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Bundesamt blockiert Schnelltest-Lieferung
Firma Eder entsetzt über "Behördenwahnsinn"

Eigentlich hätte die Firma Eder gerne schon im Februar Schnelltests eingesetzt – und zwar genau so, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer das ganz aktuell fordert. Aber Katharina Eder ist von der Bürokratie ausgebremst worden.
  • Eigentlich hätte die Firma Eder gerne schon im Februar Schnelltests eingesetzt – und zwar genau so, wie Ministerpräsidentin Malu Dreyer das ganz aktuell fordert. Aber Katharina Eder ist von der Bürokratie ausgebremst worden.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

damo Wehbach. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, statt alles runterzufahren“: Mit diesem Credo ist Katharina Eder bislang gut durch die Pandemie gekommen, und das gilt auch für ihren Betrieb. Aber manchmal mahlen die Mühlen der Bürokratie derart träge, dass die Chefin der Fa. Eder dann doch ihre gute Laune einbüßt: Sie hat jetzt erlebt, wie eine Schnelltest-Bestellung zu einem Musterbeispiel für Regulierungswut verkommen ist.

Firma Eder setzte

damo Wehbach. „Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben, statt alles runterzufahren“: Mit diesem Credo ist Katharina Eder bislang gut durch die Pandemie gekommen, und das gilt auch für ihren Betrieb. Aber manchmal mahlen die Mühlen der Bürokratie derart träge, dass die Chefin der Fa. Eder dann doch ihre gute Laune einbüßt: Sie hat jetzt erlebt, wie eine Schnelltest-Bestellung zu einem Musterbeispiel für Regulierungswut verkommen ist.

Firma Eder setzte in der Corona-Krise alle Hebel in Bewegung

Als kleiner Mittelständler mit 20 Beschäftigten hat sich die Firma Eder auf das Thema Sonnenschutz spezialisiert – und sie hat im Corona-Jahr sogar ihren Umsatz steigern können. „Die Leute sind nicht in den Urlaub gefahren, sondern haben stattdessen in Haus und Garten investiert. Und davon haben wir profitiert.“ So hat das Unternehmen neue Mitarbeiter einstellen und sogar einen Corona-Bonus an die Belegschaft auszahlen können.

All das funktioniert natürlich nur, wenn der Familienbetrieb von Infektionen verschont bleibt. Also haben Katharina und York Eder frühzeitig alle Hebel in Bewegung gesetzt, um ihr Team gesund zu halten. „Als es am Anfang noch nicht genügend Masken gab, haben wir welche genäht“, blickt sie im Gespräch mit der SZ auf das Frühjahr 2020 zurück. Schnell wurden Plexiglas-Trennwände aufgebaut, und als FFP2-Masken empfohlen wurden, sind die Mitarbeiter sofort damit ausgestattet worden. Seit dem Winter läuft im Büro ein 5000-Euro-Luftfilter, die Monteure arbeiten in festen Zweierteams, und ein neuer Bürocontainer bietet den Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten können, mehr Platz.

Schneller Versuch an Schnelltests zu kommen

Wenig überraschend also, dass Katharina und York Eder nicht lange gefackelt haben, als das Thema Schnelltests aufkam. „Wir haben im Februar sofort versucht, Schnelltests für unser Team zu organisieren.“ Auch die firmeninterne Teststrategie stand schnell fest: Die gesamte Belegschaft soll montags und donnerstags getestet werden – was sich übrigens exakt mit dem deckt, was Ministerpräsidentin Malu Dreyer an diesem Dienstag den Unternehmen nahegelegt hat.
Mit anderen Worten: Die Firma Eder hätte im Februar ihrer Zeit voraus sein können – und dass in Zeiten steigender Inzidenzwerte jeder Tag zählt, ist eine Selbstverständlichkeit. Aber dazu ist es nicht gekommen, denn die Schnelltestbestellung war keineswegs ein Selbstläufer, sondern zäh wie Kaugummi.

Corona-Schnelltests bereits im Februar bestellt

Im Februar hat die Firma Eder die Bestellungen aufgegeben – und um auf Nummer sicher zu gehen, wurde bei zwei Anbietern bestellt: bei einem Medizin-Großhandel aus dem Siegerland und bei der Kreishandwerkerschaft in Iserlohn. „Die waren damals sehr fix mit ihren Angeboten“, erklärt Katharina Eder. Aber: Die Iserlohner hatten ihre Rechnung ohne das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gemacht. Die Bonner Behörde wacht über Medikamente und entscheidet über deren Zulassung.
Nun hatte die Handwerkerschaft einen Schnelltest geordert, der im europäischen Ausland, zum Beispiel in der Schweiz und in Österreich, schon seit Monaten erfolgreich eingesetzt wird. Ein großer Vorteil dieses Tests besteht darin, dass das elende Stochern mit einem Wattestäbchen mit der Nase entfällt: Hier wird lediglich der Speichel untersucht.

Aber: Besagter Test ist in Deutschland erst seit dieser Woche zugelassen. Und zwar nicht etwa, weil Zweifel an seiner Wirksamkeit bestanden hätten: Wie die Handwerkskammer mitteilt, ging es dem BfArM lediglich um die Verpackung. Genauer: Ob ein CE-Zeichen und der Name des Herstellers auf der Verpackung genannt werden müssen oder ob es Schnelltest oder Selbsttest heißen soll, musste in Bonn offenbar erst einmal gründlich geprüft werden. „Dass ein solch wichtiges Gut, das in der Pandemie dringend gebraucht wird, wochenlang blockiert wird, versteht kein Mensch mehr. Wir haben uns völlig überreguliert in Deutschland“, sagt der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer des Märkischen Kreises, Dirk H. Jedan, auf Nachfrage der SZ.

Schnelltests standen lange für Firma Eder bereit

Für die Fa. Eder bedeutet das: „Wir haben unsere Schnelltests wochenlang nicht bekommen, obwohl sie fertig kommissioniert zum Versand bereitstanden“, berichtet Katharina Eder. Für diesen „Schildbürgerstreich“ hat sie kein Verständnis: „Wir sind bereit, unsere unternehmerische Fürsorgepflicht im Interesse aller zu erfüllen, aber bekommen einen Hals, wenn uns der Behördenwahnsinn immer wieder Steine in den Weg legt.“

Übrigens: Diesen Stein haben die Handwerkskammer Iserlohn und die Firma Eder im Schulterschluss mittlerweile aus dem Weg geräumt. Die Kammer hat nicht länger warten wollen und jetzt die Schnelltests verschickt, die eigentlich für den österreichischen Markt vorgesehen waren. Und – welch Wunder – sie funktionieren auch im Mittelgebirge: Seit Montag wird bei der Firma Eder getestet.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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