Soldaten suchen Borkenkäfer
Forstamt verzichtet auf Hilfe der Bundeswehr

Im AK-Land (Blick von der Katzenbacher Straße) braucht es in der Tat keine v Soldaten, um Käferbäume zu entdecken. Foto: thor
  • Im AK-Land (Blick von der Katzenbacher Straße) braucht es in der Tat keine v Soldaten, um Käferbäume zu entdecken. Foto: thor
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sz Mainz/Kreis Altenkirchen. Rheinland-Pfalz greift beim Kampf gegen den Borkenkäfer auf die Bundeswehr zurück: Rund 100 Soldaten helfen seit gestern für zunächst zwölf Wochen den Forstleuten bei ihrer Aufgabe, den massiven Käferbefall einzudämmen. Im Kreis Altenkirchen wird jedoch bewusst auf ihre Hilfe verzichtet.

„Der Wald kann wirklich jede Hilfe akut gebrauchen. Durch die Klimakrise breitet sich der Borkenkäfer rasant aus, auch andere Baumkrankheiten sind wegen der vergangenen beiden trockenen Jahre auf dem Vormarsch. Ein dritter Dürre-Sommer in Folge wäre katastrophal. Deshalb bedanke ich mich bei der Bundeswehr, dass sie unseren Forstleuten hilft, dem Wald zu helfen“, wird Umwelt- und Forstministerin Ulrike Höfken in einer Mitteilung ihres Ministeriums zitiert.

Um die Ausbreitung des Borkenkäfers so gut es geht einzudämmen, sei es wichtig, befallene Bäume früh zu erkennen. Deshalb müssten diese so schnell es geht identifiziert und aus dem Wald geschafft werden. So verhinderten die Forstleute, dass von den befallenen Bäumen ein Ansteckungsrisiko für noch gesunde Bäume ausgehe.

Nun bekommen die Forstleute von Landesforsten Rheinland-Pfalz Unterstützung der Bundeswehr, um befallene Bäume zu erkennen und zu markieren. Dabei durchstreifen sie die Wälder in Hunsrück, Eifel und Westerwald und halten nach roten Nadeln, Bohrmehlhäufchen an den Stämmen sowie nach Harzfluss an der Borke Ausschau – alles Anzeichen für einen Befall. Anschließend werden die Bäume gefällt und nach Möglichkeit schnellstens aus dem Wald gebracht. Ansonsten könnten sich die Käfer im frischen Holz gut vermehren und damit weitere Fichten attackieren.

Dabei ergibt sich laut Ministerium allerdings ein Platz- und ein Transportproblem: Es stehen weder genug Fahrzeuge zur Verfügung, die das Holz aus dem Wald bringen, noch gibt es genug Lagerfläche für die gefällten Bäume. Eine Lösung ist, das Holz zu entrinden. Denn unter der Borke frisst und vermehrt sich der Borkenkäfer – wird die Borke rechtzeitig entfernt, vertrocknen die Larven und die noch nicht fertig ausgebildeten Jungkäfer. Genau da setzt nun die Unterstützung durch die Truppe an: Mit einem Schälmesser befreien die Soldaten die gefällten Bäume von der Rinde und helfen so, einen weiteren Borkenkäferbefall einzudämmen.

Um weder gesunde Bäume zum Fällen zu markieren oder wertvolles Holz zu beschädigen, absolvierten die Soldaten eine Art Crashkurs in Sachen Borkenkäfer-Monitoring und arbeiten im Wald eng mit fachkundigen Forstleuten zusammen. „Ist der Wald erst einmal weg, fehlen auch all seine positiven Funktionen für das Klima, den Arbeitsmarkt, die Artenvielfalt und als Raum zur Erholung. Deshalb ist es wichtig, noch gesunde Bäume zu schützen“, so Höfken.

Wegen des Borkenkäferbefalls mussten in den Jahren 2018 und 2019 so viele Bäume wie noch nie notgeerntet werden – insgesamt 3,5 Millionen. Das entspricht rund 3,05 Festmetern Fichtenholz. Auch dieses Jahr sieht es nicht besser aus – bereits jetzt ist eine Millionen Festmeter Schadholz angefallen. Die Schwerpunkte liegen dabei in Westerwald, Hunsrück und Eifel.

Wie eingangs erwähnt: Spaziergänger und Mountain-Biker werden weder im Höhwald noch in den Wäldern des Heller- oder Daadetals Soldaten durchs Unterholz streifen sehen. Zwar sei auch dem Forstamt Altenkirchen die Unterstützung angeboten worden, man habe aber dankend abgelehnt, so Frank Schneider (Technische Produktionsleitung). Und das habe nichts mit Überheblichkeit zu tun. „Unsere Region ist nach wie vor der Hotspot.“ Die Schäden durch den Käfer seien so enorm und beträfen ganze Bestände, dass nur ein großflächiger Maschineneinsatz sinnvoll sei. In anderen Gebieten von Rheinland-Pfalz könne es noch helfen, einzelne Bäume zu identifizieren, nicht aber im Kreis Altenkirchen, erklärte Schneider.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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