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Werkausschuss appelliert an Eigenverantwortung
Herkulesaufgabe Starkregenvorsorge

2018 hat es die Klotzbachstraße in Kirchen förmlich zerrissen. 93 Millimeter Regen pro Quadratmeter binnen 90 Minuten: Das halte keine Kanalisation aus, so Werkleiter Marco Hörter.
  • 2018 hat es die Klotzbachstraße in Kirchen förmlich zerrissen. 93 Millimeter Regen pro Quadratmeter binnen 90 Minuten: Das halte keine Kanalisation aus, so Werkleiter Marco Hörter.
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  • hochgeladen von Katja Fünfsinn (Redakteurin)

dach Kirchen. Die Ahr wurde mit keiner Silbe erwähnt. Vielleicht, weil alle im großen Sitzungssaal wussten, dass bei einer Naturkatastrophe dieses Ausmaßes wirklich nichts mehr zu machen ist. Es ging im Werkausschuss der Verbandsgemeinde Kirchen am Dienstagabend vielmehr darum, wie man sich gegen einen „normalen“ Starkregen wappnen kann.

Wobei: Was ist schon normal? Es sei nur an den Fronleichnamstag 2018 erinnert. Die SZ titelte damals „Land unter im Siegtal“. Glaubt man Klimaforschern, wird es in Zukunft häufiger solche Ereignisse geben. Daher haben sich die Kirchener Verbandsgemeindewerke mit möglichen Strategien in Sachen Überflutungen beschäftigt. Marco Hörter stellte dem Ausschuss konkrete Ideen vor, in erster Linie anhand des Starkregenvorsorgekonzepts der Stadt Ludwigshafen.

dach Kirchen. Die Ahr wurde mit keiner Silbe erwähnt. Vielleicht, weil alle im großen Sitzungssaal wussten, dass bei einer Naturkatastrophe dieses Ausmaßes wirklich nichts mehr zu machen ist. Es ging im Werkausschuss der Verbandsgemeinde Kirchen am Dienstagabend vielmehr darum, wie man sich gegen einen „normalen“ Starkregen wappnen kann.

Wobei: Was ist schon normal? Es sei nur an den Fronleichnamstag 2018 erinnert. Die SZ titelte damals „Land unter im Siegtal“. Glaubt man Klimaforschern, wird es in Zukunft häufiger solche Ereignisse geben. Daher haben sich die Kirchener Verbandsgemeindewerke mit möglichen Strategien in Sachen Überflutungen beschäftigt. Marco Hörter stellte dem Ausschuss konkrete Ideen vor, in erster Linie anhand des Starkregenvorsorgekonzepts der Stadt Ludwigshafen.

Das wird zwischen Friesenhagen und Herkersdorf zwar nicht als Blaupause dienen, aber man will sich, so war den Ausführungen des Werkleiters zu entnehmen, einiger Anregungen bedienen. Allerdings schickte Hörter voraus: „Die Kanalisation kann nicht jeden Starkregen abfangen.“ Das sei beim sogenannten hundertjährigen Ereignis in Ludwigshafen 2002 nicht geglückt, bei dem es 65 Millimeter pro Quadratmeter binnen 90 Minuten waren, und auch nicht in der Klotzbach: Als es die Straße in Kirchen vor über drei Jahren förmlich zerrissen hatte, seien es 93 Millimeter gewesen, so Hörter. Wolle man solche Wassermassen auffangen, müssten die Kanäle einen Durchmesser von zwei Metern haben – völlig an der Realität vorbei.

Die Kanalisation kann nicht jeden Starkregen abfangen.
Marco Hörter
Leiter der Kirchener VG-Werke

Von Ludwigshafen möchte der Werkleiter aber das Prinzip der Gefahrenkarten übernehmen. Dabei gehe es nicht nur darum zu klären, wo Gefahren liegen, sondern auch, was passieren kann. Fließe etwa eine größere Wassermasse über eine Wiese in die Sieg ab, sei das ziemlich egal. Aber wehe, es geht durch ein Wohngebiet… Er nahm noch einmal die Klotzbach als Beispiel: Hier sei die Gefahr für stürzende Wassermassen aufgrund der Topografie nach wie vor hoch, das Schadenspotenzial aber recht niedrig. Schließlich gebe es hier relativ wenige Häuser, und die Straße sei sowieso schon hin.

Die Werke wollen künftig mehr Einfluss auf die Planung von Baugebieten nehmen. Dabei gehe es auch darum, Abflussmöglichkeiten zu bedenken, etwa Grundstücke in einer Senke unbebaut zu lassen. Auch könne man die Kanalisation so anlegen, dass Sport- und Spielplätze im Notfall geflutet werden. Regeneinläufe müssten so angeordnet sein, dass das Oberflächenwasser auch wirklich darüber in den Kanal fließen kann. Und sie dürften nicht zugesetzt sein. Auch wenn die Sinkkästen regelmäßig von einem Unternehmen gereinigt würden: Beigeordneter Ullrich Merzhäuser meinte, man müsse die Bürger daran erinnern, mal wieder mit dem Besen die Gosse frei zu machen und auch die Einläufe im Blick zu behalten. Bürgermeister Andreas Hundhausen kam niedrigschwelliger daher: „Zumindest Laub und Dreck nicht dareinkehren.“

Über diesen Aspekt kam Werkleiter Hörter schließlich auf „das ganz große Thema Eigenverantwortung“. Es gehe um die Frage: „Ist mein Haus überflutungssicher?“ Dabei gehe es etwa um erhöhte Eingänge oder Lichtschächte. Eigenverantwortung: Diese Vorlage konnte Kurt Möller von den Grünen nicht unverwandelt lassen. „Starkregen ist ja nur der Ausfluss des Themas Klimawandel.“ Aber das sei ja bei vielen noch gar nicht angekommen. Bürgermeister Hundhausen differenzierte: Es gehe einerseits um die Klimafolgenanpassung, andererseits darum, den Klimawandel aufzuhalten. „Das sind zwei völlig unterschiedliche Dimensionen.“ – „Die aber nicht voneinander zu trennen sind“, schob Möller nach.
Als kommunale Familie, also alle Gemeinden gemeinsam, müssten jedenfalls die Bevölkerung noch viel mehr für das Thema sensibilisieren, und das werde ein Dauerprozess werden, so Hundhausen abschließend. Möller: „Ich wünsche Ihnen dabei viele offene Ohren.“

Autor:

Achim Dörner (Redakteur) aus Betzdorf

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