SZ

Nicht nur Strom wird immer teurer
Gaspreise gehen durch die Decke

Hans-Georg Gerhardus vor seinem „Dachs“, dem vor einigen Jahren installierten Blockheizkraftwerk. Das Ablesen der Zählerstände bereitet derzeit wenig Freude, seit die Gaspreise explodiert sind.
  • Hans-Georg Gerhardus vor seinem „Dachs“, dem vor einigen Jahren installierten Blockheizkraftwerk. Das Ablesen der Zählerstände bereitet derzeit wenig Freude, seit die Gaspreise explodiert sind.
  • Foto: thor
  • hochgeladen von Alexandra Pfeifer

thor Mudersbach. Hans-Georg Gerhardus ist durch und durch ein Mann der Umwelt, nicht nur als Haubergsgenosse und Imker, sondern auch als Hausbesitzer. Schon vor 15 Jahren hatte er in seiner Immobilie in Niederschelderhütte (heute in den Händen seines Sohnes Markus, „Fish and More“) die alte Ölheizung gegen ein Blockheizkraftwerk (BHKW) getauscht. Zusätzlich wurde ein Holzvergaser installiert. Begeistert von der Effizienz und den Einsparungen, wurde kurz darauf auch im Eigenheim an der Gartenstraße in Mudersbach ein BHKW eingebaut. „Der Umweltgedanke war dabei immer die Nr. 1“, sagt Gerhardus.

thor Mudersbach. Hans-Georg Gerhardus ist durch und durch ein Mann der Umwelt, nicht nur als Haubergsgenosse und Imker, sondern auch als Hausbesitzer. Schon vor 15 Jahren hatte er in seiner Immobilie in Niederschelderhütte (heute in den Händen seines Sohnes Markus, „Fish and More“) die alte Ölheizung gegen ein Blockheizkraftwerk (BHKW) getauscht. Zusätzlich wurde ein Holzvergaser installiert. Begeistert von der Effizienz und den Einsparungen, wurde kurz darauf auch im Eigenheim an der Gartenstraße in Mudersbach ein BHKW eingebaut. „Der Umweltgedanke war dabei immer die Nr. 1“, sagt Gerhardus.

Gaspreise sind extrem gestiegen

Nun aber ist der Elektro-Ingenieur im Ruhestand an einem Punkt angekommen, an dem er sämtliche Anlagen am liebsten demontieren und sie den Berufspolitikern in Berlin vor die Füße werfen würde. Seit die Gaspreise extrem gestiegen sind, rechnet sich das umweltfreundliche Mini-Kraftwerk nicht mehr. Gerhardus ärgert sich maßlos über die Preissteigerungen, viel mehr aber noch über die Hintergründe und Ursachen.

Ich fühle mich
als Spielball der Politik.
Hans-Georg Gerhardus
Gaskunde aus Mudersbach

Preis für Gas verdreifachte sich fast

In den vergangenen Jahren hat der Mudersbacher – wie Millionen anderer Gaskunden – um die 5 Cent pro Kilowattstunde bezahlt, zuletzt beim Anbieter „Grünwelt“. Das Unternehmen teilte ihm im Herbst mit, den Gaspreis auf rund 13 Cent zu erhöhen. Anfang Dezember kündigte Gerhardus daher den Vertrag zum 27. Januar 2022, doch „Grünwelt“ war noch schneller und stellte die Lieferung rückwirkend ein. Nunmehr ist er wieder Kunde bei der Rhenag – und zahlt ebenfalls 13 Cent. Nach Angaben von Gerhardus spielt es aufgrund der Marktsituation derzeit keine Rolle mehr, wo man einen neuen Vertrag unterschreibt, die Preise variierten zwischen 12,5 und 15 Cent.

Das Ergebnis: „Bisher haben wir 299 Euro pro Monat bezahlt, jetzt 1048 Euro“, berichtet der Mudersbacher. Und bevor jetzt Otto Normalverbraucher zusammenzuckt. Das BHKW benötigt deutlich mehr Gas als eine normale Heizung, über die Stromerzeugung (Eigenbedarf und Einspeisung) fließt ein Teil des Geldes wieder zurück. Dennoch: „Ich zahle jetzt richtig drauf, das ist der Wahnsinn.“

Der Mudersbacher begab sich auf Spurensuche

So hat sich Gerhardus einmal auf Spurensuche begeben und ist – aus seiner Sicht – auf eine ganze Reihe von Absurditäten und Widersprüchen gestoßen. Die Hauptschuldigen sieht er in der Bundesregierung. Kohle- und Kernkraftwerke würden einerseits abgeschaltet, andererseits stocke der Ausbau der erneuerbaren Energien. Also würden verstärkt Gaskraftwerke betrieben. „Jeder normale Mensch hätte nun, bevor er mehr Gaskraftwerke baut und betreibt, erst einmal geklärt, ob er denn auch das benötigte Gas von wem auch immer beziehen kann.“ Russland habe jedenfalls nach seinem Kenntnisstand seine vertraglichen Lieferzusagen erfüllt. Nirgendwo aber höre und lese er, was die Ursachen für den gestiegenen Gasverbrauch seien.

Gerhardus übt Kritik an den Versorgern

Durch das unüberlegte Handeln im Energiebereich treibe die Regierung den Strom- und Gaspreis in immer neue Höhen, meint Gerhardus: „Ich fühle mich als Spielball der Politik.“ Gaskunden mit auslaufendem Vertrag müssten sich auf Steigerungen um die 250 Prozent einstellen. Kämen die Lieferanten selbst in Schwierigkeiten, wie „Grünwelt“ und andere, geschehe das früher. Auch an den Versorgern selbst übt Gerhardus scharfe Kritik, denn eigentlich sei der Einkaufspreis für Gas seit 2020 lediglich um 3 Cent gestiegen.

Der Mudersbacher jedenfalls setzt auf die Inbetriebnahme von „Nord Stream 2“, auch wenn die Gasleitung derzeit im Mittelpunkt globaler Auseinandersetzungen steht. Er gibt zu bedenken, dass auf der anderen Seite auch die Amerikaner ein großes Interesse daran hätten, Deutschland mit (teurem) Flüssiggas zu versorgen – Flüssiggas, das per umweltschädlichem Fracking gewonnen werde. Und gleichzeitig könne man dann Atomstrom aus Frankreich einkaufen. Eine absolut verkehrte Welt, findet Gerhardus.

... und hätte am liebsten einen Holzvergaser im Keller

Ohne „Nord Stream 2“, davon ist der Elektro-Ingenieur überzeugt, werden die Gaspreise Richtung „unbezahlbar“ marschieren, und mit ihnen die Strompreise. Hätte er genügend Platz in seinem Keller, würde er dort statt des BHKW einen großen Holzvergaser einsetzen. Denn noch haben die Herren Putin, Biden, Scholz und Co. keinen Zugriff auf Giebelwald und Höhwald.

Autor:

Thorsten Stahl (Redakteur) aus Betzdorf

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