25-Jähriges als Jugendpfleger der Verbandsgemeinde Kirchen gefeiert – und er hat sich in diesen zweieinhalb Jahrzehnten unverzichtbar gemacht.
Rückblick, und zwar in die letzten Jahre der Franco-Diktatur in Spanien. Felix Garcia Diaz wächst in einem totalitären System auf. Er geht jeden Morgen mit Bauchschmerzen in die „faschistische Schule“, wie er es heute nennt. Und er erlebt mit, wie sein politisch aktiver Großvater in einem Geheimversteck im Küchenboden verschwindet, wenn mal wieder die Guardia Civil vor der Wohnungstür steht. Diese Zeit hinterlässt Spuren: Felix Garcia Diaz ist schon früh zu einem politischen Menschen geworden, für ihn sind Freiheit und Demokratie viel mehr als nur theoretische Begriffe.

Felix Garcia Diaz ist früh auf sich allein gestellt

Aber nicht allein das System in Spanien prägt ihn: Sein Vater geht als Gastarbeiter nach Deutschland, holt die Familie nach. In seiner Grundschulklasse im nördlichen Siegerland ist Felix Garcia Diaz der einzige, der nicht deutsch ist. Und das ist im ländlichen Raum nicht immer leicht. Auch diese Erfahrung hat ihn berührt und ihm gezeigt, dass es keine gute Idee ist, Integrationsprozesse gänzlich sich selbst zu überlassen.
Außerdem hat er in diesen Tagen auch außerhalb der Schule viel gelernt: „Es sind ja die Kinder, die zuerst deutsch lernen. Als ältester Sohn habe ich damals viele Aufgaben übernommen.“ Schon als Zwölfjähriger hat er mit der Ausländerbehörde diskutiert und Termine im Konsulat wahrgenommen.
Spätestens, als sein jüngster Bruder mit einer Behinderung auf die Welt kam, dürfte die Weiche im Kopf endgültig auf Sozialpädagogik umgesprungen sein. Und so begann Garcia Diaz sein Studium in Siegen – in einer Zeit, in der der NATO-Doppelbeschluss und der Streit ums BaföG die Studenten scharenweise auf die Straße getrieben hat. „Das waren spannende Jahre.“

Verbandsgemeinde Kirchen suchte Jugendpfleger

In seinen ersten Berufsjahren hat Garcia Diaz einige Stationen durchlaufen: Er war im AWo-Heim in der Behindertenarbeit tätig, hat im CJD Flüchtlingsarbeit gemacht und im Friedenshort eine Wohngruppe betreut. Beinahe wäre er sogar als Sozialarbeiter in einer JVA in Norddeutschland gelandet – aber dann kam ihm zu Ohren, dass die Verbandsgemeinde Kirchen einen Jugendpfleger suchte. Am Morgen nach einer Nachtbereitschaft ging er „ziemlich groggy“ ins Vorstellungsgespräch, und dort drehte er den Spieß um: Er antwortete nicht nur – er fragte vor allem. Und er bekam die Stelle.

Ein Foto aus den Anfangstagen: Garcia Diaz im Jugendtreff.

Was er vor allem von seinen künftigen Arbeitgebern wissen wollte: Welche Strukturen gibt es für die offene Jugendarbeit? Denn viele sahen damals den Jugendpfleger vor allem als Streetworker, der auf Parkdecks, Schulhöfen oder Bahnhofsvorplätzen Jugendliche aufsucht. Das aber war keineswegs das Selbstverständnis von Garcia Diaz: Für ihn bedeutet offene Jugendarbeit, dezentrale Angebote zu schaffen – und zwar in Form von Jugendtreffs.
Das gelang durchaus, denn aus den Räten, Ortsgemeinden und dem Rathaus bekam der Jugendpfleger Unterstützung. Und die Zielgruppe nahm das Angebot an: Teils saßen 40 Teenager in Räumen, die eigentlich für 20 konzipiert waren, und zwar nicht einmal in der Woche, sondern drei, vier Mal. Schon deshalb (aber auch aus pädagogischen Gründen) musste der Jugendpfleger delegieren: In den Jugendtreffs bildeteten sich Leitungsteams, die Teens deckten die Öffnungszeiten in Eigenregie ab. Und das hat – bis auf Ausnahmen – auch gut funktioniert.

Enge Zusammenarbeit mit Vereinen und Verbänden

Zweiter wichtiger Aufgabenbereich: der Ferienspaß. Garcia Diaz arbeitet seit jeher eng mit Vereinen und Verbänden zusammen, und in manchen Jahren platzte der Sommerferien-Kalender aus allen Nähten: „Manchmal haben sich mehr als 50 Akteure eingebracht, und dann gab es 80 Termine.“ Auch die Bildungsarbeit spielt für die Jugendpflege eine wichtige Rolle, unter anderem mit Kulturfahrten in europäische Metropolen, mit Workshops oder umweltpädagogischen Angeboten.
Und, nur scheinbar nebenbei, hat der Sozialpädagoge selbst seinen Teil dazu beigetragen, dass er kein Einzelkämpfer mehr ist: Über die Jahre sind die Jugendpflegen aus Kirchen und Betzdorf immer enger zusammengerückt – was auch auf der Hand liegt, schließlich werden beide Städte von einer gemeinsamen Schul- und Vereinslandschaft geprägt.
Man sieht also: Felix Garcia Diaz war – und ist – auf vielen Feldern unterwegs, und er hat reichlich Spuren hinterlassen. Er hat unzählige Kinder und Jugendliche beim Erwachsenwerden begleitet – manche nur kurz und flüchtig, andere umso intensiver. Und er hat auch etlichen jungen Kollegen den Weg ins Berufsleben geebnet: Neun Hochschulabsolventen haben ihr Anerkennungspraktikum beim Kirchener Jugendpfleger absolviert.
Gut möglich, dass einige von ihnen jetzt auch mehr über das Franco-Regime und über das Versteck im Boden einer kleinen Küche in einem Vorort von Madrid wissen.

Felix Garcia Diaz hat die Jugendarbeit in der Verbandsgemeinde jetzt seit einem Vierteljahrhundert maßgeblich geprägt.
Ein Foto aus den Anfangstagen: Garcia Diaz im Jugendtreff.
Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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