Bei medizinischer Versorgung sind Kooperationen in aller Munde
Grenzüberschreitend gesund?

Politiker aus den Landkreisen Siegen-Wittgenstein, Altenkirchen und Lahn-Dill-Kreis diskutieren das Projekt „Digitale Modellregion Gesundheit“ im Dreiländereck am Forschungskolleg der Uni Siegen, im Bild v. l.: Dr. Olaf Gaus, Bernd Brandemann, Dr. Peter Enders, Mario Schramm, Christoph Ewers, Volkmar Klein, Michael Wäschenbach, Dr. Josef Rosenbauer und Erwin Rüddel. Foto: FoKoS
  • Politiker aus den Landkreisen Siegen-Wittgenstein, Altenkirchen und Lahn-Dill-Kreis diskutieren das Projekt „Digitale Modellregion Gesundheit“ im Dreiländereck am Forschungskolleg der Uni Siegen, im Bild v. l.: Dr. Olaf Gaus, Bernd Brandemann, Dr. Peter Enders, Mario Schramm, Christoph Ewers, Volkmar Klein, Michael Wäschenbach, Dr. Josef Rosenbauer und Erwin Rüddel. Foto: FoKoS
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sz/thor Kreis Altenkirchen. Jahrzehntelang waren die Grenzen im Dreiländereck von der Politik mit virtuellem Stacheldraht ausgestattet. Gerade aber im Bereich der medizinischen Versorgung ist eine zunehmende Durchlässigkeit zu beobachten. Bestes Beispiel ist die sich anbahnende Kooperation des Kirchener DRK-Krankenhauses mit den Kliniken in Siegen. Dass diese kommen wird – eventuell bis zu gesellschaftsrechtlichen Vereinbarungen über die Landesgrenze hinweg –, ist inzwischen klar.

Dabei dürften Einzelheiten erst dann bekannt werden, wenn sich die Krankenhauslandschaft im nordrhein-westfälischen Oberzentrum neu „geordnet“ hat – was noch etwas dauern wird. Zum Vorteil von Kirchen. Denn der Faktor Zeit ist, entgegen ersten Befürchtungen, nun doch eher auf der Seite des rheinland-pfälzischen Standorts. Der neue Kaufmännische Direktor Nicki Billig muss zusammen mit den Chefärzten nicht in Aktionismus und Hektik verfallen, um das Haus wieder in die positiven Schlagzeilen zu bringen. Die ersten Signale und Maßnahmen sind jedenfalls vielversprechend – und damit ist wahrlich nicht nur die Nachricht von den neuen Chefärzten gemeint.

Völlig unabhängig davon haben sich kürzlich CDU-Politiker der Landkreise Altenkirchen, Lahn-Dill und Siegen-Wittgenstein im Forschungskolleg der Universität Siegen zum gemeinsamen Vorhaben einer grenzüberschreitenden „Digitalen Modellregion Gesundheit“ ausgetauscht. Wie berichtet, wollen die drei Landkreise kooperieren, um insbesondere Anreize für die ärztliche Niederlassung auf dem Land zu schaffen. „Dreiländereck und Versorgung im ländlichen Raum – das ist ein Alleinstellungsmerkmal“, wird der Wallmenrother Landtagsabgeordnete Michael Wäschenbach in einer Pressemitteilung der CDU zitiert. Ziel sei ein gemeinsamer Antrag beim Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses.

„Nur durch Delegation und Digitalisierung kann der drohende Ärztemangel behoben werden“, betont MdB Erwin Rüddel, der gute Finanzierungschancen für die Dreiländereck-Kooperation über den Innovationsfond sieht. Die Grundlage bilden Projekte des Forschungskollegs der Universität Siegen (FoKoS). Gemeinsam mit der Lebenswissenschaftliche Fakultät der Uni hat das FoKoS im Rahmen einer „Digitalen Modellregion Gesundheit“ verschiedene Projekte mit einzelnen Kommunen in Südwestfalen zum Thema „Technische Assistenzsysteme für die gesundheitliche Versorgung“ initiiert.

Im Mai war das Vorhaben erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentiert worden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte dabei die Förderung insbesondere größerer, regionaler und digitaler Projekte in Aussicht gestellt, die umfassende Versorgungsfragen konkret in den Blick nehmen. Zusammen mit Partnern aus Gesundheit, Politik und Wirtschaft werden die Projektideen mit Blick auf die Regionale 2025 sowie den Innovationsfonds weiterentwickelt. Hierzu gehört auch ein Blick über die Landesgrenzen Nordrhein-Westfalens. Dr. Olaf Gaus, Geschäftsführer des FoKoS, sieht das Dreiländereck als „Reallabor“, in dem die Patienten durch ihre aktive Teilnahme in die Rolle von Probanden schlüpfen.

Dieser Prozess wird beispielhaft untersucht in dem kürzlich bewilligten Projekt „DataHealth“ in Burbach, wo der digitale Transfer der Vitaldaten von und durch die Patienten in einen Testlauf geht, wie Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers erklärte. Im Zuge dessen steht das Forschungskolleg derzeit auch mit der hessischen Nachbarstadt Haiger im Gespräch, um die in Burbach gewonnen Erkenntnisse in einer „digitalen Praxis“ der Zukunft zu erproben. „Haiger ist Gastgeber des Hessentags 2022, der unter dem Motto ,Digitalisierung und Gesundheit’ stattfinden wird’, erläuterte Bürgermeister Mario Schramm

Im Landkreis Altenkirchen wird derweil die „digitale Unterstützung von nichtärztlichen Praxisassistenten/-innen für Hausbesuche beim Patienten“ untersucht. Ein Modell, das auch der künftige Landrat Dr. Peter Enders begrüßt: „Patienten haben zu viele persönliche Kontakte zum Arzt. Nichtärztliche Praxisassistentinnen können die Ärztinnen und Ärzte bei der Bewältigung dieser Aufgabe im Wege der Delegation noch mehr als bisher unterstützen.“

Unter den Anwesenden im FoKoS waren auch Volkmar Klein, MdB und Abgeordneter für Siegen-Wittgenstein, Bernd Brandemann, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein, sowie Dr. Josef Rosenbauer, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Altenkirchen. Alle Beteiligten betonten während des Gesprächs die Notwendigkeit eines schnellen Handelns zur Umsetzung des gemeinsamen Vorhabens der „Digitalen Modellregion Gesundheit“ im Dreiländereck.

Autor:

Redaktion Altenkirchen aus Betzdorf

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