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BI Wildenburger Land: Artenschutz-Gutachten und Banner-Aktion
„Hier gehören keine Windräder hin“

Wenn schon keine Versammlungen möglich sind, will die BI Wildenburger Land ihre Botschaften mit großen Bannern verkünden. Das erste präsentieren hier Christoph Gehrke und Udo Otterbach (r.).
  • Wenn schon keine Versammlungen möglich sind, will die BI Wildenburger Land ihre Botschaften mit großen Bannern verkünden. Das erste präsentieren hier Christoph Gehrke und Udo Otterbach (r.).
  • Foto: Daniel Montanus
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

damo Friesenhagen. Das beste Auge nützt nichts, wenn es in die falsche Richtung blickt. Diese letale Erfahrung machen etliche Rotmilane. Ihre Beute befindet sich auf dem Boden, also blickt auch der Milan im Suchflug konzentriert nach unten – und sieht nicht die Gefahr, auf die er unbeirrt zufliegt. Genau diese Geschichte erzählt jeder einzelne tote Greifvogel, der am Fuße eines Windrads aufgesammelt wird. Unlängst haben Horst Braun und Christoph Buchen wieder einen toten Rotmilan entdeckt. Diesen Fund haben sie an die Vogelschutzwarte in Brandenburg gemeldet, denn dort wird über die Windrad-Schlagopfer Buch geführt. „Der Rotmilan steht ganz vorne auf der Liste“, sagt Braun.

damo Friesenhagen. Das beste Auge nützt nichts, wenn es in die falsche Richtung blickt. Diese letale Erfahrung machen etliche Rotmilane. Ihre Beute befindet sich auf dem Boden, also blickt auch der Milan im Suchflug konzentriert nach unten – und sieht nicht die Gefahr, auf die er unbeirrt zufliegt. Genau diese Geschichte erzählt jeder einzelne tote Greifvogel, der am Fuße eines Windrads aufgesammelt wird. Unlängst haben Horst Braun und Christoph Buchen wieder einen toten Rotmilan entdeckt. Diesen Fund haben sie an die Vogelschutzwarte in Brandenburg gemeldet, denn dort wird über die Windrad-Schlagopfer Buch geführt. „Der Rotmilan steht ganz vorne auf der Liste“, sagt Braun.
Er muss es wissen, denn gemeinsam mit Christoph Buchen erstellt er seit mehreren Jahren immer neue Gutachten über die Fauna des Wildenburger Lands. Und besonders die windkraftsensiblen und geschützten Arten stehen dabei im Vordergrund, also neben dem Rotmilan in erster Linie der Schwarzstorch sowie einige seltene Fledermäuse.

Rund 90 freiwillige Helfer

Mit großem Engagement und der Unterstützung von rund 90 freiwilligen Helfern protokollieren die beiden Naturbegeisterten jede Sichtung. Sie vermerken die Flugrichtungen, sie kennen die Horststandorte, sie wissen um die Nahrungsbiotope. Tausende Beobachtungen haben sie im Laufe der Jahre festgehalten.
Damit haben sie der BI Wildenburger Land einen Datensatz an die Hand gegeben, der im Kampf gegen geplante Windparks von großem Wert ist. „Dass die Windräder auch nach fünf Jahren noch nicht im Wildenburger Land stehen, hängt eng mit den Gutachten zusammen“, meint Christoph Gehrke, einer der BI-Sprecher. Denn die BI beliefert Jahr für Jahr die umliegenden Rathäuser und Kreisverwaltungen mit den aktuellen Zahlen. „Und der Artenschutz ist das zentrale Kriterium, ob eine Windenergieanlage gebaut werden darf oder nicht“, ergänzt der zweite Sprecher der BI, Udo Otterbach.

Inzwischen fünftes Gutachten verschickt

Aktuell ist das nunmehr fünfte Gutachten an die politischen Entscheidungsträger in der Region verschickt worden. Und es zeigt einmal mehr: „Das Wildenburger Land ist sicher kein Paradies mehr. Aber es ist nach wie vor ein Naturraum, der einiges zu bieten hat“, meint Braun. Und Buchen zieht aus den Daten ein eindeutiges Fazit: „Hier gehören einfach keine Windräder hin.“
Denn ein Windpark, da sind sich die Männer einig, würde die Landschaft und damit die Naturräume nachhaltig schädigen. Genau dagegen kämpft die BI auch weiterhin an – und sie hat nicht vorrangig den einzelnen Rotmilan im Blick, sondern eine Landschaft, die Mensch und Tier Rückzugsmöglichkeiten bietet. Das jedenfalls ist die zentrale Botschaft einer Banner-Aktion, die die BI in Zeiten der Corona-Pandemie als neue Kommunikationsplattform an den Start gebracht hat.

Information mittels großer Banner

„Wir können keine Großveranstaltungen ausrichten, und selbst unser Bürgerstammtisch kann derzeit nicht stattfinden“, sagt Otterbach. Allerdings stehe die Landschaft auch in Zeiten der Pandemie weiter unter Druck, sagt die BI: Ob Gewerbegebiet, Freiflächen-Photovoltaik oder Windmessmast: „Da droht einiges auf unsere Heimat einzuwirken“, sagt Otterbach.
Diese Themen will die BI in die Öffentlichkeit tragen: „Damit sich jeder eine Meinung bilden kann, muss er wissen, was hier läuft. Wenn die Menschen nicht informiert sind, nimmt man ihnen die Entscheidung ab“, mahnt Otterbach. Und weil die üblichen Kommunikationswege der BI derzeit eingeschränkt sind, gibt es jetzt große Banner.

100 Schilder auf Privatgrundstücken

Das erste steht im Ortskern Friesenhagens, und dort verkündet es eine klare Botschaft: „Lebensräume schützen!“ Weitere Banner sollen folgen, und zwar zu verschiedenen Themen, zum Beispiel zum Artenschutz oder zu spezielleren Aspekten wie Photovoltaik auf der grünen Wiese.
Wann die nächsten Banner kommen, ist noch offen – fest steht aber, dass sie nicht nur ausgetauscht werden sollen. Wenn in ein paar Wochen das nächste Plakat fertig ist, soll das erste an einem anderen Standort aufgestellt werden – und so weiter. Ziel: „Irgendwann werden dann an allen Eingangstoren der Gemeinde klare Botschaften zu lesen sein“, sagt Otterbach. Er und seine Mitstreiter sind auch davon überzeugt, dass viele Menschen hinter der Aktion stehen: Vor einem Jahr hat die BI Schilder drucken lassen, die für den Wert des Landschaftsschutzgebiets werben – und noch immer stehen gut 100 dieser Tafeln auf diversen Privatgrundstücken.

Zeit des Kuppenguckens spätestens ab April

Weil ein Banner nur oberflächlich informieren kann, soll jedes einzelne von einem Flyer zum jeweiligen Thema begleitet werden. Die erste Postwurfsendung ist bereits in Vorbereitung.
Unterdessen werden Horst Braun, Christoph Buchen und all die anderen Vogelbeobachter bald wieder den Himmel scannen: Spätestens im April, wenn die Rotmilane ihre Reviere abstecken, beginnt im Wildenburger Land die Zeit des Kuppenguckens.

Autor:

Daniel Montanus (Redakteur) aus Betzdorf

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