Freusburger übten zunächst in freier Natur

Die Geschichte der Kirchener Musikvereine (Teil 2)/»Lobet den Herrn mit Posaunen«

thor Kirchen. Die Jungenthaler Kapelle als erster Musikverein in Kirchen war gerade ein paar Jahre alt, da wurde bereits die erste konfessionelle Gruppe gegründet: Aus dem evangelischen Jünglingsverein ging 1903 ein Posaunenchor hervor, wie sie damals überall im Siegerland entstanden. Musiziert wurde unter dem Wahlspruch »Lobet den Herrn mit Posaunen« (Psalm 150,3). Erster Chorleiter war Otto Kraemer, der Besitzer der Gerbereien auf der Kircherhütte. Geübt wurde im ev. Vereinshaus an der Austraße, wo sich heute das Sängerheim des MGV »Liederkranz« befindet. Die Jahresmiete lag gerade mal bei 48 Mark. Als am 25. September 1910 das ev. Krankenhaus auf dem Brühlhof eingeweiht wurde, durfte für die musikalische Gestaltung der Posaunenchor natürlich nicht fehlen.

Nach dem Ersten Weltkrieg (1920) schloss sich der Betzdorfer Chor den Betzdorfer Posaunisten an. Nach dem Verbot in der Nazi-Zeit fanden sich unmittelbar nach Kriegsende 1945 einige Bläser zusammen, um den Chor wieder aufleben zu lassen. So bestand der Posaunenchor noch bis 1983. Nach 20-jähriger Pause sind nach Auskunft von Henning Plate vom Heimatverein momentan Bestrebungen im Gange, einen neuen Chor aufzubauen.

Wenn die Freusburger den Kirchenern auch sonst oft einen Schritt voraus waren, im musikalischen Sinne gilt dies nicht. Erst 1920 wurde der Musikverein Freusburg von sieben Gründungsmitgliedern aus der Taufe gehoben. Initiator war der Alsdorfer Bergmann Karl Zacharias, der bis 1925 auch erster Kapellmeister war. Überhaupt waren die Mitglieder damals überwiegend Bergleute. »Bis man ein entsprechendes Vereinslokal gefunden hatte, mussten die wöchentlichen Übungsstunden in Gottes freier Natur abgehalten werden.« 1934 wurde der Verein in das Musikkorps der NSDAP, Ortsgruppe Kirchen, eingegliedert. Doch auch hier fanden nach Kriegsende sofort wieder Anstrengungen statt, den »alten« Verein mit neuem Leben zu erfüllen. Am 16. März 1947 war es soweit – mit Genehmigung der Franzosen. Im Mai 1995 feierten die Freusburger das 75-jährige Bestehen des Musikvereins.

Lehrer Weinand gab den Takt an

In Wehbach war bei einer Weihnachtsfeier 1911 der Dorflehrer Peter Weinand gebeten worden, doch ein Orchester zu bilden. Der Pädagoge, musikalisch sehr begabt, ließ sich von den Wehbachern nicht lange bitten und versammelte schnell eine Schar Gleichgesinnter um sich. Aus diesem 1912 gegründeten Orchester ging somit der Musikverein Wehbach hervor. Wie die »Kollegen« in Kirchen, so schlüpften auch die Wehbacher in den 20er Jahren in andere Uniformen und nannten sich Feuerwehrkapelle. Nach der Gleichschaltung kam es am 14. Mai 1950 zur Neugründung des Musikvereins Wehbach. Lehrer Weinand behielt noch bis 1952 den Taktstock, dann gab er ihn an Marinemusikmeister a.D. Erich Horn weiter, ebenfalls, so Henning Plate, ein echter »Wähwijer Jong«.

Doch die Mitglieder des Musikvereins hatten nicht die erste Kapelle in Wehbach gebildet. Schon zwei Jahre nach der Gründung des Turnvereins 1901 wurde ein Trommlercorps gebildet, das von da an bei den Festen voranschritt. Das war der Vorläufer des späteren Spielmannszug des VfL Wehbach, der 1953 sein »50-Jähriges« feiern durfte. Mitte der 60er Jahre kam das Aus für die Gruppe.

Überall wurde also musiziert, nur in den »Vereinigten Staaten« klaffte in dieser Beziehung eine Lücke, nachdem sich die Kapelle Schauer aufgelöst hatte. 1984 kam dann eine Gruppe von Männern auf die Idee, zum Weihnachtsfest die Menschen in Herkersdorf und Offhausen mit einigen festlichen Weisen zu erfreuen. Darunter befanden sich auch Michael Weller und Ortsvorsteher Werner Christ. Die Überraschung kam in der Bevölkerung derart gut an, dass sich die eigentlich spontan gebildete Gruppe nun regelmäßig zu Proben traf. Und am 19. April 1985 war es dann soweit: Im »Druidenhof« erfolgte die Gründung der »Druiden-Musikanten«. Dabei hatten die 64 Gründungsmitglieder die Qual der Wahl. Zur Auswahl standen auch solche Bezeichnungen wie »Wiesengrund-Musikanten« und »Original Druidensteiner Musikanten«. Werner Christ übernahm den Vorsitz, Michael Weller den Dirigentenstab. Mit dem jungen Verein ging es rasant bergauf. Bereits im August 1985 wurde von Christ das 100. Mitglied begrüßt, dem nicht viel später Nr.200 folgte. So sind die »Druiden-Musikanten« heute nicht mehr aus dem musikalischen Erscheinungsbild der Gemeinde wegzudenken.

»Himmlische Klänge« von Baldus

Zum Schluss noch eine kurze Anekdote über den Musikverein: Henning Plate kann sich noch an wahrhaft »himmlische Töne« des damaligen Dirigenten Paul Baldus erinnern. Bei einem Flugplatzfest war dieser in einen Segelflieger gestiegen und hatte in luftiger Höhe über Kirchen Trompete gespielt, was im ganzen Ort zu hören war. Das wäre doch auch mit einer Tuba möglich – nicht wahr, Herr Müller?«

Fotos: Heimatverein Kirchen/Henning Plate/SZ-Archiv

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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