Herrlich ist es, ein Musikant zu sein

Er freute sich über das gelungene Konzert: Ludwig Griffel, Dirigent des Musikverein Lyra Brachbach.  Foto: hmw
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hmw Brachbach. Wer immer noch der Meinung ist, dass Blasmusik nur etwas für Schützenfeste und Bierzelte ist, der wurde am Samstagabend in der vollbesetzten Mehrzweckhalle Brachbach eines besseren belehrt – beim Frühjahrskonzert des Musikvereins Lyra Brachbach unter der Leitung von Ludwig Griffel.

Und auch der Nachwuchs mischt schon mehr als kräftig mit: in der Jugendkapelle unter gemeinsamer Leitung von Martin Zöller und Christoph Griffel. Zöller ist auch 1. Vorsitzender und hieß neben den Vertretern der Politik und den Ehrenmitgliedern das Publikum herzlich willkommen. Dass in Brachbach schon rheinisches Temperament anzutreffen ist, merkte man gleich am Eingangstitel – dem furiosen und technisch anspruchsvollen Marsch „Unter der Admiralsflagge“.

Anschließend folgte das nicht weniger anspruchsvolle konzertante Stück „Cape Horn“, ein Solo für Horn und Blasorchester. Ganz so gefährlich, wie die See vor Kap Horn, war das Werk freilich nicht, doch gab es für den Solisten, Reiner Schuhen, einige Klippen zu umschiffen, die er jedoch mit Bravour meisterte.

Waghalsig zeigten sich die Musiker freilich bei den zahlreichen Passagen, Kadenzen und vor allem den stark unterschiedlichen Rhythmen. Ohren, Herz und Sinne wurden dabei in jeder Hinsicht verwöhnt, auch wenn es dabei (absichtlich) dramatisch herging. Dies merkte man bei der Interpretation von „Kyrill“, einem Auftragswerk, bei dem die Impressionen des Jahrhundertsturms musikalisch wuchtig mit prasselndem Regen, umknickenden Bäumen und heulenden Sirenen umgesetzt wurden. Ein Bravo für diese Leistung!

Als Höhepunkt dieses ersten Konzertteiles präsentierte der Musikverein noch „Hymn To The Fallen“, eine Filmmusik, die die Invasion der Alliierten in der Normandie 1944 beschreibt. Dazu hatte man in einem aufwendigen Casting eigens einen Projektchor zusammengestellt, der die Komposition wirkungsvoll untermalte.Voll frischer Energie marschierte danach das Jugendorchester auf die Bühne. Einen guten Griff hat man hier zweifelsohne mit Christoph Griffel getan, der u  a. auf dem Robert-Schumann-Konservatorium in Düsseldorf eine fundierte Ausbildung absolviert hat. Gemeinsam mit Martin Zöller verstand er es trefflich, die junge Truppe bei den Werken „Room For Two“, „The Awakening“ und „Dynamite“ zu Höchstleistungen anzuspornen. Eine Zugabe wurde da stürmisch erklatscht!Auch nach der Pause blieb man streng im Genre der modernen und konzertanten Blasmusik, lockerte diese jedoch etwas auf. Zur Einleitung des zweiten Teiles prallten in „Symphonic Rock“ gleich zwei Giganten der Rock- und Popmusik aufeinander; aber dass das ging und auch gut klappte, wurde eindrucksvoll unter Beweis gestellt.Da schien der nächste Titel „Dem Land Tirol die Treue“ gar nicht zu passen, doch tatsächlich wurde dieses Stück nachweislich zum Gassenhauer unter österreichischen Jugendlichen. Und auch in Brachbach erhoben sich die Musikanten zu den patriotischen Klängen „Du bist das Land, dem ich die Treue halte“ von den Stühlen. Applaus und Beifallspfiffe!Später gab es nach dieser ungewöhnlichen Einlage noch ein Solostück mit Orchester, nämlich „Saxpack: vielseitig, klangverschwenderisch und mit vielen Stakkatos durchsetzt.Es verlangte dem Solisten, Andreas Reitz, wechselnd auf Tenor- und Altsaxophon einiges ab. „Those Magnificent Men And Their Flying Machines“, lautete der letzte Titel des Konzertes. Der gleichnamige Film, „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ ist sicher vielen bekannt. Und dass es nicht nur herrlich ist, ein Flieger, sondern auch ein Musikant zu sein, merkte man schon nach den ersten Takten. Da ging die Post noch einmal voll ab, so dass das Publikum von den Stühlen hochsprang und Zugaben forderte.Die gab es mit dem Marsch „Alte Kameraden“ und als Ausklang zum Abend mit dem Ohrwurm „Guten Abend, gute Nacht“. Gut gemacht!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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