SZ

Impfung für Pflegefälle, die zu Hause betreut werden
„Fühlen uns vergessen und falsch informiert“

Über die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen können Rosmarie und Willi Hörter nur den Kopf schütteln.
  • Über die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen können Rosmarie und Willi Hörter nur den Kopf schütteln.
  • Foto: SZ-Archiv
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

nb Kirchen. Ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude haben Rosmarie und Willi Hörter nie verloren. Und nein, auch jetzt nicht. Aber ihrem Ärger und Unverständnis Luft machen, das muss das Ehepaar aus Kirchen. Worte wie „vergessen worden“ und „Wirrwarr“ fallen, wenn sie über die aktuelle Corona-Impf- und die dazugehörige Informationspolitik sprechen. Vollkommen von den Verantwortlichen vergessen worden seien die Menschen, die zu Hause gepflegt werden, und pflegende Angehörige, so empfinden sie es.Rosmarie Hörter, 69 Jahre alt, ist seit rund 50 Jahren an einer besonders schweren, fortschreitenden Form der Multiplen Sklerose (MS) erkrankt. Seit Ende der 70er-Jahre ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen und inzwischen in den Pflegegrad 3 eingestuft.

nb Kirchen. Ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude haben Rosmarie und Willi Hörter nie verloren. Und nein, auch jetzt nicht. Aber ihrem Ärger und Unverständnis Luft machen, das muss das Ehepaar aus Kirchen. Worte wie „vergessen worden“ und „Wirrwarr“ fallen, wenn sie über die aktuelle Corona-Impf- und die dazugehörige Informationspolitik sprechen. Vollkommen von den Verantwortlichen vergessen worden seien die Menschen, die zu Hause gepflegt werden, und pflegende Angehörige, so empfinden sie es.Rosmarie Hörter, 69 Jahre alt, ist seit rund 50 Jahren an einer besonders schweren, fortschreitenden Form der Multiplen Sklerose (MS) erkrankt. Seit Ende der 70er-Jahre ist sie auf einen Rollstuhl angewiesen und inzwischen in den Pflegegrad 3 eingestuft. Alleine in den eigenen vier Wänden leben – das würde nicht gehen.
Ihre Pflege sowie Einkäufe, Medikamentenbesorgung und Co. übernimmt ihr Ehemann, Willi Hörter. Dafür muss er natürlich raus, und trotz aller an den Tag gelegten Sorgfalt bleibt die Angst, das Coronavirus zu Hause einzuschleppen.

Pflegebedürftige unter 80 Jahren finden kaum Erwähnung

Mit ihrem Schicksal, so unterstreichen die beiden im Gespräch mit der SZ, seien sie selbstverständlich nicht allein. MS, Parkinson, andere Erkrankungen, Behinderungen nach schweren Unfällen: Es gebe in Deutschland viele Schwer- und Schwerstpflegebedürftige, die zu Hause von Angehörigen versorgt würden. Und so gehe es ihnen auch nicht nur um sich selbst, sondern insbesondere darum, auf das derzeitige Problem dieser Gruppe(n) aufmerksam zu machen: Pflegebedürftige unter 80 Jahren, die eben nicht in einem Heim untergebracht sind, und ihre „Pfleger“ würden in den Impfplanungen nicht erwähnt bzw. nur unter ferner liefen.
Dass vollkommen fitte Menschen über 80 Jahren in der ersten Impfgruppe seien und zudem in den Heimen geimpft werde, das sei „richtig und wichtig“, aber: Auch Menschen mit einer schweren Erkrankung sollten diese Priorisierung erhalten, egal in welchem Alter. Und auch Termine für pflegende Angehörige seien weit und breit nicht in Sicht.

"Informationspolitik ist katastrophal"

Über die Zahl der zur Verfügung stehenden Impfdosen in Deutschland können beide nur den Kopf schütteln. Ebenso geht es ihnen mit der Art, wie informiert wird. Das Urteil von Willi Hörter fällt eindeutig aus: „Die Informationspolitik ist katastrophal.“ Die Gruppeneinteilung beispielsweise sei undurchsichtig, Formulierungen seien einfach missverständlich. Hier beziehen sich die Kirchener auf eine Anzeige des Bundesgesundheitsministeriums und des Robert-Koch-Instituts in Verbindung mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, in der es unter anderem heißt: „Wenn Sie über 80 oder pflegebedürftig sind: Lassen Sie sich impfen und schützen Sie sich vor einer schweren Erkrankung!“
Und das kleine Wörtchen „oder“ sorgte offenbar nicht nur beim Ehepaar Hörter für Verwirrung. Nach Informationen der SZ gab es schon Anrufe bei der 116 117, bei denen der Anrufer zu hören bekam: Ja, die Formulierung sei missverständlich.

Beginn der Impfungen ist nicht planbar

Auch mit den sonstigen Informationen sind Rosmarie Hörter und ihr ebenfalls 69-jähriger Mann nicht glücklich. Rosmarie Hörter soll demnach von einem mobilen Team zu Hause geimpft werden. Wann das sein könnte und was mit einer möglichen Impfung für Herrn Hörter ist, dazu habe es keine Infos gegeben. Beim Blick auf die Impfgruppen wird Willi Hörter eher bange, schließlich dauert es noch ein paar Monate, bis seine Frau 70 wird und damit zur Gruppe II zählt.
Ein Pressereferent des Gesundheitsministeriums in Mainz weist in seinen Antworten auf die entsprechende SZ-Anfrage darauf hin, dass es mit den vorhandenen Impfstoffen bisher leider nicht möglich gewesen sei, zu Hause zu impfen. Biontech/Pfizer aber habe nun laut einer Mitteilung die Handhabung seines Impfstoffes vereinfacht, auf dieser Basis versuche das Ministerium nun mit dem Landes-Hausärzteverband, ein Konzept für Impfungen im häuslichen Bereich zu erarbeiten, um „eine dezentrale Impfung berechtigter Personen im häuslichen Bereich zu ermöglichen“. Der Beginn dieser Impfungen sei wegen der momentanen Liefer-Engpässe aber nicht vor Mitte/Ende Februar planbar.
Den Vorwurf mangelnder oder verwirrender Informationen weist das Gesundheitsministerium von sich. Das Ministerium habe mehrfach den aktuellen Stand zu Impfungen nicht mobiler und für eine Impfung priorisierter Personen, die zu Hause leben, vorgestellt.
Und zur Impfkampagne heißt es: „Das Ministerium unterstützt und ergänzt die Impfkampagne des Bundes und ruft dazu auf, sich bereits jetzt mit dem Impfen auseinanderzusetzen, auch wenn man noch nicht zur priorisierten Gruppe gehören sollte.“ Personen, die Pflegebedürftige der ersten oder zweiten Priorisierungsgruppe zu Hause pflegen, gehören demnach zur Gruppe II.
Wann diese „konkret geimpft“ werden, könne derzeit noch nicht benannt werden. Für das Ehepaar Hörter heißt es also weiter: warten. Den Lebensmut werden sie auch dabei nicht verlieren.

Die Impfgruppen in Rheinland-Pfalz

Wer gehört in Rheinland-Pfalz überhaupt in welche Priorisierungsgruppe? Hier eine Übersicht des Landes:

  • Impfgruppe I (ist aktuell impfberechtigt): über 80-Jährige, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, Pflegekräfte (ambulante und stationäre Pflege), Beschäftigte in med. Einrichtungen mit hohem Expositionsrisiko, med. Angestellte die Menschen mit hohem Risiko betreuen;
  • Impfgruppe II: Über 70-Jährige, Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz, Pflegekräfte von Menschen mit geistiger Behinderung, Patienten nach Organtransplantation, Ärzte und sonstiges Pflegepersonal mit regelmäßigem Patientenkontakt, enge Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, die über 70 sind, an Trisomie 21, geistiger Behinderung oder Demenz leiden oder eine Organtransplantation hinter sich haben, außerdem Polizei und Ordnungskräfte mit hohem Infektionsrisiko, Personen im öffentl. Gesundheitsdienst, Beschäftigte und Bewohner von Flüchtlings- und Obdachlosenunterkünften, enge Kontaktpersonen von Schwangeren;
  • Impfgruppe III: über 60-Jährige, Personen mit Vorerkrankungen wie z. B. Diabetes oder Herzerkrankungen, Beschäftigte in med. Einrichtungen mit geringem Expositionsrisiko, Erzieher und Lehrkräfte, Personen in relevanter Position in staatl. Institutionen, Personen in relevanten Positionen in Unternehmen und kritischer Infrastruktur, Personen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen;
  • Impfgruppe IV: gesunde Personen unter 60 Jahren.
Autor:

Nadine Buderath (Redakteurin) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil
ThemenweltenAnzeige
Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern.
4 Bilder

SZ-Abo vermitteln und Prämie aussuchen
Tolle Geschenke für den Lockdown-Alltag

Es ist die klassische Win-win-Situation: Mit einem Abo der Siegener Zeitung erhält ein Leser Ihrer Wahl täglich die besten Informationen und Themen aus der Region. Gleichzeitig können Sie sich eine unserer drei hochwertigen Prämien sichern. Vermitteln Sie uns einen neuen Abonnenten - und wir bedanken uns mit einem dieser tollen Geschenke. Wir möchten Ihnen den Pandemie-Alltag im eigenen Zuhause erträglicher machen und haben uns deshalb besondere Prämien für Homeoffice, Lockdown und Co....

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen