Firmen-Pleiten: Gemeinden kamen mit blauem Auge davon

SEK ohne größere Verluste/Anfrage der Kirchener SPD

thor Kirchen. Die Insolvenzen der Firmen UTC und Egon Schmidt (beide Niederfischbach) sowie der Umzug der Wehbacher Fa. Klein Abwasser- und Schlammtechnik beschäftigten jetzt auch den Kirchener Stadtrat. Weil in allen Fällen die Strukturentwicklungsgesellschaft der Verbandsgemeinde Kirchen (SEK) stark engagiert war – und noch ist –, hatte die SPD-Fraktion ein Anfragepaket formuliert, schließlich ist die Stadt Kirchen, wie alle anderen Ortsgemeinden auch, Gesellschafterin der SEK.

Zum Hintergrund: Die SEK war im Jahr 2002 mit dem Ziel gegründet worden, die finanzschwachen Ortsgemeinden bei der Wirtschaftsförderung zu unterstützen und deren Risiken zu mindern. So konnte die SEK mit Hilfe der Rheinland-Pfälzischen Gesellschaft für Immobilien- und Projektmanagement (RIM) günstige Finanzierungen anbieten. Bereits 2003 fuhr das Land allerdings das Eigenkapital der RIM stark zurück, so dass SEK-Geschäftsführer Werner Becker seitdem bei seinen Aktivitäten auf Kreditfinanzierungen mit kommunalen Bürgschaften angewiesen ist.

Kritiker befürchteten »Millionengrab«

So erwarb die SEK in Niederfischbach das Grundstück für die Fa. UTC und baute auch die Halle, die dann per Leasing-Vertrag von dem Unternehmen genutzt wurde. 2004 erwarb die SEK die Betriebsgebäude der Egon Schmidt GmbH – »auf politische Intention zum Erhalt der Arbeitsplätze«, wie Becker schreibt. Auch hier wurden die Hallen anschließend wieder zurückvermietet. Dieses Vorgehen war nicht unumstritten, da politische und wirtschaftliche Insider schon damals wussten, dass es um die Fa. Schmidt nicht zum Besten bestellt ist. Hier, so die Kritik, habe sich die SEK deutlich zu weit aus dem Fenster gelehnt, schließlich gehe es auch um das Geld der Kommunen. Als dann die Insolvenz verkündet wurde, sahen manche Skeptiker bereits ein »Millionengrab«.

Auf die entsprechende Anfrage der SPD erklärte Werner Becker schriftlich, dass es durch die beiden Insolvenzen zwar kurzfristig Einnahmeausfälle durch fehlende Leasingraten gegeben habe, freilich nicht zu Lasten der kommunalen Haushalte. Auch die geplante Erweiterung der ehemaligen UTC-Halle (jetzt Klein) werde ausschließlich über einen Kredit mit Bürgschaft der VG Kirchen erfolgen: »Die Zins- und Tilgungsleistungen sind Gegenstand der zu zahlenden Leasingraten an die SEK.«

»Standort Wehbach nicht haltbar«

Durch den Umzug der Fa. Klein von Wehbach nach Niederfischbach entsteht der Stadt Kirchen nach Angaben des Geschäftsführers ein monatlicher Verlust von rund 1500 Euro. Bereits vor Wochen hatte Becker in der SZ darauf hingewiesen, dass ein Umzug nach Niederfischbach auch von der Geschäftsführung der Fa. Klein angestrebt worden sei, weil man im benachbarten Gewerbepark Kleusberg fertigen lasse. Der Standort Wehbach sei auf Dauer nicht zu halten gewesen, und in Kirchen habe keine andere Möglichkeit der Unterbringung bestanden, auch nicht im Jung-Jungenthal-Komplex.

Was die verwaiste Halle in Wehbach angeht, so berichtete Becker über erste Gespräche mit potenziellen neuen Mietern. Für das Bürogebäude gebe es noch keine konkreten Pläne. Bei der Fa. Schmidt, wo bekanntlich ein neuer Investor vor der Tür steht, geht Becker davon aus, dass ab nächstes Jahr wieder die Mieteinnahmen fließen und es somit auch hier »voraussichtlich zu keiner Belastung der kommunalen Haushalte kommt«. So dürften die Ortsgemeinden noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen sein.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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